Faszination Erde – Japan | Ganze Folge Terra X mit Dirk Steffens

Faszination Erde – Japan | Ganze Folge Terra X mit Dirk Steffens

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Language: German

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* Titelmusik * Eisige Welten und karibische Strände. Urkräfte schaffen Gefahren und "Wellness-Oasen". Reich an Natur und Kultur. Ein Leben zwischen Tradition und Moderne. * Musik * Japan besteht aus fast 7000 Inseln, und nur 400 davon sind bewohnt. Viel Platz für wilde Natur. Und es gibt märchenhafte Orte, die kein Mensch je betreten hat. Kleine Paradiese. Wie Yakushima, eine Insel am südlichen Zipfel Japans. Jahrtausendelang konnte sich die Natur hier frei entfalten. Es ist ein märchenhafter Ort. Ein Urwald mit Zedern, die viele tausend Jahre alt sind. Doch sie sind nicht der Grund, warum die Insel plötzlich berühmt wurde. Auch die einzigartige Pflanzenwelt von subtropisch in den Tälern bis arktisch auf den Gipfeln ist nicht der Grund dafür, dass jährlich mehr als 300.000 Menschen in diese Wildnis pilgern. Sie alle suchen nach Spuren eines Wesens,
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das hier seinen Ursprung haben soll. "In diesem verwunschenen Wald auf der Insel Yakushima lebt Japans bekanntestes Fabelwesen: Prinzessin Mononoke. Und die kennt hier nun jedes Kind. Zwischen diesen Bäumen hat Mononoke schon unzählige Abenteuer bestanden. Immer auf der Seite des Guten. Genau genommen ist sie keine Märchen-, sondern eher eine Comicfigur. Und so groß die Verehrung für diesen Wald und die Natur auch ist: Wenn die Japaner Städte bauen, machen sie das kompromisslos." * Musik * "Das Gedränge in Tokio ist manchmal wirklich unerträglich. Die Bevölkerungsdichte ist ungefähr doppelt so hoch wie in Berlin. Das hier ist die größte Metropole auf der Erde. Ungefähr 38 Millionen Menschen leben hier dicht an dicht nebeneinander." In Tokio leben so viele Menschen wie in ganz Kanada. Und das auf einer Fläche nicht mal halb so groß wie Brandenburg. Eingeschlossen in einem Meer aus Beton. Die Japaner bleiben ruhig im Großstadtdschungel.
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In einer Stadt, die niemals stillsteht. Das U-Bahn-Netz ist das meistgenutzte der Welt. Acht Millionen Fahrgäste jeden Tag. Das funktioniert nur mit japanischer Disziplin. Niemand drängelt, keiner schubst. * Musik * Doch tief in sich haben die Tokioter eine Sehnsucht, die sie in ihrer Stadt nicht stillen können. "Montagmorgen 6 Uhr früh. Jetzt ist am Lieblingsstrand der Großstädter noch Platz." * Begrüßung auf Japanisch * "Der gestresste Tokioter oder die Tokioterin kommt dann gerne hier raus nach Chiba an den Strand. Zum Muscheln sammeln. Das mach ich zu Hause an der Ostsee auch ganz gern, das entspannt. Auf diesem kleinen Strandabschnitt hier versammeln sich allerdings an manchen Tagen viele hundert Menschen. Um gemeinsam nach Muscheln zu suchen. Da gibt's dann hier bei Ebbe ein ganz schönes Gedränge an der Küste. Dann gibt's noch einen großen Unterschied zu Schleswig-Holstein: Die Muscheln aus der Ostsee kommen aus der Ostsee.
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Aber die Muscheln hier, die kommen aus China. Dort werden die Muscheln gesammelt, über das Meer geschippert. Und in Japan in Kühllastern zum Strand transportiert. Wo sie maschinell alle paar Tage ganz gleichmäßig am Strand verteilt werden, damit auch jeder was finden kann. Am Wochenende ist es am Strand genauso eng wie in der Stadt. Das Ganze ist also bloß ein Fake-Naturerlebnis. Und Eintritt bezahlen muss man dafür auch noch. Aber es ist immer noch besser, als gar nicht rauszukommen. In Japan ist Siedlungsraum knapp. Und die Bevölkerungsdichte an der Küste ist ganz besonders hoch." Doch warum lebt jeder vierte Japaner im Großraum Tokio? Warum drängen sich die Menschen hier so? Die Natur hat dem Menschen in Japan klare Grenzen gesetzt. Das Kanto-Gebiet mit dem Ballungsraum Tokio ist die größte Ebene Japans. Nur hier konnte sich eine solche Megacity entwickeln. Im Osten liegt das Meer mit der Tokio Bay, im Westen liegen die Berge.
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Unmittelbar hinter der Stadt erheben sich die Gipfel der japanischen Alpen. Die schroffen Hänge eignen sich nicht für eine Bebauung. Mensch und Natur scheinen streng getrennt. Vielleicht wird gerade deshalb die Natur in Religion und Kultur besonders verehrt. Alle Lebewesen haben eine mythische Bedeutung. * Musik * Ihren Höhepunkt erlebt sie in der Verehrung der Kirschblüte. Sie hat eine mehr als 2000 Jahre lange Tradition. Wochenlang sind die Nachrichten des Landes davon bestimmt, in welcher Region gerade die Kirschblüte einsetzt. Das ganze Land scheint dann wie berauscht von "Sakura". Der Zeit der Kirschblüte. * ruhige japanische Musik-Klänge * Die Schönheit der Kirschblüte als Symbol für die Göttlichkeit der Natur. In dieser Zeit ruht das "Moderne Japan". Man besinnt sich auf Werte wie Familie und Freundschaft. Alt und Jung feiern zusammen. Denn nichts hat in Japan so viele unterschiedliche Bedeutungen wie die Kirschblüte.
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* ruhige japanische Musik-Klänge * "Es gibt im Japanischen sogar ein eigenes Wort für die Tätigkeit des Kirschblüten-Betrachtens: Hanami. Und wer Hamami macht, der denkt an Reinheit, Schönheit, Harmonie. Oder Vergänglichkeit. Für die Samurai z.B. symbolisierte ein herabfallendes Blütenblatt die Leichtigkeit des Todes." Ihre Ehre galt ihnen mehr als das eigene Leben. Ihre Aufgabe: Land und Herrscher verteidigen. Die Samurai hatten klare Regeln auf ihrem "Bushido": Dem Lebensweg des Kriegers. Erfolgreich verteidigen sie mehr als 200 Jahre das Land gegen die Einmischung des Westens. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts drängen die Amerikaner ins Land. Vor die Wahl gestellt: Handel oder Krieg entstehen unter zähem Ringen die ersten Handelsverträge. Für Japan heißt das: Industrialisierung und Modernisierung im Eiltempo. Und das alte, traditionelle Japan mit seinem Herrscher verliert mehr und mehr an Bedeutung.
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* Musik * 1877 revoltieren mehr als 40.000 Samurai unter der Führung des berühmten Saigo Takamori. Ihre Rechte waren von der Regierung immer weiter beschnitten worden. Nicht einmal ihre Schwerter durften sie noch tragen. Deshalb zogen sie in die Schlacht gegen ihr eigenes Land. * dramatische Musik * Sechs Monate lang kämpfen sie für die Tradition. Mit ihren Schwertern gegen moderne Artillerie. Die Samurai sind gnadenlos unterlegen. Nur wenige überleben diese Gemetzel. Und ziehen in eine letzte Schlacht. * Schüsse * Bis zum Schluss zeigen sie keine Schwäche oder Angst. Als ihr Anführer Saigo - "Der letzte Samurai" - verletzt wird, soll er, der Legende nach, "Seppuko" begangen haben: Den rituellen Selbstmord. Leicht wie eine Kirschblüte, die vom Baum fällt. Sterben für den Erhalt der Tradition. Ihr Ehrbegriff ist tief in der Gesellschaft verankert. Traditionen stehen nicht im Kontrast zur Moderne.
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Was zählt sind der Mythos und die Schönheit hinter den Dingen. Selbst die einer sehr gefährlichen Seite. Der Vulkan Fuji gilt als heiliger Berg. Er ist der bekannteste Vulkan Japans. Doch es gibt noch 264 weitere. * Trommel-Schläge * Wie an einer Perlenkette reihen sich die Vulkane aneinander. Sie sind ein Teil des pazifischen Vulkangürtels: der ring of fire. Einer der aktivsten Vulkane des gesamten Feuerrings liegt am südlichen Ende der japanischen Insel Kyushu. * Hubschrauber-Geräusche * "Das da unten ist der Sakurajima. Und wie man sieht ist das ein wirklich wütender Vulkan. Seit 60 Jahren grummelt er ununterbrochen vor sich hin. Tausend Eruptionen pro Jahr, Wahnsinn. Aber so richtig heftig geknallt hat es hier das letzte Mal vor ungefähr einem Jahrhundert. Damals ist auch eine Landbrücke bis zum Festland entstanden. Vor diesem gewaltigen Ausbruch war der Sakurajima eine Insel." Nur acht Kilometer entfernt vom Kraterrand liegt die Stadt Kagoshima.
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Dort ist die Gefahr allgegenwertig. * Musik * Der Vulkan bestimmt den Alltag der 500.000 Bewohner. Immer wieder ziehen Aschewolken über die Stadt und verdunkeln den Tag. Für Kinder gehört ein Helm gegen fliegende Lavabrocken zur Standardausrüstung. Zur Sicherheit machen sich Schüler eines Stadtviertels gemeinsam auf den Weg. Und noch etwas ist dem nahen Feuerberg geschuldet: Die morgendliche Aufgabe, den Schulhof von Vulkanasche zu reinigen. Das Land ist stetig durch seine 110 zurzeit aktiven Vulkane bedroht. Doch es gibt kein Volk auf der Welt, das es so sehr versteht, die geologischen Kräfte auch für sein "Wohlbefinden" zu nutzen. * Musik * "Diese Strandsauna funktioniert ganz anders als die bei uns an der Nord- oder Ostsee. Ich liege nämlich genau oberhalb der Magmakammer des Sakurajima. Und das Magma erwärmt das Grundwasser. Und das Grundwasser verdunstet dann durch diesen Sand nach oben.
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Deshalb ist es hier in diesem Teilzeitgrab ungefähr 50 Grad heiß. Vulkanismus kann auch Spaß machen." * Musik * Auch manche tierischen Bewohner Japans haben die Vorzüge der geologischen Kräfte für sich entdeckt. Ein Japan-Makaken-Clan auf der Hauptinsel Honshu genießt die heißen Quellen. Eine Leidenschaft, die ihren Ursprung einem Missgeschick verdankt. Vor etwa 50 Jahren plumpste ein Weibchen auf der Suche nach Nahrung ins 40 Grad heiße Wasser und blieb. Die Mitglieder ihres Clans ahmten sie nach. Und entwickelten über die Generationen besondere Fähigkeiten: Sie können sogar tauchen und die Luft anhalten. Ein Verhalten, das weltweit nur bei diesem Affenclan zu beobachten ist. Im Pool haben die Weibchen das Sagen. Die Japan-Makaken leben im Matriarchat. Wer nicht zu diesem besonderen Clan gehört, muss draußen bleiben. * Musik * Die Affen, die hier leben, gehören zu der nördlichsten Affenart der Welt.
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Wie kommt es, dass sie unter diesen klimatischen Bedingungen ausharren? Gentests haben gezeigt: Die nächsten Verwandten der Japan-Makaken auf Honshu sind die Langschwanz-Makaken in China. Wie kamen die Vorfahren übers Meer bis hierher? Ins Inselreich von Japan? Die Erklärung dafür liegt in der Vergangenheit. "Japan ist ein Inselreich. Aber das war nicht immer so. Vor ungefähr 500.000 Jahren gab es eine große Eiszeit. Damals sank der Meeresspiegel stark ab. Es entstanden Landverbindungen zum asiatischen Kontinent. Und über so eine Landbrücke im Süden Japans sind damals die Affen eingewandert. Als die Eiszeit dann zu Ende ging, der Meeresspiegel wieder anstieg, waren die Affen in Japan gefangen. Und sie hatten dann nur noch zwei Möglichkeiten: Aussterben oder anpassen." Die Makaken hatten es schwer in ihrer neuen Heimat. Denn das Klima änderte sich allmählich. Es wurde sehr kalt. Über Generationen wurde ihr Fell im Vergleich mit dem
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der chinesischen Verwandten dichter und ihr Körper größer. Zudem ging der lange Schwanz verloren. So kühlt der Körper nicht so schnell aus. Die Schneeaffen leben heute in den japanischen Alpen. Mitten in dieser Bergkette, die sich über die Hauptinsel Honshu zieht, liegt der Tateyama. Er gehört zu den drei heiligen Bergen Japans. In seinem Gipfel sahen einst Pilger den Zugang zum Himmel. "Jeder Mensch sollte einmal im Leben auf den Tateyama pilgern, hieß es früher. Aber das ist im Winter gar nicht so einfach. Denn in Sachen Schnee hält Japan alle Weltrekorde. Hier im Yukiguni fallen pro Jahr 30 bis 38 Meter. Genau, richtig gehört: 38 Meter, nicht Zentimeter. Wenn die Leute hier Schneeräumen sagen, dann holen die keine Schaufel raus, sondern Bagger und GPS-Geräte. Um zu wissen, wo die Straßen vor dem Schneefall langgelaufen sind. Wenn sie das rausgefunden haben, dann fräsen sie Stück für Stück neue Straßenschluchten in die Schneeberge.
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Die Schneewände sind an einigen Stellen über 20 Meter hoch. Menschen aus der ganzen Welt strömen ins Schneeland, nur um das zu sehen. Es sind jedes Jahr Hunderttausende." Woher kommen in einer Region, die auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise Tunesien liegt, solche Schneemassen? Ausgerechnet der trockene Kontinent Australien ist für das Schicksal Japans verantwortlich. Als sich einst Australien nach Norden schiebt, muss die warme Meeresströmung ausweichen. Und erreicht seither Japan. Dort sorgt sie für viel Wärme und Feuchtigkeit in der Luft. Sie steigt auf und zieht dadurch arktische Luft aus Sibirien nach Japan. Diese Umwälzungen sind der Antrieb einer gigantischen Wetterküche. Eine Art Schneemaschine entsteht. Auf der nördlichsten der großen japanischen Inseln, Hokkaido, herrscht daher monatelang eisiger Winter. Hier hat sich ein Tier angesiedelt, das man in der Kälte nicht erwartet. Und das japanische Künstler immer wieder inspiriert:
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Der Kranich, ein Symbol für Glück und Langlebigkeit. Die Tänze dienen nicht nur zur Balz, sondern stärken auch die lebenslange Bindung zwischen den Partnern. Die Mandschurenkraniche wären fast ausgestorben. Der Winter 1951/52 war extrem kalt. Die Nahrung wurde knapp. Damals überlebten nur 33 Tiere. Ihre Rettung haben sie den Bauern von Hokkaido zu verdanken. Damals begannen die Menschen, die ausgehungerten Tiere im Winter zu füttern. Seither ist die Winterfütterung ein festes Ritual. Die Versammlung der Kraniche lockt Füchse an. Und Adler. Aber die ungebetenen Gäste haben es nicht auf die Kraniche abgesehen. Fast 1500 Exemplare leben heute wieder auf Hokkaido. Als stark gefährdet gelten sie aber weiterhin. Die Kuroshio-Strömung, die im Norden die "Schneemaschine" antreibt, erschafft im Süden eine komplett gegenteilige Seite Japans: Karibisch anmutende Strände und üppig grüne Inseln.
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Nur die wenigsten von ihnen sind bewohnt. Raum für Tier- und Pflanzenparadiese. Durch ihre Abgeschiedenheit ist jede Insel einzigartig. Und noch vieles ist unerforscht. Auf Yakushima haben Forscher erst vor wenigen Jahren unter dem dichten Blätterdach der Insel eine besondere Lebensgemeinschaft entdeckt. "Der kleine Kerl, der hier gerade an mir vorbeiläuft, das ist ein Japan-Makake. Diese Affen hier, die leben in einer sehr außergewöhnlichen Beziehung mit Sika-Hirschen, die es ebenfalls hier im Wald gibt. Wenn die beiden Arten aufeinandertreffen, dann passiert manchmal etwas ganz außergewöhnliches." * spannungsvolle Musik * Warum diese beiden Tierspezies so eng zusammenleben ist für Forscher noch ein Rätsel. Einige vermuten, männliche Affen würden sich so sexuell stimulieren. Doch warum die Rehe das oft dulden ist noch unklar. Denkbar, dass sie Früchte und Eicheln lieben, die unerreichbar für sie in den Bäumen hängen.
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Fällt Affen gelegentlich etwas runter, sind das für die Rehe willkommene Leckerbissen. Bisher sind Forscher noch auf Mutmaßungen angewiesen. Noch gibt das kuriose Verhalten Rätsel auf. Manch andere Lebensform, die sich vielleicht nur hier entwickelt hat, schlummert auf den einsamen Inseln womöglich bis heute im Verborgenen. Und nicht nur dort. Noch weiter südlich sorgt die warme Strömung dafür, dass das Wasser nie kälter als 20 Grad wird. Es herrschen ideale Bedingungen für üppige Korallenriffe, die an die Karibik erinnern. * Musik * 1995 entdeckten Taucher vor der Insel Amami bizarre regelmäßige Strukturen im Sand. Deren Entstehung haben Forscher erst vor wenigen Jahren entschlüsselt. "Verrückt, oder? Das sieht aus wie ein tibetanisches Mandala. Und dass man so was auf dem Meeresboden im Süden Japans findet, das verdanken wir diesem Kugelfisch da. Der gerade eine kleine Muschel gebracht hat.
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Da baut er gerade, sieht sehr lustig aus." * Musik * "Die Künstler sind immer die Kugelfischmännchen. Und die bauen diese aufwendige Sache natürlich nur, um die Weibchen zu beeindrucken und zur Paarung zu überreden. Kugelfischweibchen werden von solchen geometrischen Figuren offenbar magisch angezogen. Und wenn das Männchen dann noch geschickt zur Deko ein paar Muscheln auf dem Boden platziert. Dann ist das für die Weibchen quasi eine unwiderstehliche Attraktion." Nach einer Woche ununterbrochener Bauzeit ist es endlich soweit. Ein Weibchen inspiziert das Nest. Gefällt es ihr, startet sie die Eiablage. Das kleinere Männchen hält das Weibchen zur Befruchtung der Eier kurz mit einem Biss in die Wange fest. * Musik * Nach wenigen Minuten verlässt das Weibchen für immer das Nest. Das Design ist nicht nur Show, sondern soll die Brut auch vor der Meeresströmung schützen. * Musik *
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Für kaum eine andere Nation ist das Meer so wichtig für die Ernährung. Fischen ist eine alte Tradition. Aufgrund der mangelnden landwirtschaftlichen Nutzflächen war es in vielen Gebieten fast die einzige Nahrungsquelle. Bis heute verwenden japanische Fischer Methoden, die zu Protesten Anlass geben. Und die für uns nur schwer erträglich sind. * Musik * Mit Booten treiben sie Delfine in eine flache Bucht. Dort beginnt dann das große Schlachten. Mit Messern und Harpunen töten die Fischer hunderte Delfine an einem Tag, um ihr Fleisch zu verkaufen. "Schwer zu ertragen. Aber es gibt Menschen, die sich inzwischen gegen diese alte Tradition stellen. Einer von ihnen ist Isumi Iishii, ein Mann, der selbst jahrzehntelang Delfine getötet hat. Ich treffe ihn in einem kleinen Hafenrestaurant. Wie tötet man einen Delfin? Wie funktioniert das Töten von Delfinen in der traditionellen Fischereimethode? Den Delfinen wird bei lebendigem Leib in den Hals geschnitten,
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damit das Blut komplett ausläuft. Dann wird er am Bauch aufgeschnitten und in kleine Teile geteilt. Das ist wirklich ein Anblick, den ich niemand zumuten möchte. Wir, die wir die Delfine getötet haben, waren voller Blut von oben bis unten. Iishii erzählt mir, dass es früher in seinem Dorf keine andere Versorgung mit Fleisch gab. Er hat in seinem Leben mit seinen Kollegen Tausende Delfine getötet. Eines Tages konnte er es nicht mehr ertragen. Er hat aufgehört. Und kämpft nun gegen die Delfinjagd. Dafür wurde er fast aus seinem Dorf gejagt. Inzwischen ist die Delfinjagd langsam rückläufig. Notwendig für die Nahrungsversorgung sind Delfine schon lange nicht mehr. Dennoch werden immer noch bis zu 3000 jährlich getötet." Heute arbeiten manche Fischer an neuen und schonenden Methoden, Nahrung aus dem Meer zu gewinnen. * Musik * Die warme Kuroshio-Strömung und die flachen lichtdurchfluteten Bereiche vor der südlichsten japanischen Präfektur Okinawa
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liefern besonders gute Bedingungen für das Wachstum von Algen. "Seetang ist in der japanischen Küche eine sehr beliebte Zutat. Und es soll ja auch gesund sein. Besonders diese Sorte hier, die Muzuku heißt, ist bei Feinschmeckern wirklich beliebt. Damit man bei der Ernte nicht nur auf wildwachsendes Muzuku angewiesen ist, wird es seit etwa 30 Jahren landwirtschaftlich angebaut. Wie auf einem richtigen Bauernhof. Nur eben Unterwasser. Und jetzt ist Erntezeit. Natürlich kann man hier unten nicht mit einem Traktor zur Ernte fahren. Man braucht Boote und so einen Hochdruck-Seetang-Sauger. Der schleudert dies Algen - schwupp - hoch aufs Boot. Dann geht es in den Hafen, von da in den Frischemarkt. Dann können japanische Feinschmecker ganz genussvoll ins Gras beißen." Japan hat durch seine Entstehungsgeschichte wenig Raum für Landwirtschaft. Und das hat die Menschen erfinderisch gemacht. Die tektonischen Kräfte, die das Inselreich einst schufen,
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sind bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Unter Japan stoßen vier große Erdplatten aneinander. Schieben sich über- und untereinander und verhaken sich. Lösen sich diese Spannungen, entstehen Erdbeben. Kein anderes Industrieland ist so stark erdbebengefährdet wie Japan. Allein in Tokio werden jedes Jahr 1000 Erdbeben registriert. 11. März 2011: Eines der stärksten jemals gemessenen Beben mit einer Magnitude von 9,0 entsteht vor der Küste Japans. Es ist der Anfang einer Dreifach-Katastrophe. Das Erdbeben löst eine Stoßwelle aus. De Folge: ein katastrophaler Tsunami, bis zu 38 Meter hoch. 18.500 Menschen sterben, davon bleiben mehr als 3000 vermisst. Die dritte Katastrophe bahnt sich an, als die Wassermassen das Atomkraftwerk in Fukushima fluten. Es explodiert und verseucht die Umgebung mit einer atomaren Wolke. Als sich das Wasser zurückzieht, wird das Ausmaß deutlich. Vor Fukushima hatten die Japaner eine gewisse Routine
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im Wiederaufbau nach Naturkatastrophen. Diese Routine funktioniert hier nicht. 150.000 Menschen müssen ihre Heimat verlassen. In eine Sperrzone ist eine Rückkehr aufgrund der Verstrahlung auf absehbare Zeit nicht möglich. Einzig die Natur erobert sich das Gebiet zurück. Tokio blieb vom Fallout verschont. Trotzdem ist es die gefährlichste Stadt der Welt, was Naturkatastrophen angeht. Durch technische Entwicklungen wollen die Japaner den Gefahren jedoch trotzen. "Okay, dieser Eingang macht nicht besonders viel her. Aber dahinter verbirgt sich eines der ungewöhnlichsten Bauwerke von ganz Tokio." * spannungsvolle Musik * "Schauen Sie sich mal diese gewaltige Säulenhalle an. Sieht aus wie eine unterirdische Kathedrale. Aber dieses Gebäude ist viel größer als eine richtige Kirche. Denn dazu gehört auch noch ein 60 Kilometer langes Tunnelsystem. Fünf riesige Türme, jeder ungefähr 70 Meter hoch. Und dann gibt es auch noch Pumpen, die so stark sind,
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dass sie einen olympischen Pool Innerhalb von wenige n Sekunden leersaugen können. Die ganze Anlage hat mehr als zwei Mrd. Euro gekostet. Das ist das größte unterirdische Flutwassersystem der Welt." Immer wieder verhindert dieses System extreme Überschwemmungen. Denn etwa 30 Mal im Jahr passiert vor der Küste Japans folgendes: Gigantische Wirbelstürme entstehen. Mit Durchmessern bis zu 1000 Kilometern. Ist das Wasser an der Oberfläche über 26 Grad warm, verdunstet viel Feuchtigkeit. Die feuchte Luft steigt auf und wird durch die Drehung der Erde zu einem gigantischen Wirbel geformt. Trifft er auf Land, kommt es zu wolkenbruchartigen Regenfällen. An einem Tag fällt dann mehr Niederschlag pro Quadratmeter als in Berlin in einem Jahr. An den angrenzenden Berghängen regnen sich die Wolken der Taifune weiter ab. Das Wasser fließt in 100 Flüsse, die allesamt Richtung Tokio strömen. Die unterirdische "Kathedrale" des Flutwassersystems schützt die Metropole vor noch extremeren Überflutungen.
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* Musik * "Taifune, Vulkane, Schneemassen, Urwälder. Japan ist wirklich ein wildes Land. Vielleicht tendieren Japaner deshalb auch dazu, die Natur umzubauen und total zu kontrollieren. So wie hier, was für ein Gegensatz. Zwischen Hochhäusern, S- und Autobahn ein paar Betonbecken. Vollgestopft mit bedauernswerten Fischen. Die dann von gestressten Großstädtern im Sekundentakt hier geangelt, dann aber auch sofort wieder reingeworfen werden. Ich weiß ja nicht, wie's Ihnen geht. Aber mir persönlich gefällt das wilde Japan deutlich besser. Tschüs und bleiben Sie fasziniert." Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018

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