20. Jahrhundert 1920-1929 – Die Deutschen und die erste Demokratie | Terra X

20. Jahrhundert 1920-1929 – Die Deutschen und die erste Demokratie | Terra X

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Hi. Herzlich Willkommen zu unserem dritten Video zum 20. Jahrhundert und den berühmten 20er Jahren. In der Zeit zwischen 1920 und 1929 passiert viel in Deutschland: Der Friedensvertrag von Versailles tritt in Kraft und die Weimarer Republik kämpft mit den Hypotheken des Ersten Weltkriegs. Immer wieder muss sich die junge Demokratie bewähren. Wie sie das macht, ob das klappt und welche Lehren unsere heutige Demokratie aus Weimar gezogen hat, das schauen wir uns jetzt genauer an. Die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts enthalten den gesamten Spannungsbogen der ersten funktionierenden deutschen Demokratie - mit allen Höhen und Tiefen. 1919 wird sie in Weimar ins Leben gerufen. Ende der 20er Jahre beginnt mit der Weltwirtschaftskrise ihr Niedergang, der den Nationalsozialisten 1933 den Weg zur Macht ebnet. Von Anfang an wird die Demokratie von Kämpfen und Krisen begleitet. Am 11. November 1918 endet der Erste Weltkrieg mit einem Waffenstillstand. Kurz vorher wird die Abdankung von Kaiser Wilhelm II verkündet und der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft in Berlin die Republik aus. Die Monarchie in Deutschland ist Geschichte. Was sich in diesen revolutionären Novembertagen politisch ereignet, ist für die Menschen ganz schön viel auf einmal.
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Im Juni 1919 wird dann noch der Vertrag von Versailles unterzeichnet. Dieser Vertrag soll eigentlichen Ordnung schaffen, aber tatsächlich stiftet er viel Unruhe. Warum das so ist, das erfahrt ihr, wenn ihr oben auf das „i“ klickt. Da gibt’s mehr zum Vertrag von Versailles. Um schnell handlungsfähig zu sein wird einen Monat später noch die Weimarer Verfassung verabschiedet: Die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands. Erste demokratische Anläufe gibt es übrigens schon früher und ein Symbol zeigt das besonders gut. Die schwarz-rot-goldene Flagge wird auf dem Hambacher Fest 1832 zum ersten Mal öffentlich geschwenkt. Und während der Revolution 1848/49 sind die Farben das Sinnbild für Freiheit und Einheit. Die Frankfurter Nationalversammlung erklärt schwarz-rot-gold dann auch zu den offiziellen Farben Deutschlands. Die Revolution scheitert zwar und die Fahne verschwindet, aber sie kommt wieder: 1919 mit der Weimarer Verfassung. Und nach dem 2. Weltkrieg ersetzt sie die Symbole der Diktatur und bleibt - bis heute. Deutschland und die Demokratie haben die Farben schwarz-rot-gold. Diese Farben stehen für die Demokratie. In der Weimarer Republik sorgt die neue demokratische Verfassung in Teilen der Bevölkerung für Aufbruchsstimmung. Zum ersten Mal erhält das Volk im Deutschen Reich die Staatsgewalt. Es gibt einen Grundrechtekatalog und ein allgemeines und gleiches Wahlrecht für alle Männer und – erstmals auch – für alle Frauen.
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Zu ihrer Zeit gilt die Weimarer Verfassung als eine der modernsten weltweit. Wenn ihr mehr dazu wissen möchtet, ihr werdet es euch schon gedacht haben. Da müsst ihr einfach oben auf das „i“ klicken. Da gibt’s ein Video dazu. Vieles was damals geschaffen wird, ist für uns heute selbstverständlich. Die Anfänge sind trotzdem schwer, denn viele Deutsche fühlen sich fremd im neuen System. Der Wechsel vom Kaiserstaat zur Demokratie kommt zu plötzlich – Die Menschen sind überfordert. Außerdem haben die meisten Deutschen die Niederlage in diesem verheerenden ersten Weltkrieg noch nicht realisiert. Besonders in den Städten hungern die Menschen, auf den Straßen kommt es oft zu chaotischen Zuständen. Rechte und linke Extremisten machen der neuen Republik zu schaffen. Unsicherheit ist überall zu spüren. Und in diese Unsicherheit stößt nach Kriegsende auch noch die sogenannte Dolchstoßlegende, oder besser gesagt Dolchstoßlüge. Sie stellt für die Demokratie von Anfang an eine Belastung dar. Nationalkonservative und antirepublikanische Kräfte verbreiten nämlich die Mär in der Heimat, vor allem Parteien und Gewerkschaften, seien schuld an der Niederlage. Sie hätten das eigentlich „siegreiche“ Heer durch den Friedensschluss mit den Kriegsgegnern von hinten erdolcht. Fake News, die Wirkung zeigen. Dabei sind die deutschen Truppen in den letzten Kriegswochen in einem desolaten Zustand, demoralisiert und erschöpft und nicht mehr in der Lage den Sieg zu erringen,
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aber durch die ständige Wiederholung der Dolchstoßlegende glauben die Menschen irgendwann an sie. Aus einer Erzählung wird Wahrheit – auch weil es besser zur eigenen Weltanschauung passt. So wird von Beginn an das Vertrauen in die Demokratie ausgehöhlt. Stimmung machen gegen die Demokratie – das ist ein Phänomen, das wir kennen. Mit Falschmeldungen, mit Fake News wird unser freiheitliches System auch heute immer wieder auf die Probe gestellt, aber im Gegensatz zu Weimarer Republik können wir heute die Absicht einer Nachricht leichter hinterfragen. Die junge Weimarer Republik wird aber nicht nur von rechten Kräften in die Zange genommen, sondern auch von links. Kommunisten fordern eine Staatsform nach sowjetischem Vorbild und attackieren die regierenden Demokraten mit Gewalt. Die Gesellschafft ist gespalten, es sind politisch unruhige Zeiten. Die extremen Lager bekriegen sich auf der Straße und manche der damaligen Parolen kursieren auch heute wieder: Lügenpresse, Volksverräter oder Überfremdung. Und noch ein Déjà-vu: genau wie damals hissen auch heute Gegner der Demokratie die schwarz-weiß-rote Reichsflagge aus den Tagen der Monarchie. Die Fahne des Kaiserreichs als Provokation. Manche Partei wirbt damals offen für die Rückkehr zur Monarchie.
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Auf Wahlplakaten ist „Schwarz-Weiß-Rot! Das ist Deutschland“ zu lesen. Die Weimarer Demokratie wird für die Dauer ihres Bestehens von ihren Feinden gejagt. Von Anfang an. Aber es bleibt nicht bei Hassparolen. Im Krisenjahr 1923 glaubt Adolf Hitler die Chance zum Sturz der Republik sei gekommen. Von München aus ruft Hitler, einer der führenden Köpfe der rechtsextremen Splitterpartei NSDAP damals zum Sturm auf die Reichsregierung in Berlin. Der dilettantische Aufstand wird aber niedergeschlagen, es gibt Tote. Später wird Hitler wegen Hochverrats angeklagt. Aber der Prozess wird zur Farce: die Justiz sympathisiert offen mit dem Umstürzler und verurteilt ihn zu lediglich 5 Jahren Festungshaft, und nach wenigen Monaten wird er schon wieder vorzeitig entlassen. Aber nicht nur die Dolchstoßlüge oder die Gegner der Demokratie stellen die Weimarer Republik auf eine harte Probe. Auch die wirtschaftliche Not lässt die Menschen an der neuen Staatsform zweifeln. Damit die immensen Schulden und Folgekosten des Krieges bezahlt werden können, wird immer mehr Geld gedruckt. Mit fatalen Folgen. 1923 kommt es zu einer Hyperinflation, das Geld verliert seinen Wert, sobald es gedruckt ist. Viele Deutsche verlieren ihre gesamten Ersparnisse und das Vertrauen in den Staat. Für die Menschen damals eine traumatische Erfahrung.
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Nur mal so ein Beispiel für die Inflation: Im Juni 1923 kostet ein Ei 800 Reichsmark, im Dezember muss man dafür schon 320 Milliarden Reichsmark zahlen. Die Menschen besitzen Schubkarren voller Geld und haben trotzdem nichts. Ruhe kehrt erst ein, als Reichskanzler Gustav Stresemann es schafft, die Wirtschaft mit einer Währungsreform zu stabilisieren. Im August 1923 wird er von Reichspräsident Friedrich Ebert ernannt. Die beiden führenden Staatsmänner sind in der Weimarer Republik mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Mit diesen Befugnissen versuchen sie die Demokratie zu schützen. Ihre Nachfolger dagegen missbrauchen sie später. Damit das heute nicht mehr passieren kann, sind unter anderem die politischen Rechte des Bundespräsidenten stark begrenzt, seine Aufgaben sind im Wesentlichen repräsentativ. Zusätzlich wacht das Verfassungsgericht über die Verfassung der Bundesrepublik und geht gegen Feinde der Demokratie vor. Um die Inflation in Deutschland zu stoppen, trifft Reichskanzler Stresemann 1923 mutige Entscheidungen. Er wagt einen harten Schnitt und führt die sogenannte Rentenmark ein. Stresemann gelingt es tatsächlich, die Geldentwertung zu beenden und die Währung nachhaltig zu stabilisieren. Die Wirtschaft erholt sich, und mit dem ökonomischen Aufschwung fassen die Menschen tatsächlich neues Vertrauen in die Demokratie und in die Weimarer Republik - zumindest für ein paar Jahre.
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Gustav Stresemann ist einer der großen Staatsmänner der Weimarer Republik und erhält später für seine Verdienste als Außenminister sogar den Friedensnobelpreis. Wer mehr zum Krisenjahr 1923 wissen, der kann natürlich gerne oben auf das „i“ klicken. Da haben wir für euch ein Video verlinkt. Nach den ganzen Krisen bricht dann erst einmal eine Zeit an, die uns bis heute fasziniert, die sogenannten goldenen 20er. In dieser kurzen Erholungsphase atmen die Menschen durch – manche, besonders Großstädter stürzen sich ins Vergnügen, um die Schrecken des Krieges hinter sich zu lassen. Der wirtschaftliche Aufschwung hilft ihnen dabei. Arbeit lohnt sich wieder. Und wer Geld in der Tasche hat, der gibt es aus - auch in Nachtclubs, Bars und im Theater. Vor allem die Berliner Avantgarde pflegt einen freizügigen Lebensstil. Die intellektuellen Eliten suchen nach neuen Wegen in Kunst und Kultur. Für viele Menschen außerhalb der großen Städte ändert sich damals allerdings wenig. Der Mythos von den „goldenen Zwanzigern“ überliefert aber ein hoffungsvolles Gesicht der Weimarer Republik, aber er zeigt eben nur einen Teil. 1929 sind die goldenen Jahre dann so schnell vorbei, wie sie begonnen haben. Die rauschenden Partys enden abrupt.
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Der Börsencrash an der New Yorker Wallstreet wirkt sich direkt auf das Leben der Menschen und auf die deutsche Wirtschaft aus. Dringend benötigte Kredite aus den USA bleiben aus. Mehrere Zehntausend Firmen sind plötzlich bankrott, Banken schließen und Millionen Menschen verlieren ihre Arbeit. Von 1929 bis 1933 steigt die Zahl der Erwerbslosen von 1,3 auf über 6 Millionen. In großen Teilen der Bevölkerung herrscht regelrechte Hungersnot. Auch die Kriminalitätsrate steigt rasant – Die „guten“ Jahre der Weimarer Republik reichen nicht aus, um die Demokratie durch die Krise zu retten. Die Menschen haben nicht den Eindruck, dass die Republik mit solchen Problemen umgehen kann. Die Jahre vor dem Börsencrash bringen Deutschland zwar wirtschaftlich eine gewisse Stabilität, aber politisch sieht es ganz anders aus. Die Parteien haben Mühe, sich in Koalitionen zusammenzuraufen. Sie liegen zunehmend im Streit miteinander und finden immer schwerer zum Kompromiss. Der große Zulauf für republikfeindliche Parteien verringert den demokratischen Spielraum. Der ehemalige Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg ist zu dieser Zeit Reichspräsident, sozusagen der Ersatzmonarch in der Weimarer Republik. Ausgestattet mit umfangreichen Befugnissen trägt er allerdings nicht zur Festigung der Demokratie bei. Der überzeugte Monarchist und „Mit-Urheber“ der Dolchstoßlüge legt zwar den Eid auf die Weimarer Verfassung ab, aber überzeugt ist er von ihr nie.
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Hindenburg ist schließlich mitverantwortlich für das Ende der Weimarer Republik. Die Gegner der Verfassung werden immer stärker, und im Januar 1933 liefert Hindenburg die erste deutsche Demokratie Adolf Hitler aus, indem er ihn zum Reichskanzler ernennt. Die politischen Weichensteller glauben zwar, den Machthaber kontrollieren zu können und ihn von nationalkonservativen Bündnisgenossen zähmen zu lassen, aber so kann man sich täuschen. Die Nazis beseitigen die Demokratie mit demokratischen Mitteln und bauen ihre Macht im Staat diktatorisch aus. Als Reichskanzler bedient Hitler sich umgehend aller ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel und zerlegt nach und nach die Gewaltenteilung, die Grundrechte und parlamentarische Demokratie. Bald schon lässt sich Hitler auch offiziell „Führer“ nennen. Und wir wissen wie die Herrschaft dieses Führers endete: im 2. Weltkrieg und mit unfassbarem Leid und dem Sterben für Millionen. Im Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg für Deutschland, das Land steht am Abgrund. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wird Deutschlands Zukunft von den Siegermächten vorgegeben. Auf den Trümmern der Diktatur soll eine neue politische Ordnung entstehen. Unter sowjetischem Schutzschirm entsteht im Osten die sozialistische DDR und in den Westzonen legen die Westalliierten die Grundlagen für eine parlamentarische Demokratie.
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Die Bundesrepublik Deutschland wird in die europäische Gemeinschaft eingebunden und nicht von Beginn an mit schweren Hypotheken belastet, das ist eine ganz wichtige Lehre aus der Weimarer Zeit. Während Weimar nach dem 1. Weltkrieg mit dem Erbe der Monarchie, dem Versailler Vertrag, den Reparationszahlungen, der Dolchstoßlegende und den Kämpfen im Inneren zu tun hat, verlaufen die Anfänge nach dem 2. Weltkrieg 1945 ganz anders: Aus der totalen Niederlage und dem moralischen Bankrott einer menschenverachtenden Diktatur ziehen die Väter und Mütter des Grundgesetzes ihre Konsequenzen, und schaffen eine wertegebundene und zugleich wehrhafte Demokratie. Und die schwarz-rot-goldene Fahne wird wieder zur Nationalflagge, als Symbol für Freiheit und Einheit. Weimar ist also ein Grund, warum unsere heutige Verfassung so aussieht, wie sie aussieht. Die Grundrechte erhalten eine zentrale Bedeutung für das Leben in der Gesellschaft. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Unser wehrhafter Verfassungsstaat sichert mit einem Geflecht von Regelungen und Institutionen die freiheitliche Demokratie. Die stabilste politische Ordnung ist aber schwer zu sichern, wenn die Wirtschaft einbricht. Weimar hatte, besonders in der Endphase mit massiven ökonomischen Problemen zu kämpfen. Arbeitslosigkeit bedeutete blanke Not.
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Diese Ausgangslage lässt sich zum Glück nicht eins zu eins in die Jetztzeit übertragen. Aber auch heute erlebt die Demokratie unruhige Zeiten. Damals wie heute blicken die Menschen sorgenvoll in die Zukunft. Feindbilder haben wieder Konjunktur. Extreme politische Einstellungen werden selbst in der Mitte der Gesellschaft salonfähig. Wie damals hausieren Populisten mit simplen Botschaften oder auch Verschwörungsfanatasien, und es gibt nicht wenige, die das glauben. Aber nicht nur die Straße bietet eine Bühne für Hass und Hetze, sondern heute ist es besonders das Netz. Demokratie ist nicht selbstverständlich und braucht Menschen, die bereit sind, sie zu verteidigen. Kontroverse Diskussion muss sie aber auch aushalten. Eins aber ist in einer Demokratie nicht verhandelbar, Drohung und Gewalt sind keine Mittel der politischen Auseinandersetzung, damit eben Weimarer Verhältnisse nicht wiederkehren. Da würde mich auch mal interessieren: Was schätzt ihr denn an der Demokratie? Und für wie krisenfest haltet ihr sie? Schreibt uns eure Meinung gerne unten in die Kommentare und bleibt, wie es sich für eine Demokratie gehört, bei der Diskussion bitte sachlich und fair. Und wenn ihr sagt „Mensch ich hab irgendwie das davor gar nicht mitbekommen, was war eigentlich in den Jahrzehnten davor im 20. Jahrhundert?“ Einfach hier klicken und hier. Da bekommt ihr unsere letzten beiden Videos.
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Danke euch dafür, wenn ihr darein schaut, danke fürs Zuschauen bei diesem Video und bis zum nächsten Mal.

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