20. Jahrhundert 1930-1939 – Wie die NS-Zeit die Medien verändert hat | Terra X

20. Jahrhundert 1930-1939 – Wie die NS-Zeit die Medien verändert hat | Terra X

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Hi. Herzlich Willkommen zu unserem nächsten Video zum 20. Jahrhundert. Dieses Mal widmen wir uns den Jahren 1930 bis 1939. Wie ihr wisst kommen in dieser Zeit die Nationalsozialisten an die Macht, außerdem beginnt der zweite Weltkrieg. Natürlich beschäftigen uns bis heute viele Aspekte aus diesen Jahren, die wir gar nicht alle erzählen können. Einen Aspekt aber haben wir wie immer für euch herausgegriffen. Nämlich in diesem Fall: Die Rolle des Radios. Das Radio ist damals noch relativ jung, aber die Nazis erkennen schnell sein Potential. Von Anfang an missbrauchen sie das neue Medium für ihre Zwecke Wie sie das machen und warum es heute bei uns anders ist, das erfahrt ihr jetzt. Der 30.Januar 1933 gehört wohl zu den markantesten Daten in diesem Jahrzehnt - es ist der Tag von Hitlers Machtergreifung. Nach dem Heiligen Römischen Reich und dem deutschen Kaiserreich wollen die Nazis nun ein „Drittes Reich“ aufbauen. Eine Diktatur, in der Adolf Hitler faktisch Alleinherrscher ist. Wie ihm das gelingt, das könnt Ihr Euch in diesem Video anschauen. Der Rundfunk ist Hitler dabei von großem Nutzen. Ganz Deutschland soll den Führer hören können - immer und überall. Schon 1933 erklärt sein Propagandaminister Joseph Goebbels: „Ich halte den Rundfunk für das allermodernste und für das allerwichtigste Massen-Beeinflussungs-Instrument, das es überhaupt gibt.“
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Noch 10 Jahre zuvor spielt der Rundfunk eine ganz andere Rolle. Im Oktober 1923 wird die erste offizielle Rundfunksendung in Deutschland ausgestrahlt - unter anderem ein Cello-Solo mit Klavierbegleitung. Der Programm-Auftrag ist ganz klar: unterhalten, bilden und zerstreuen - bloß keine Politik. Denn die Bevölkerung leidet in diesen Jahren noch an den Folgen des Ersten Weltkriegs, an Hunger und an der Hyperinflation. Etwas Ablenkung vom Alltag kommt da gerade recht. Musik, Sport und Information bestimmen das Radioprogramm der 20er Jahre. Hans Bredow, damals Reichsrundfunk-Kommissar, vergleicht „die Erfindung des Radios“ sogar mit der „Erfindung des Buchdrucks“. „Geistige Güter“ könnten so unzählige Massen erreichen. Jeder, egal aus welcher sozialen Schicht soll Zugang zu Information und Bildung bekommen. Für den „Vater des Rundfunks“ ist das Radio wie ein liebes Familienmitglied, das Freude und geistige Anregung mit sich bringt. Durch das Radio die Massen erreichen, das gefällt auch den Nazis. Kurz nach der Machtergreifung erklärt Goebbels deshalb: „Der Rundfunk gehört uns“. Gleichzeitig beginnt die sogenannte „Säuberung“ des Rundfunksystems. Politisch unzuverlässige Mitarbeiter werden entlassen, weil sie sozialdemokratische oder kommunistische Ansichten vertreten. Oder jüdischer Abstammung sind.
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Solche „Reinigungsaktionen“ kommen auch in anderen Bereichen vor, wie zum Beispiel in Vereinen und Verbänden. Deutschland wird gleichgeschaltet. Und schon 1933 werden die ersten Konzentrationslager errichtet, in denen sogenannte „Staatsfeinde“ eingesperrt und ermordet werden. Jetzt aber zurück zum Rundfunk: Anfangs haben die Nazis ein ganz praktisches Problem: Zu Beginn der 1930er Jahre besitzen nur wenige Haushalte ein Radio. Die Geräte sind einfach zu teuer, manche Modelle kosten einen ganzen Monatslohn. Auch Rundfunkgebühren fallen an, die nicht jeder bezahlen kann. Goebbels will das ändern – und „erfindet“ den erschwinglichen Radioapparat für jedermann. Jedes deutsche Wohnzimmer soll beschallt werden können. Mit der Propaganda der Nazis. Im August 1933 wird bei der 10. Großen Deutschen Funkausstellung das neue Modell der Öffentlichkeit vorgestellt. Joseph Goebbels neues Propaganda-Schätzchen ist der: VE 301! VE steht für Volksempfänger und 3 0 1, für den Tag der Machtübernahme am 30. Januar. Der kleine Kasten geht ab dann für bezahlbare 76 Reichsmark über die Ladentheke. Nur mal zum Vergleich: Andere Radios oder Großempfänger kosten gerne 200 Reichsmark aufwärts. 1938 kommt dann für den ganz schmalen Geldbeutel noch der Deutsche Kleinempfänger auf den Markt.
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Der kostet nur 35 Reichsmark und wird vom Volk auch „Goebbels-Schnauze“ genannt. Von Beginn der 30er Jahre an bis 1939 verdreifacht sich die Anzahl der gebührenpflichtigen Rundfunkteilnehmer auf ca.12,5 Millionen. Deutschland hat damals fast 70 Millionen Einwohner. Da das Radio aber nicht nur einzelne Haushalte beschallt, sondern auch viele Gemeinschaftsräume mit Empfängern ausgestatten sind, liegt die Zahl der tatsächliche Hörer deutlich höher, und damit auch die Reichweite der Nazi-Propaganda. Der Volksempfänger, ein Volksprodukt der Nazis. Der Konsumartikel steht für Modernität und technischen Fortschritt, und jeder will und kann ihn letztendlich auch haben. Und was hören die Menschen ab 1933 so im Radio? Naja, im Prinzip das was Joseph Goebbels und sein „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ für geeignet halten. Zu Beginn der Nazidiktatur sind das besonders politische Reden oder auch Parteiveranstaltungen. Gerade Nazis aus der obersten Führungsetage wollen sich im Glanz des neuen Mediums baden und sich im Rundfunk selbst sprechen hören. Jeder Gauleiter möchte mal ans Mikrofon und ein großes Publikum haben. Aber Goebbels erkennt schnell, dass die täglichen politischen Reden für Langeweile sorgen. Er muss umdenken: Leichte Musik und Unterhaltung sollen die Hörer jetzt bei Laune halten.
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Die nationalsozialistische Botschaft wird jetzt unterschwelliger vermittelt. Manipulation durch Sprache. Wenn ihr wissen wollt, wie genau die Bevölkerung durch Worte beeinflusst wird, dann klickt einfach oben das „i“. Da erfahrt ihr mehr dazu. Ab 1934 heißen Rundfunkanstalten dann übrigens nur noch "Reichssender". Natürlich werden die Ansprachen des „Führers“ trotzdem übertragen. Adolf Hitler ist sich der Kraft seiner Reden sehr bewusst. Geschickt arbeitet er mit Gegensätzen, baut Spannung auf, schafft mit überschlagender Stimme emotionale Nähe. Ziel ist, dass möglichst die ganze Bevölkerung die Hitler-Reden gemeinsam anhört. In Betrieben und Ämtern wird Gemeinschaftsempfang angeordnet. Darin sieht Propaganda-Minister Goebbels die eigentliche Aufgabe des Rundfunks. Das Radio soll die sogenannte „Volksgemeinschaft“ und den Zusammenhalt stärken. Der Leitspruch der Nazis „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ lässt sich dazu recht passend umformulieren „Ein Volk, ein Reich, ein Rundfunk“. Wie wichtig dieses Wir-Gefühl für die Nazis ist, das zeigt ein Gerichtsurteil von 1934. Es wird verboten das Radio zu pfänden, da es nicht nur der Unterhaltung dient, sondern auch Anteil an der „Schaffung der Einheit des deutschen Volkes hat.“
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Die Einheit des deutschen Volkes, wer nach den Vorstellungen der Nazis NICHT dazu gehört, das wird später in den Nürnberger Gesetzen festgelegt. Einer Vorstufe der späteren systematischen Ermordung von rund 6 Millionen Jüdinnen und Juden. Mit dem Boykott jüdischer Geschäfte beginnt im April 1933 der staatlich organisierte Terror. Die Nürnberger Gesetze von 1935 schaffen für die Verfolgung und Diskriminierung dann die rechtliche Grundlage. Sie stempeln Juden zu Menschen minderen Rechts ab. Zum Beispiel wird festgelegt wer wann als Volljude, als Dreiviertel-, halb- oder Vierteljude gilt, alles angeblich „zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre". Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden werden als Rassenschande angesehen und verboten. Der sogenannte Arierparagraph verdrängt jüdische Bürger aus den Berufen und der Gesellschaft. Wer die Nürnberger Gesetze missachtet, dem droht eine Geldstrafe oder Zuchthaus. 1935 wird Antisemitismus in Deutschland gesetzlich verankert. Ein Jahr später hat Deutschland die Welt bei sich zu Gast. Im Sommer 1936 finden in Berlin die olympischen Spiele statt. Eine Zeit, in der Antisemitismus nicht verschwindet, aber nicht ganz so offen zur Schau gestellt wird.
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Dem internationalen olympischen Komitee wird auch zugesichert, auf sportlichem Gebiet die Trennung von Arier und Nichtarier nicht durchführen zu wollen. Nach außen soll es ein Fest der Völker sein - reine Propaganda. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, wie die Nazis die Sommerspiele für ihre Zwecke nutzen, dann haben wir auch dazu ein Video für euch. Und auch das findet ihr oben auf dem „i“. Übrigens: pünktlich zu den Spielen wird ein tragbares Kofferradio rausgebracht. Dieses sportliche Großereignis soll jede und jeder mitverfolgen können, auch beim Picknick im Park. Nach dem olympischen Rausch wird das Radio aber ganz schnell wieder gleichgeschalt. Der "Rassenwahn" der Nationalsozialisten macht auch vor der Musik nicht halt. Was im gleich-geschalteten Rundfunk gespielt werden darf, soll „rein“ sein, frei von allem, wie es die Nazis nennen "Undeutschen" oder "Nichtarischen“. Nach „Entarteter Kunst“ wird 1938 „Entarte Musik“ an den Pranger gestellt, vor allem die Musik jüdischer Komponisten und die als sogenannte "Niggermusik" diffamierte Jazzmusik. In der Nacht vom 09. Auf den 10. November 1938 brennen dann die Synagogen. Der Novemberpogrom ist vorläufiger Höhepunkt antisemitischer Gewalt. In dieser Schreckensnacht wird den Juden in Deutschland vor Augen geführt, wie vollkommen recht- und schutzlos sie der Willkür des Regimes ausgeliefert sind.
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Synagogen, aber auch Geschäfte und Wohnungen werden zerstört und geplündert. Infolge des Pogroms sterben rund 1.300 Menschen, weitere 30.000 werden verschleppt oder verhaftet. Und nur wenige Wochen später, am 30. Januar 1939 macht Hitler in seiner berüchtigten Reichstagsrede, das Judentum vorab zum Schuldigen an einem möglichen 2. Weltkrieg und droht mit der Vernichtung der jüdischen Rasse. Eine Prophezeiung, übertragen im Radio. Im Spätsommer 1939 lässt die NS-Propaganda dann eine der dreistesten Kriegslügen aller Zeiten senden: Den fingierten Überfall auf die deutsche Radiostation Gleiwitz. Hitler plant schon lange einen Überfall auf Polen. Und um losschlagen zu können, braucht er allerdings einen Kriegsgrund. Eine polnische Attacke auf deutschem Boden, wäre beispielsweise ein Anlass. Deshalb lässt er am 31. August 1939 einen Angriff auf die deutsche Rundfunkstation vortäuschen. Beim Überfall tragen deutsche SS-Männer polnische Uniformen. Später verkünden sie über das Radio, dass sie zum polnischen Aufstand gehörten. Kurz darauf wird noch von weiteren Grenzverletzungen berichtet. Der inszenierte Überfall liefert Hitler den Grund, Polen angreifen zu können. Am nächsten Morgen verkündet er in einer Reichstagsrede übers Radio: „Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen.“
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Mit dem Angriff auf Polen beginnt am 01. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Um den Einfluss auf das eigene Volk weiter zu festigen, verbieten die Nazis bereits am ersten Kriegstag den Empfang ausländischer Sender. Ab jetzt dreht sich im Rundfunk beinahe alles um den zweiten Weltkrieg. Die Unterhaltungsmusik im Radio wird nur von Front-Reportagen, Wehrmachtsberichten und politische Kundgebungen unterbrochen. Und natürlich werden die Meldungen immer ins rechte Propaganda-Licht gerückt. Verlustreiche Niederlagen werden ignoriert und nur Siege im Radio erwähnt. Je länger der Krieg allerdings dauert, desto größer wird der Musikanteil. Aber das Radio bietet auch die Möglichkeit sich der deutschen Propaganda zu entziehen. Viele Geräte können zu bestimmten Uhrzeiten oder mit genauen Einstellungen Radiowellen der Alliierten empfangen. Ein oft gehörter Sender ist die BBC aus England. Sie hat sogar eine Sendereihe mit dem Titel „Deutsche Hörer!“ im Programm. Von 1940 bis 1945 berichtet hier unter anderem der emigrierte Nobelpreisträger Thomas Mann. Er konfrontiert seine Zuhörer mit den Kriegsverbrechen und der Judenverfolgung. Diese Feindsender, wie die Nazis sie nennen, sind bei vielen Bürgern beliebt. Denn so können sie sich über den tatsächlichen Kriegsverlauf informieren.
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Allerdings ist das Hören dieser Feindsender lebensgefährlich. Volksempfänger werden deshalb mit einem deutlich lesbaren Hinweis verkauft: „Wer den Feind hört, wird mit Zuchthaus bestraft, und wer abgehörte Nachrichten weiterverbreitet, wird hingerichtet.“ Als Deutschland im Mai 1945 kapituliert, wissen die Alliierten, wie wichtig der Rundfunk, beim Wiederaufbau des Landes sein wird. Das Potential des Radios, auch die Besatzungsmächte erkennen es und nutzen es, allerdings so ganz anders als die Nazis. Es entstehen neue Sender und Rundfunkanstalten. Anders als im Dritten Reich und der Weimarer Republik sind diese aber nun unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Interessen. Die Berichterstattung soll frei sein und so beim Aufbau der Demokratie helfen. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ändert sich die Rolle des Radios also grundlegend. Und davon profitieren wir bis jetzt. Heute gibt es In Deutschland fast 500 verschiedene Radiosender, private und öffentlich-rechtliche. Da ist, kann man sagen, für jeden Geschmack was dabei und wer möchte kann auch ohne Probleme Sender aus dem Ausland empfangen. Übers Internet ja inzwischen sowieso. Aber wie nutzt ihr denn das Radio? Zur Unterhaltung? Zur Information? Zu beidem? Oder hört ihr überhaupt kein Radio mehr? Schreibts gerne unten in die Kommentare und wenn euch das Video gefallen hat, dann abonniert uns gerne. Das würde uns freuen. Und hier neben mir findet ihr noch ein Video zu den 1920er Jahren aus unserer Reihe und direkt darunter ein weiteres spannendes Video.
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Schaut da auch gerne mal vorbei. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

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