Warum illegale Streamingseiten (leider) Gutes bewirkt haben

Warum illegale Streamingseiten (leider) Gutes bewirkt haben

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(Jujutsu Kaisen Folge 1) Das ist die erste Folge von Jujutsu Kaisen. Dem Anime des Jahres, ausgezeichnet von Crunchyroll, einer der grössten, legalen OnDemand-Plattformen für Anime-Streaming. Und das ist eine erfundene Chat-Nachricht von einer vermeintlichen Jenny, denn es gibt hunderte Websites, die Anime-Raubkopien veröffentlichen und darauf Werbung schalten, unter anderem ist natürlich diese Serie komplett auf deutsch zu finden. „Damit schadet man der Industrie, insbesondere den Schöpfern der Werke. Und die Publisher und Streaming-Dienste kaufen sich sehr sehr teure Lizenzen(…).“ Dass illegale Kopien von Anime-Serien der Industrie und auch den Streaming-Diensten finanziell nichts einbringt, wollen wir in diesem Video gar nicht abstreiten. Es ist jedoch gut mal zu verstehen, was sich grundsätzlich in dieser Branche ändern muss und warum illegale Streamingseiten in den letzten Jahren nicht nur Schlechtes bewirkt haben. Wenn man illegal Inhalte streamt, muss man eigentlich nie mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Verfolgt werden nur die Betreiber von urheberrechts-verletzenden Websites, aber das könnte sich in Zukunft
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ändern, wenn die IP-Adressen z.B. gespeichert würden. Und dennoch, über 100 Millionen Aufrufe verzeichnet die Seite 9Anime monatlich. Eine illegale Streaming-Website, die Crunchyroll mit knapp 76 Millionen Views definitiv überholt hat. Aber warum ist das so? Für die Antwort auf diese Frage habe ich Razovy angeschrieben. Er betreibt einen englischsprachigen YouTube-Kanal, der sich mit der Anime- und Manga-Welt beschäftigt und öfters auch Reviews zu einzelnen Anime-Websites publiziert. Ich persönlich denke, dass es zwei wesentliche Gründe gibt, warum Menschen illegal Anime schauen. Ich denke, der erste Grund ist der Offensichtlichste, und zwar weil viele Menschen einfach nicht das Geld für ein Anime-Abonnement haben. Wir denken immer, vor allem im Westen, dass Menschen verfügbares Einkommen haben, um für solche Dinge zu bezahlen. Aber was viele Menschen nicht wirklich realisieren, ist, dass Anime heutzutage ein weltweites Phänomen geworden ist und viele Menschen in der ganzen Welt, ohne den Westen zu berücksichtigen, haben einfach nicht das Geld für ein Anime-Abo. Entertainment wie Animes sind in ärmeren Gebieten zwar ein ziemlicher Luxus, aber die
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Nachfrage stieg in den letzten Jahren enorm, was nicht immer so war… Anime war ein „Nischen-Hobby“, insbesondere im Westen und ich erinnere mich an die Tage als „Fan-Subbing“ ein Ding war, weil keine grossen Marken Anime übersetzt haben. Und heutzutage raubkopiert man einen Anime von Crunchyroll und verbreitet ihn in der Anime-Community und manchen Websites. Wenn es keine riesigen, kostenlosen Websites wie KissAnime, 9Anime, GogoAnime gäbe, hätte die Popularität von Anime an sich, des Mediums, niemals zugenommen, keine Chance. Wenn jemand einen Anime mag, dann kaufen sie sich vielleicht der physische Manga oder eine Figur oder ein Poster oder… einen Schlüsselanhänger. Etwas in der Art. Physische Fanartikel können nicht illegal kopiert werden, also kauft man es weiterhin. Und diesen Animes schenkt man so eine grosse Aufmerksamkeit, dass Menschen Dinge davon kaufen wollen. Und das sieht man…denn die Nachfrage verfünffachte sich seit 2010, alleine in Japan. Und auch für den nordamerikanischen Markt prognostiziert man eine Verdoppelung der Umsatzerlöse bis 2027.
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Von 23 Milliarden Dollar auf 41 Milliarden. Die Anime-Community rund um die Welt wächst stetig. Im Westen hätte man das Geld, um für ein Abo zu bezahlen… Warum machen es die meisten trotzdem nicht? Nun, wenn wir uns auf den Westen fokussieren, denke ich, dass die Antwort einfach wird, weil die Kataloge auf legalen Anime-Streamingseiten, grundsätzlich die Sammlungen der Animes, sind unglaublich klein. Und weil das so ist, interessieren dich die legalen Optionen gar nicht, weil du alles, was du willst, auf illegalen Seiten schauen kannst. Auf illegalen Seiten ist die Auswahl riesig. Fast jeder noch so unbekannte Anime kann dort gefunden werden und das liegt natürlich daran, dass die Betreiber nicht auf exklusive Lizenzen achten müssen, weil sie erst gar keine Lizenz besitzen. Man hört die Anime-YouTubers immer darüber reden, wie sie zahlreiche Abos zu verschiedenen Anime-Streaming-Websites besitzen und das liegt natürlich an exklusiven Lizenzen. Wie ich vorhin gesagt habe, weil legale Streaming-Websites keine grosse Bibliothek haben, neigen Leute
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dazu Anime-Piraterie zu nutzen. Und persönlich denke ich, dass man ihnen das nicht wirklich vorwerfen kann. Diese Websites würden sehr von einem Pay-Per-View-Modell profitieren. Jedes Mal, wenn du einen Anime schauen willst, zahlst du einen kleinen Geldbetrag an deinen legalen Anime-Anbieter, was ihm erlaubt die Rechte vom Anime-Studio zu kaufen. Und dennoch, verglichen mit den unlimitiert grossen Bibliotheken von 9Anime, mit Legalen wie z.B. Crunchyroll oder Funimation und sogar durch die Integration von einem Pay-Per-View-Modell oder Etwas in der Art, die legalen Seiten würden immer noch jedes Mal verlieren. Meiner Meinung nach werden die legalen Seiten so populär, weil sie konstant die Nachricht verbreiten, „wir helfen der Anime-Industrie und wenn du Dinge raubkopierst, tust du es falsch und hilfst du nicht“. Legale Anbieter werben mit diesem Motto und es funktioniert. Viele lösen dadurch ein Abonnement beim jeweiligen Streamingdienst… Es ist nicht so, als wäre es eine schlechte Geschäftspraktik, es funktioniert perfekt gut, aber es ist nicht moralisch korrekt sozusagen.
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Aber es funktioniert, das ist der Grund, warum diese Websites so schnell wachsen. Es liegt nicht daran, was sie anbieten, denn was sie anbieten, ist unglaublich limitiert. Es gibt einfach zu viele legale Anbieter, die sich Anteile und Rechte an gewissen Serien sichern wollen. Es gibt keine einheitlich Plattform auf der die meisten Animes verfügbar sind, sondern jeder Dienst kauft sich verschiedene Rechte ein und immer häufiger exklusiv. Die Frage ist, was sich ändern müsste, damit Leute wieder für Animes bezahlen… Die Antwort ist eigentlich einfacher als man vielleicht denkt. Legale Anime-Streaming-Websites versuchen die neuen Shows aufrechtzuerhalten. Dies führt dazu, dass sie viel Geld in die Lizenzierung investieren, obwohl sie nicht jeden Anime in die Bibliothek einfügen, aber sich lohnen würde. Wenn diese Websites mit einem Abonnement-Modell weiterfahren wollen, würde ich ihnen dringend raten, sich nicht mehr daran zu orientieren, was in Japan funktioniert, weil sich der japanische Markt sehr stark vom westlichen Markt unterscheidet, wenn es um Anime geht. Ich würde eigentlich Websites wie z.B. „AniList“ und illegale Seiten, um zu prüfen, welche Shows wirklich beliebt sind und sie
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erst nach z.B. vier oder fünf ausgestrahlten Episoden zu lizensieren. Persönlich glaube ich aber, dass diese ganze Abo-Modell-Idee dumm ist, um damit zu beginnen. Dieses Modell funktioniert für Streaming-Websites wie z.B. Netflix, aber das ist, weil dessen Sammlung unglaublich gross ist. Aber das ist nicht der Fall für z.B. Crunchyroll, weil ihre Bibliothek unglaublich klein ist. Ich würde stattdessen ein Freemium-Modell anbieten. Man zeigt überall Werbung an, was natürlich nervig ist, aber wenigstens generiert man dadurch Umsatz. Man kauft keine unnötige Anime-Lizenzen mehr und bietet ein Abonnement für diejenigen, die die Werbung loswerden wollen und vielleicht noch andere Nebenleistungen, die man in die Website integriert oder so. Dieses Modell würde funktionieren, denn es ist bereits im Einsatz auf illegalen Seiten und es ist wirklich erstaunlich wie viel Geld im Hintergrund illegaler Websites generiert wird. Ein Video auf YouTube zeigte eine Schätzung für eine Anime-Streaming-Website namens „kissanime“ und dabei kommt man auf 1.5 Millionen Dollar pro Monat, inkl. Werbeumsatz und Premium-Angebote.
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Warum dieses Freemium-Modell noch nicht legal umgesetzt wurde, bleibt ein Rätsel. Wenn das Modell der Anime-Piraterie so gut funktioniert, werden dann immer mehr Leute auf illegalen Seiten streamen? Absolut nicht, die legalen Streaming-Websites werden 100% gewinnen. Nun ja, grosse illegale Anime-Streaming-Websites werden alles überleben. Sie machen eine Menge Geld mit dem Werbeumsatz, dass sie diese Datenbanken für eine lange Zeit unterstützen können und immer noch ein grossartiges Leben mit dem Geld, das sie machen, leben können. Sie werden weiterhin existieren. Jedoch alleine im letzten Jahr habe ich eine unglaublich Menge an kleineren Anime-Websites, die geschlossen wurden und meistens war dies freiwillig. Sie können nicht mehr mit den legalen und grossen Anime-Websites konkurrieren, deshalb müssen sie einfach schliessen. Nun ich prognostiziere, natürlich ist es eine Vermutung, ich bin mir nicht 100%-sicher. Ich sage, dass in 20 Jahren fast jede illegale Anime-Streaming-Website weg sein wird und dass legale Seiten grundsätzlich der einzige Weg sein werden, Animes zu schauen.
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Aber was mir am Gedanke, dass wir in wahrscheinlich 20 Jahren z.B. ein Crunchyroll-Abo haben werden, nicht gefällt ist, dass Chrunchyroll das weiss. Sie wissen, dass sie sich nicht verbessern müssen. Sie müssen ihre Dienste nicht verbessern, sie müssen ihre Geschäftspraktiken nicht verbessern, weil sie es wissen und in ein paar Jahren werden sie der Gewinner sein. Man muss auch im Kopf behalten, dass legale Streaming-Websites wie z.B. Crunchyroll, die hart arbeitenden Menschen nicht direkt bezahlt, die diese Shows produzieren. Tun sie nicht. Sie bezahlen nur die Lizenzierung. Und das Geld geht direkt in die Taschen von Menschen in der Anime-Industrie, die bereits einen irrsinnigen Stundenlohn verdienen, um damit zu beginnen. Es ist nicht, dass man eigentlich den Menschen hilft, die es am meisten brauchen, sondern man hilft nur den anderen Menschen, die schon genügend Geld haben, um damit zu beginnen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen von 759 Anime-Zeichner und Zeichnerinnen betrug bei einer Berechnung ca. 20’000 Dollar pro Jahr, was nur 3’000 Dollar über der Armutsgrenze Japans bei 17’000 Dollar liegt.
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Es ist also nicht nur eine praktische Frage, ob und wann sich grosse legale Anbieter dazu entscheiden eine andere Abo-Methode einzuführen wie z.B. das Pay-Per-View-Modell oder ein Freemium-Angebot, sondern auch eine moralische Frage, ob es überhaupt einen nennenswerten Unterschied macht, ob man illegal oder legal streamt, denn büssen muss schlussendlich der arbeitende Animator, wenn ihm am Ende doch nicht das Geld ausgezahlt wird, dass er eigentlich verdient hätte, da es sich grosse legale Firmen selbst in die Tasche stecken.

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