Dupré Digital: Dupré - der Konzertorganist 1/2 (Episode 7 - Subtitles in English, French and German)

Dupré Digital: Dupré - der Konzertorganist 1/2 (Episode 7 - Subtitles in English, French and German)

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Language: German

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Die goldenen 1920er Jahre – auf seinen ersten Tourneen durch die USA erlebte Marcel Dupré ein Land, das sich im wirtschaftlichen Rausch befand. Technische Innovationen prägten den Alltag. Die florierende Börse vermittelte den Menschen ein Gefühl von unendlichen Möglichkeiten: leicht ließen sich extravagante Träume dank einfacher Kredite erfüllen. Der Paukenschlag der am Ende des Jahrzehnts zu tiefen Einschnitten führen sollte, war weit weg und damals unvorstellbar. Kunst und Kultur erlebten eine Hochzeit. Schauplatz für klassische Konzerte waren unter anderem die modernen Tempel des Erfolgs: die Kaufhäuser! John Wanamaker und sein Sohn Rodman gehörten zu den erfolgreichsten Kaufleuten dieser Zeit. In ihren Kaufhäusern in New York und Philadelphia musizierten Persönlichkeiten wie Richard Strauss und Leopold Stokowski vor tausenden Zuhörern. Im Auditorium bzw. im Grand Court der Kaufhäuser wurden gigantische Orgeln installiert, die über mehrere Stockwerke verteilt waren.
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Viele dieser Kaufhäuser leisteten sich einen Vollzeit-Musikdirektor, einer von ihnen war ALEXANDER Russel. Er reiste 1920 gewissermaßen als Talent-Scout nach Europa und engagierte Marcel Dupré. Die beiden hatten einen gemeinsamen Lehrer: Charles-Marie Widor, der seinen Meisterschüler Dupré wärmstens empfohlen hat. Schließlich erlebte Dupré sein Amerika Debut im New Yorker Wanamaker Store am 18. November 1921. Dies war der Auftakt zu seiner ersten Tournee durch Amerika mit knapp 100 Konzerten, bei denen er jeweils vor tausenden Zuhörern spielte. Die europäische Kultur hat auf die Amerikaner schon immer eine große Faszination ausgeübt. Sie ist die Wurzel eines Großteils der amerikanischen Kultur. In deren DNA gibt es eine Sehnsucht nach dem „Echten“. Dupré wurde als der größte Organist in Europa vermarktet: Er war Organist an der größten Cavaillé-Coll-Orgel in Europa, er war Organist an Notre-Dame
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und spielte die Bach-Werke auswendig und so weiter. Dupré zog die Aufmerksamkeit auf sich. Man darf nicht vergessen, dass es das Zeitalter des Zirkus war. Die Menschen mochten das Außergewöhnliche. Sie sahen gerne exotische Tiere, King-Kong war angesagt. All diese bizarren Dinge. Denn wir hatten weder Fernsehen, es gab kein Internet. Damit wurde das relativ alltägliche Leben durch etwas Besonderes belebt. Aber ich glaube auch, dass Leute wie Dupré und Rachmaninow hier deshalb so gut ankamen, weil sie natürlich dem Zeitalter der Schallplatte vorausgingen. Diese steckte in den 1920er Jahren noch in den Kinderschuhen. Die einzige Möglichkeit, Musik zu hören, war die Live-Aufführung. Dupré war fasziniert von der Lebenswelt der Amerikaner: schicke Autos rollten durch die Straßen, Wolkenkratzer begannen die Silhouetten der Metropolen zu prägen, Leuchtreklamen an den Fassaden machten die Nacht zum Tag, junge Frauen schminkten sich, trugen ihre Haare kurz und rauchten in der Öffentlichkeit.
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Beim ersten Besuch des Wanamaker-Stores in Philadelphia müssen ihm die Augen übergangen sein: Ausstellungsvitrinen aus teurem Glas und Holz, Kerzenleuchter, reichverzierte Teppiche und Böden aus Marmor, mit Mahagoni und Eichenholz ausgestatte Büros. Und dann die Orgel mit ihren Registerwippen und Prospektpfeifen aus Elfenbein und Gold. Ja, er fand das sehr, sehr erstaunlich, denn es gab einen großen Unterschied zwischen dem Lebensstandard in Frankreich und dem amerikanischen. Er mochte es, die Art zu beobachten, wie die Leute dort lebten, wie sie dachten. Meine Großmutter war immer erstaunt, wie sich die Amerikaner kleideten. Seine Frau Jeanne, die ihn später auf seine Amerika-Tourneen begleitete, wurde ihm eine wichtige Stütze bei der Erfüllung seiner Aufgaben: Meine Großmutter hat ihm ihr ganzes Leben gewidmet. Sie war der Kapitän, der das "Dupré-Schiff" steuerte.
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Sie war graziös, aber etwas autoritär. Sie nahm ihm die ganze Last der materiellen Sorgen, damit er sich ausschließlich seiner Musik widmen konnte. Zudem beherrschte sie die englische Sprache perfekt. Das war für ihn sehr komfortabel. Wenn er zum Reden keine Lust hatte, sprach sie für ihn. Seine mangelnden Englischkenntnisse konnte Dupré mit seinem Charme überspielen. Er nutzte die Zeit während der stundenlangen Fahrten quer durch Amerika in den mit Samt und Messing ausgestatten Pullman-Eisenbahnwaggons um Englisch zu lernen. Er verbrachte viel Zeit in diesen Zügen, denn schließlich spielte er beinahe jeden Abend in einer anderen Stadt ein Konzert. Er ist viel gereist, hat viele Konzerte gegeben, aber das Problem war, dass er reisekrank war, ob per Schiff oder Flugzeug. Damals, 1920/30,
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waren die Reisen nicht so wie heutzutage. Dieses Problem begleitete ihn immer wieder. Klar, erzählte er uns von seinen Reisen. Aber ich hatte den Eindruck, dass es ein gestresstes Leben war. Er eilte aus dem Konzertsaal am Abend heraus zum Bahnhof, denn er reiste nachts mit dem Zug. Am nächsten Tag ging er zum nächsten Konzertsaal, um die Orgel anzuschauen und nach dem Konzert fuhr er wieder fort. Das war ein ungezügeltes Tempo. Er hatte wohl eine eiserne Gesundheit, um solch ein Leben zu vertragen. Das Tempo seiner Konzertreisen sollte sich noch erhöhen, als er 1926 zum Professor am Pariser Konservatorium ernannt wurde. Mit dieser Ernennung musste er sich dazu verpflichten, nur noch alle vier Jahre für die Dauer von 3 Monaten in den USA zu konzertieren. Dadurch erhöhte sich der Druck in komprimierter Zeit die unglaubliche Flut an Konzertanfragen zu bewältigen.
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Einen Eindruck von der Geschäftigkeit seiner Reisen und die damit einhergehende Belastung hat Dupré in seinen Memoiren festgehalten. Darin berichtet er von einer Australien-USA-Tournee 1939: Wir fuhren im Juni 1939 von Marseille aus mit der SS Mooltan. Die 23tägige Überfahrt war hervorragend, so dass ich an der Vorbereitung meiner Ausgabe der Bachschen Orgelwerke arbeiten und große Fortschritte machen konnte. Das Ende unseres Aufenthalts war jedoch von der Kriegsgefahr überschattet. Wir verließen Sydney in Angst und Schrecken. Die 21tägige Reise verlief weiter über den Pazifik, denn wir waren auf dem Weg in die USA zu einer Konzerttournee. Wir verließen New York Ende Dezember mit dem letzten Clipper und wurden im ersten Anlaufhafen, den Bermuda-Inseln, aufgrund des Seegangs dreizehn Tage aufgehalten. Am Abend des dreizehnten Tages konnten wir die Bermudas verlassen und erreichten den zweiten Anlaufhafen, die Azoren. Die See war rau. Niemand durfte aussteigen,
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denn wir mussten so schnell wie möglich weiterfliegen. Dreimal versuchte das Wasserflugzeug zu starten, fiel dann aber wieder schwer aufs Meer zurück. Wir waren entsetzt. Schließlich kam es hoch. Es war eine stürmische Nacht und die Überquerung war schrecklich. Wir waren sehr krank und kamen in den frühen Morgenstunden in Lissabon an. Bevor Dupré zum ersten Mal nach Amerika reiste, gab ihm Widor den Rat, er solle in Amerika so viel verdienen, dass er unabhängig werden konnte. Was ihm auch gelingen sollte: In den 1920er Jahren wurden Dupré und Rachmaninow zu wohlhabenden Leuten, Dank des amerikanischen Dollars. Schauen Sie sich Rachmaninow an der in Hollywood lebte, mit Schönberg und Strawinsky. Sie wurden gefeiert. Diese Leute kamen nach Amerika und wurden reich durch ihre hiesige Lehrtätigkeit. Und bei Dupré war das genauso. Allein zwischen 1922 und 1925 spielte Dupré in Amerika 247 Konzerte. Seine Gage pro Konzert lag bei 350 bis 400 Dollar,
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was heute in etwa ± 5000 Euro pro Konzert entspricht. Nach heutiger Umrechnung verdiente er allein in diesen drei Jahren rund $1,4 Mio, also rund €1,2 Mio. Und das schließt seine Konzerte in Europa oder etwa seine jährlichen Konzerte in England noch gar nicht mit ein. Seine Konzertprogramme waren voll und ganz auf das amerikanische Publikum zugeschnitten. Einerseits wollte er als Virtuose und Improvisator beeindrucken, andererseits sich als Komponist etablieren. So trifft man auf den Programmzetteln effektvolle, unterhaltsame Stücke wie die Konzert-Ouvertüre von James Rogers neben seinen musikalisch vielleicht innovativsten Werken wie der „Deuxième Symphonie“. Er wurde den Leuten hier vorgestellt und mit der einheimischen Musik vertraut gemacht. Und es war einfach so, dass er damit seinem Publikum Respekt zollte. Die Konzertouvertüre in h-Moll von James Rogers ist ein ziemlich gutes Stück. Es ist sehr englisch, so wie Alfred Hollins oder C. V. Stanford.
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Ich bin mir sicher, dass er damit schlichtweg sagen wollte: "Ich bin in Amerika. Hier ist ein Franzose, der amerikanische Musik spielt". Die Musik dieser Episode finden Sie übrigens in voller Länge auf unserer Website www.dupre-digital.org unter Episode 7. Die technischen und klanglichen Möglichkeiten der amerikanischen Orgeln eröffneten ihm einen ganz neuen Horizont und entfesselten in ihm neue kompositorische Vorstellungen. Wenn man seine amerikanischen Konzertprogramme sieht, dann fällt auf, dass er fast immer ein eigenes neues Stück programmiert. Aber er weiß das ganz geschickt mit anderen Stücken zu verbinden. Es ist also nicht nur ein neues Stück von Dupré und andere moderne Stücke. Er hat daneben auch sehr populäre Stücke aus dem Orgelrepertoire gespielt. So ist ein Gleichgewicht im Programm entstanden. Und er wusste auch genau,
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was das Publikum von ihm verlangte. Ich denke auch, dass die Leute sehr begeistert waren, dass der große Dupré sein eigenes Stück spielte. Und das hat der Akzeptanz sehr geholfen. Die „Deuxième Symphony“ ist ein Meisterwerk Duprés und steht für einen stilistischen Neuanfang. Er komponierte sie für seine 5. Amerika-Tournee 1929 und spielte die Uraufführung am 30. September im New Yorker Wanamaker Auditorium. Denkt man zurück an die impressionistischen Chorwerke und Lieder der ersten Episoden von „Dupré Digital“, so ist der Sprung in der Tonalität gewaltig. Leider finden sich nur wenige Berichte über Publikumsreaktionen zur Aufführung von Duprés Eigenkompositionen. Eine Rezension der Notenausgabe verrät aber, dass die neuartigen Klänge zumindest überraschend für das Publikum waren. Der Rezensent schreibt, dass die Dissonanzen zu andauernd seien und dass das Werk zu wenig Entspannungsmomente
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für Spieler und Zuhörer bereit halten würde. Ich finde die Nähe der „Deuxième Symphonie“ zu Strawinsky interessant. Nicht nur in Bezug auf ihre Klanglichkeit, sondern auch in Bezug auf ihre Struktur, den blockartigen und nicht ganz ausformulierten Stil der Komposition. Es war ein revolutionäres Werk in vielerlei Hinsicht. Absolutes Neuland. Und in vielerlei Hinsicht war es der progressivste und innovativste Schritt den Dupré jemals gegangen ist: harmonisch und strukturell. Nach der Zweiten Symphonie zog er sich kompositorisch zurück und wurde in seinem Schreibstil konservativer.

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