Expedition extrem: Lawinen und giftige vulkanische Gase | Terra X

Expedition extrem: Lawinen und giftige vulkanische Gase | Terra X

SUBTITLE'S INFO:

Language: German

Type: Human

Number of phrases: 122

Number of words: 1624

Number of symbols: 9300

DOWNLOAD SUBTITLES:

DOWNLOAD AUDIO AND VIDEO:

SUBTITLES:

Subtitles prepared by human
00:01
Der Mount Saint Helens an der Westküste der USA. Der aktive Vulkan trägt bis heute die Narben von einem der stärksten Ausbrüche des 20. Jahrhunderts. In seinem Krater verbergen sich aber auch faszinierende Orte - riesige Gletscherhöhlen, bisher kaum erforscht. „Wenn Feuer und Eis zusammentreffen entstehen spektakuläre Höhlen, wie fast nirgendwo sonst auf der Erde.“ Aber die Schönheit birgt Gefahren. „Aus der Decke schmelzen Gesteinsblöcke heraus“ Trotz des Risikos müssen aktive Feuerberge im Fokus der Forscher bleiben. Ein internationales Expeditions-Team ist auf dem Weg zum Krater des Mount Saint Helens, im Süden des US-Bundesstaates Washington. Für den Berg ein subglaziales Frühwarnsystem zu entwickeln ist eines der großen Ziele der Forscher. Auch der deutsche Höhlen-Klimatologe Andreas Pflitsch ist Teil des Teams. „Was ich mir auf jeden Fall erhoffe, ist, dass wir einmal natürlich das Höhlensystem erklären können, die Größe und das Zustandekommen anhand der Fumarolen, der thermischen Energie im Untergrund und ich hoffe natürlich auch sehr,
01:33
dass wir ein bisschen was über den Vulkan selber erfahren. Denn man darf nicht vergessen, wir haben hier einige Städte drum herum, wir haben hier eine gute Infrastruktur, hier leben Menschen und letztendlich so schön das alles hier ist, so begeistert wir hier alle sind und darauf gehen, ganz klar: Es ist ein gefährlicher Berg.“ Das Team muss ein Stück mit dem Hubschrauber fliegen, um im Zeitplan zu bleiben. Es ist Frühjahr. Nach einem langen, harten Winter liegt auf dem Mount St. Helens ungewöhnlich viel Schnee. Für den Piloten ist es eine Herausforderung unter solchen Bedingungen einen sicheren Landeplatz zu finden. Eine kleine Geröllhalde mitten im Krater ist die Rettung. Jetzt muss alles schnell gehen. „Das Wetter scheint zu halten, ich hoffe wir bekommen alles hoch.“ Eduardo Cartaya und sein Team müssen „Camp Rembrandt“ in 1900 Meter Höhe erreichen bevor es dunkel wird. Diese Stelle im Krater kennen sie von früheren Expeditionen zum Mount St. Helens. Ihr Weg führt an dem Lava-Dom vorbei, der nach dem Ausbruch von 1980 entstanden ist. „Der Weg ist gefährlich, es gibt viele Schneeüberhange und Fumarolen. Jederzeit könnten wir einbrechen.“
03:08
Fumarolen sind Öffnungen im vulkanischen Gestein. Aus ihnen können neben Wasserdampf auch andere vulkanische Gase austreten. Seit 2008 ruht der Vulkan, aber wann er wieder ausbricht weiß niemand. Der Mount St. Helens wird intensiv überwacht. Nach dem Marsch durch den Tiefschnee erreichen die Forscher „Camp Rembrandt“ rechtzeitig vor der Dunkelheit. Zum Glück kann der Helikopter mit dem restlichen Gepäck auch hier noch landen. Alle müssen jetzt mit anpacken, ein Schneesturm kündigt sich an. „Wir müssen trotz des Unwetters Zelte aufbauen.“ Bei Windstärke 10 ein schwieriges Vorhaben, das bei den eisigen Temperaturen aber überlebensnotwendig ist. „Gibt‘s Verletzungen, erfrorene Hände? Heute Nacht müssen wir alle zusammenrücken.“ Dem Team steht eine ungemütliche Nacht bevor. Der nächste Morgen. Der Sturm ist während der Nacht abgeflaut. Ein perfekter Tag für den Fortgang der Expedition kündigt sich an. Aber die letzten Stunden haben den Forschern Respekt eingeflößt.
05:00
„Wir sind hier auf einem aktiven Vulkan, wir haben extremste Bedingungen. Extreme Wetterbedingungen, extreme Schneebedingungen. Der Vulkan kann jederzeit wieder an Aktivität aufnehmen. Also das ist wirklich das Extremste, was ich bisher gemacht habe.“ Der Schnee an den Kraterwänden kann jederzeit als Lawine abgehen. Auch Steine sind hier ständig in Bewegung. Die Forscher testen zunächst ihre Ausrüstung, vor allem die Gasmasken. Denn in den Gletscherhöhlen können sich neben Wasserdampf auch Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff und andere giftige vulkanische Gase ansammeln. „Die Gletscherhöhlen, die wir begehen wollen, sind noch nicht erforscht und kartiert worden. Wir steigen viel tiefer in den Gletscher hinein als irgendjemand vor uns, deshalb müssen wir viele zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen. Später erkunden wir riesige Gletscherhöhlen, in denen noch niemand gewesen ist“. Um dafür gut vorbereitet zu sein, beginnen die Forscher mit ihrer Arbeit in sogenannten Firnhöhlen. Sie liegen nicht im Gletscher, sondern in einer Schicht von stark komprimiertem, altem Schnee. Die Höhlen sind quasi in den Firn hinein geschmolzen. Ein Phänomen, das auch auf die Höhlen im eigentlichen Gletscher zutrifft.
06:40
„Das sind einzigartige, sehr seltene Formen von Gletscherhöhlen. Sie entstehen im Inneren von Vulkanen. Geformt vor allem durch geothermischen Dampf. Sie werden sehr groß und hoch, weil Dampf ja nach oben steigt.“ Mit Lasermessgeräten erfassen die Forscher möglichst viele Distanzen und Winkel. Diese Daten wandeln sie später mit einer speziellen Software in ein dreidimensionales Bild um und erzeugen ein anschauliches Höhlen-Modell. Die Höhle, die unter ihrem Camp liegt, nennen die Forscher „Igloo Cave Die anderen Höhlen weiter oben im Krater wollen sie in den nächsten Tagen erkunden. „Besonders interessant und spannend an Gletscherhöhlen ist, dass sie sich sehr häufig verändern. Fast jedes Jahr, manchmal sogar in wenigen Wochen. Um eine genaue Karte anzufertigen, benötigt man also viele Jahre. Nur so kann man eine Tendenz aufzeigen, wie sich eine Höhle verändert, wächst und wie sie auf den Vulkan reagiert, in dem sie liegt. Eines unserer Ziele ist es herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Veränderung des Volumens einer Höhle und der hydrothermalen Aktivität gibt.
08:02
Dafür müssen wir Daten aus beiden Bereichen über mehrere Jahre hinweg messen. Und falls es einen Zusammenhang, ein Muster gibt, bekommen wir vielleicht ein nützliches subglaziales Überwachungssystem.“ Am dritten Tag versucht das Expeditions-Team einen schon bekannten Zugang in die Gletscherhöhlen wiederzufinden. Trotz widriger Wetterbedingungen haben die Forscher Glück. In der meterdicken Schneedecke klafft ein Loch. „In dieser Höhle waren wir schon 2014. Aber wir wissen, dass sich der Gletscher bewegt und ständig Dampf herauskommt. Von außen sieht es so aus wie vor drei Jahren. Aber wir wissen nicht, was uns diesmal erwartet. Deshalb brauchen wir alle Sicherheitsmaßnahmen. Man muss mit derselben Vorsicht vorgehen wie beim ersten Mal.“ Die Crevasse-Höhle liegt weit oberhalb der Iglu-Höhle. Die Messungen ergaben eine Länge von mindestens 265 Metern. Der steil abfallende Zugang zur Höhle erfordert besondere Vorkehrungen. Alles geht gut: Sicher schweben die Forscher in die Kathedrale aus Eis. Mit einer Wärmebildkamera misst Andreas Pflitsch die Temperatur der Fumarolen.
09:36
„Wir haben eben hier alles was Violett ist, Temperaturen von minus 2 Grad und kälter, aber man sieht hier auch Temperaturen von über 30 Grad, alles was weiß ist hat Temperaturen von 31,6 Grad und wärmer und man sieht sehr schön wie das Gestein drum herum aufgewärmt ist und man sieht sehr schön den Einfluss der Fumarolen.“ Es geht tiefer in die Höhle, um weitere Messungen durchzuführen. Je weiter das Team in die Welt aus Eis vorstößt, umso gefährlicher wird es. „Wir haben von den Seiten abrutschendes Gestein, aus der Decke schmelzen Gesteinsblöcke heraus, man muss also überall gleichzeitig hingucken.“ „Wir werden jetzt oben weitermachen, tiefer muss ich nicht, weil wenn man sich das hier alles anschaut, diese ganze Linie, die schwarze Linie, die man dort sieht…“ Die große Wärme, die von unten aufsteigt, macht die Crevasse-Höhle im Krater des Mount St. Helens an diesem Tag unberechenbar. Für die Forscher wird das Risiko zu hoch. Im Eingangsbereich kann Andreas Pflitsch mit Ultraschall-Anemometern noch Luftströmungen und Lufttemperaturen aufzeichnen. Sie geben Auskunft über das Klima in der Höhle. Dann heißt es für alle zurück ins Camp und Daten sichern.
11:11
„Wir haben relativ turbulente Bedingungen gerade im Bereich der Fumarolen, man kann definitiv sagen, wir haben ein hochaktives, hochdynamisches System vorliegen, was eben auch zu gewissen Gefahren führt.“ Am vierten Expeditionstag herrschen endlich optimale Bedingungen. Das Ziel ist diesmal die Godzilla-Höhle. Diese Höhle ist eine alte Bekannte: Ihren Namen bekam sie 2014 bei ihrer Entdeckung. Rund 176 Meter konnten die Forscher bisher vermessen. “Diese Öffnung hier liegt nahe beim Haupteingang der Godzilla-Höhle. Es kommt viel Dampf raus, sieht aber vielversprechend aus. Wir probieren es. In ein paar Minuten wissen wir, ob es ein Go oder No-Go ist.“ Expeditionsleiter Eduardo Cartaya geht voran. In der Gletscherhöhle angekommen macht er eine grandiose Entdeckung: einen riesigen Tunnel. Der Tunnel gehört aber nicht zur Godzilla-Höhle. Es ist eine bisher unbekannte Gletscherhöhle. „Es ist großartig. Niemand außer uns bekommt diesen Ort zu sehen. Und das Lustige ist: Falls sich der Gletscher verändert, wird ihn vielleicht auch niemand mehr nach uns sehen.“
12:47
Die neue Höhle bekommt den Namen „Mothra“. Mit circa 528 Metern ist sie die längste bisher gemessene Gletscherhöhle des Mount St. Helens. Auch hier wird der Einfluss der Fumarolen auf das Höhlenklima untersucht. „In die heißeste werden wir jetzt ein Messgerät reinlegen und dort die Langzeitmessungen starten.“ Für das Team gehen ereignisreiche Tage zu Ende. Der Vulkan hat erst Mal wieder seine Ruhe. Ein Jahr später kehrt das Expeditions-Team an den Mount St. Helens zurück. „Gepäck ist auch da!“ „Camp Rembrandt“ ist schnell aufgebaut. Die Expedition findet diesmal im Juni statt. Ohne dicken Schneepanzer zeigt der Mount St. Helens ein ganz anderes Gesicht. Der Weg zu den Gletscherhöhlen ist einfacher. Oben angekommen sucht Andreas Pflitsch nach dem Temperatursensor, den er in der Mothra-Höhle zurückgelassen hat. „Wir haben gerade die allerersten Daten ausgelesen, die wir hier über ein Jahr gesammelt haben. Das ist das allererste Ergebnis, das wir jetzt hier haben. Darüber freue ich mich natürlich wahnsinnig.“
14:36
Auch in der Höhle ist es wärmer als vor einem Jahr. Es bildet sich viel mehr Schmelzwasser. Die klimatologischen Daten zeigen erste spannende Ergebnisse: Die Godzilla- und Crevasse-Höhlen scheinen sich schneller zu verändern als die Mothra-Höhle. Das Vermessungsteam verzeichnet ebenfalls Erfolge. Die Forscher können mehrere neue Passagen erkunden. Die wiederholte Vermessung der schon bekannten Höhlen liefert ihnen wichtige Erkenntnisse. „Dies ist das erste Jahr, in dem wir anhand der Höhlen gesehen haben, wie schnell sich der Gletscher bewegt. Wir sehen von unten, wie weit er sich neigt. Das war diesmal eines unserer wichtigsten Ergebnisse. Die Gletscherhöhlen scheinen auch länger und größer zu werden. Ob das mit der Luftströmung oder der geothermischen Aktivität zusammenhängt, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Um das herauszufinden, müssen wir erst alles auswerten.“ Mindestens zwei oder drei weitere Expeditionen zum Mount St. Helens wollen die Forscher noch durchführen. Ihr wollt mehr über Vulkane und Naturphänomene wissen? Dann abonniert diesen Kanal.

DOWNLOAD SUBTITLES: