Verschwörungstheorien - Ein Fall für Lesch & Steffens | Ganze Folge Terra X

Verschwörungstheorien - Ein Fall für Lesch & Steffens | Ganze Folge Terra X

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Jenseits der Wahrheit liegt die Welt der Verschwörungen. Sie zieht viele Menschen in ihren Bann. Wenn die Wahrheit im Verborgenen liegt, zeigt sich die Macht des Wissens. It's one small step for man ... * schrilles Geräusch * Autsch! Danke Leute, Drehschluss für heute, bis morgen! Was machst du denn hier? - Hier, halt mal kurz. Ich wollte mal zeigen, wie leicht es ist, wirklich große Fakes zu produzieren. Wahnsinnig, du feuerst doch noch alles an damit! Aber du kannst heute nicht mal mehr deinen eigenen Augen trauen. Du kannst schon am Handy Bilder so manipulieren, dass echt und unecht genau gleich aussieht. Aber die Verschwörungstheorien sind reine Destabilisierungsmaßnahmen. Wenn die Beweiskraft des Bildes am Arsch ist, dann macht's Leuten vielleicht auch einfach Spaß, alles anzuzweifeln, Egal, ob flache Erde, Klimawandel oder Mondlandung hier im Studio. Und Corona-Virus als Biowaffe. Um das Thema geht's denen nicht,
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sondern um die offizielle Version anzuzweifeln. Dagegen müsste man doch was unternehmen. Damit die Leute erkennen, was ein Fake ist und was nicht. Das können wir doch mal ausprobieren. Das wird aber hart. Also wenn ich an den Urknall denke ... Ah, der Urknall! Der Mond: Quelle von Mythen und Legenden. Doch seit nunmehr 50 Jahren haben Menschen seine Oberfläche erkundet, dort Spuren hinterlassen und sogar Mondgestein mitgebracht. Heißt es. 16. Juli 1969: Die Reise der Apollo 11 wird zum größten Medienspektakel aller Zeiten. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, Ost und West liefern sich einen Rüstungswettlauf, auch im Weltraum. Die Reise zum Mond wirkt daher auf manche wie eine perfekte Inszenierung. Eine Heldengeschichte, von den Amerikanern in die Welt gesetzt, um zu zeigen, wer im All der Platzhirsch ist. Etwa 600 Millionen Menschen weltweit erleben live, wie Neil Armstrong seine ersten Schritte auf dem Mond setzt.
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Ein Fake? - Die Sowjets hätten dies sofort enthüllt. Dennoch hat es die Mondlandung für manche nicht gegeben. Was man nicht unmittelbar mit eigenen Augen sehen kann, weckt Misstrauen. So malen sich manche Menschen aus, auch die Kugelform der Erde sei erfunden. Sie nennen sich "Flacherdler". Diese Flacherdler treffen sich tatsächlich jedes Jahr zu einem internationalen Kongress. In Amsterdam war der letztes Mal. Da fahren die dann hin und bestätigen sich in dem Irrglauben, dass die Erde gar keine Kugel sei. Aber ich wette, die letzten Kilometer bis zur Messehalle benutzen sie auch Googlemaps oder ihr Navi. Dabei kann man doch leicht beweisen, dass die Erde eine Kugel ist. Höher, schneller und weiter ist niemand je gesprungen. Mit einem wahnwitzigen Rekordversuch schafft Felix Baumgartner das Unmögliche und wird zur Legende: Der erste Mensch, der im freien Fall die Schallmauer durchbricht. Im Herbst 2012 springt er aus 38,6 Kilometern Höhe
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mit einem Fallschirm aus einer Raumkapsel auf die Erde. * spannungsvolle Musik * Mehrere Sender berichten live. Auch im Internet wird der Sprung übertragen. Die Kameras zeigen – ganz nebenbei – das Offensichtliche: Die Kugelform der Erde. Doch Flacherdler sind überzeugt: Es werden nur die Ausschnitte veröffentlicht, in denen der Horizont zufällig gekrümmt aussieht. Um zu vertuschen, dass die Erde flach wie eine Flunder durchs Weltall schwebt. Das behaupten tausende Anhänger bei Facebook & Co, obwohl Naturgesetze dagegensprechen. Für die Schwerkraft haben Flacherdler eine Alternativ-Idee. Der Ball kommt nicht zurück zur Erde, die Erde kommt zum Ball. Sie bewegt sich konstant nach oben. Es wirkt die "Universalbeschleunigung". Wenn die Erde stetig nach oben steigt, kann sie sich allerdings nicht um die Sonne drehen. Sonne und Mond kreisen für die Flacherdler wie große Taschenlampen über der Erdscheibe. Doch auf einer Scheibe besteht ein Risiko: Man könnte vom Rand fallen.
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Die Flacherdler sind da sorglos: Eine Mauer aus Eis, auch Südpol genannt, bewahrt die Menschen vor dem Runterfallen. Um ihre alternative Sicht zu beweisen, gibt es für sie nur einen Weg: hoch hinauf. Genau das hat der US-Amerikaner Mike Hughes vor, der sich selbst Mad Mike nennt. In einer selbstgebauten Rakete will er mit eigenen Augen die Erde von oben sehen. Erst ab einer Höhe von etwa 30 Kilometern wäre die Krümmung zu erkennen. Doch Mad Mike will erst einmal so hoch hinauf wie möglich. Und Aufmerksamkeit schaffen für sein Thema: die flache Erde. "Anything is clear, go for it!" Sein Eigenbau schafft 500 Meter. Dann aktiviert Mike den Fallschirm. Von dort oben sieht die Welt aus wie immer. Die Höhe reicht nicht, um die Krümmung des Horizonts zu erkennen. Mike landet hart und verletzt sich den Rücken. Doch das schreckt ihn nicht ab. Monate nach diesen Aufnahmen startet Mike wieder mit einer Rakete. Diesmal entfaltet sich der Fallschirm nicht.
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Mike Hughes stirbt für seinen Traum. Mad Mike, was für ein verrückter Kerl. Und hat für diese fixe Idee sogar sein Leben gelassen. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Um zu beweisen, dass die Erde 'ne Scheibe ist, bräuchte ich nur drei Dinge: ein Boot, einen See und einen Laser. Hab ich alles hier. * Musik * Der Laser ist unbestechlich, Dirk. Weiß ja jeder, dass 'n Laserstrahl völlig horizontal geht. Wenn du beweisen willst, dass die Erde 'ne Scheibe ist, musst du nur zeigen, dass die Erde genauso horizontal ist wie der Strahl. Wir schicken jetzt den Laser da rüber, justieren ihn da. Du fährst mit dem Boot den Laserstrahl ab. Wenn die Erde 'ne Scheibe ist, dann muss der Laser das Boot immer an der gleichen Stelle treffen. Apropos Boot? Oh, Moment. Okay, bis gleich. Cool. - Na, alles gut? Gute Fahrt! * Musik * Kommt am rechten Rand.
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Hab ihn! Kommt! Und hab ihn! * sphärische Klänge * Und, Dirk? Der erste Messpunkt und der letzte. Entweder dein Laser ist krumm oder die Seeoberfläche. Es gibt nur eine Erklärung, weshalb der Strahl das Boot immer weiter oben getroffen hat. Der Laserstrahl verläuft nicht mehr horizontal zur Seeoberfläche. Die Oberfläche des Sees krümmt sich, sie neigt sich. Ist ja schön und gut mit dem Laser. Aber damit überzeugen wir doch nur Leute, die es ohnehin schon wissen. Und die, die nichts glauben wollen, glauben, es sei ein Fake. Obwohl sie's nachmachen könnten. Warum glauben Leute an solchen Quatsch, der sich widerlegen lässt? Es geht nicht so sehr um was sie glauben, sondern was nicht: Der Quelle der Information. Misstrauen bestimmt das Weltbild von Verschwörungstheoretikern. Sie vermuten überall geheime Machenschaften und suchen nach Erklärungen, die all dies verbinden.
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Wer ihnen weismachen will, dass die Erde eine Kugel ist, behauptet auch, der Mensch sei auf dem Mond gewesen. Und vertuscht noch ein weiteres Geheimnis: Dass Außerirdische längst unter uns sind. Alles hängt mit allem zusammen - eisernes Gesetz in der Ideologie eines Verschwörungstheoretikers. Doch wenn alle Fäden an einem Punkt zusammenlaufen, muss es jemanden geben, der im Hintergrund die Strippen zieht. Jemand, der die gesamte Bevölkerung kontrolliert und diese Macht nutzt, um Böses im Schilde zu führen. Wer verfügt über so viel Einfluss? Für Verschwörungstheoretiker ist klar: Der Befehl kommt von ganz oben. Von der sogenannten Elite. Um zu glauben, dass die da oben alle böse sind und zusammenarbeiten, da muss man aber ganz schön misstrauisch sein. Vielleicht, weil die Geschichte gezeigt hat, dass gelegentlich etwas Misstrauen angebracht sein kann. Jedes Mal, wenn eine Regierung ihre Bevölkerung belügt, oder ein Großkonzern was vertuscht, schwindet das Vertrauen.
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New York City 1953. Ein Hotel in Manhattan. Schauplatz einer wahren Geschichte. Frank Olson spürt, dass etwas nicht stimmt. Er fühlt sich nicht gut. Nichts ist, wie es war. Doch was ihm fehlt, das weiß er nicht. Seit neun Tagen leidet er an depressiven Verstimmungen und Angstzuständen. Olson lebt in einem stabilen Umfeld: Er ist Familienvater und arbeitet als Biochemiker in der Forschung. * spannungsvolle Klänge * Den Sturz aus dem 10. Stock überlebt er nicht. Sein Tod wird als bedauernswerter Suizid zu den Akten gelegt. Olson war Forscher mit besonderen Aufgaben: In dem führenden Labor der US Army Camp Detrick. Zugleich ist er Geheimagent der CIA. Er arbeitet an Missionen, von denen niemand je erfahren sollte. Sein Aufgabengebiet: biologische Kriegsführung. Im September 1950 ankert vor der Küste von San Francisco ein Minensuchboot der US Navy.
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Die "Operation Seaspray" wurde in Camp Detrick geplant. Von Forschenden um Frank Olson. Man will herausfinden, wie schnell sich eine tödliche Biowaffe in einer Stadt ausbreiten würde. Dazu verteilt das Boot mikrofeine Partikel in der Luft. Ein harmloses Bakterium, das sich einfach nachweisen lässt. Doch die Forschenden sind "erfolgreicher", als ihnen lieb ist. Der Erreger macht Menschen krank, ein Patient stirbt daran. Überall in der Stadt wird das Bakterium nachgewiesen. Erst 20 Jahre später decken Journalisten auf, dass es die US Navy war, die aus Versehen die eigenen Bürger vergiftete. Doch dies ist nicht das einzige fragwürdige Experiment. Die CIA erforscht die Droge LSD. Sie soll Feinde willenlos machen. Ahnungslose Menschen werden zu Versuchskaninchen. Etliche leiden unter Angstzuständen und Halluzinationen. Und die CIA macht noch nicht einmal vor Kollegen halt. Auch Frank Olson bekam ohne sein Wissen LSD.
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Es sind illegale Menschenversuche, die Misstrauen schüren. Geheime Sprühprogramme, die Leute krank machen. Das ist die Art von Geschichten, die Menschen hören wollen, die Institutionen misstrauen. Bei den Stories gibt's ein Körnchen Wahrheit. Drumherum erzählen die aber noch ganz viel Bockmist. Am Ende glauben total viele an diese Sprühprogramme. Die Chemtrailer, das ist genau so was. Und für die ist jeder Kondensstreifen am Himmel nur ein Beweis dafür, dass sie recht haben. Dass Regierungen, Geheimdienste, Airlines zusammenarbeiten, um uns zu manipulieren. Lass doch mal was ausprobieren. - Was hast du vor? Wir machen selber Chemtrails. Nein, nicht mit mir! Das machst du schön alleine, mein Lieber. Immer wenn's lustig wird! - Ciao! Sie studieren den Himmel und registrieren jede Veränderung. Für manche Menschen wird der schönste Sommertag zu einer Bedrohung. Sie beobachten Sprühspuren von giftigen Substanzen: Chemtrails. Manche Streifen bleiben lange stehen, während andere sich sofort auflösen.
16:09
Mal sind die streifigen Wolken hinter den Flugzeugen deutlich zu erkennen, dann wieder nicht. Das kann nur eines bedeuten: Piloten werden heimlich angewiesen, Chemikalien auszubringen. Aber von wem und warum? Chemtrailer vermuten, dass Piloten, Airlines und Regierungen alle unter einer Decke stecken, um Giftwolken zu versprühen. Diese verschwörerische Elite will damit die Bevölkerung kontrollieren. Die Giftwolken könnten je nach Belieben Starkregen oder Gewitter hervorrufen, den Klimawandel befeuern oder bekämpfen, Oder Menschen krank machen. Wer daran glaubt, hat fortan eine Mission: Der ganzen Welt mitzuteilen, was er herausgefunden hat. Über soziale Medien ist das so einfach wie nie zuvor. Viele Menschen halten solche Verschwörungstheorien für amüsante Gedankenspiele und teilen sie aus Spaß. So erreichen die Geschichten immer mehr Menschen. Mancher Post fällt dabei auf fruchtbaren Boden
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und legt die Saat für einen weiteren Verschwörungstheoretiker. Guilia, Sie beobachten die Chemtrail-Szene schon eine ganze Weile. Was treibt denn die Leute an? Da ist ganz viel Angst, Sorge, dass wir fremdkontrolliert werden. Niemand steht früh auf und sagt: Ab heute glaube ich, dass die Piloten uns vergiften. Das ist ein längerer Prozess. Am Anfang steht meist so 'n leiser Zweifel. Was sind denn das für Leute, die an solche Chemtrails oder Verschwörungstheorien glauben? Bei Chemtrails sind das oft Menschen, die sich für Umweltschutz engagieren möchten. Die sehen den Klimawandel und sagen: Oh, da müssen wir was dagegen tun. Dann begeben sie sich im Internet auf die Suche und treffen dort auf die Chemtrailer, die sagen: Leute, der Klimawandel, das stimmt alles gar nicht. Die sprühen ja, um den Klimawandel voranzutreiben oder ihn aufzuhalten. Das heißt ja, dass das Internet eine überragende Rolle dafür spielt, dass diese Ideen so viel Resonanz finden. Das Internet breitet die Verschwörungstheorien aus.
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Wenn sie auf Menschen treffen, die was schützen wollen, die reagieren dann emotional. Wenn wir sehen, dass Kinder gequält werden, das macht uns wütend, verletzt uns. Wenn wir sehen, dass die Umwelt vergiftet wird, dann werden sie getriggered von den Verschwörungsideologen. Was passiert, wenn man in so eine Community eintritt? Da ist man doch sicher noch unsicher. Ja, total. Da kommt man mit dem Phänomen "love bombing" in Kontakt. Das ist das Konzept, wenn jemand neu in eine soziale Gruppe kommt, dann wird er mit Liebe überschüttet. Super, wir freuen uns. Man wird umgarnt. Das kann aber auch ins Gegenteil umschlagen. Wenn man eine kritischere Meinung hat zur gängigen Gruppenmeinung, dann kommt "hate bombing". Das klingt doch wie eine Sekte. - Das ist es auch. Ich habe meine Kindheit und Jugend bei den Zeugen Jehovas verbracht, weil meine Mutter dieser Religionsgemeinschaft beitrat. Ist das der Grund, warum Sie sich so stark machen bei der Aufklärung der Verschwörungstheorien?
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Erst in zweiter Instanz kam das mit der eigenen Sekten-Vergangenheit, dass ich die Zusammenhänge erkannt habe. Mir ging's am Anfang um die Verschwörungstheorien. Das ist so verrücktes Zeug: Wir müssen die Leute davor warnen, was da im Netz lauert. * Musik * Uwe? Wo finde ich dich denn? Moin, Uwe. - Hallo, Dirk. Und bist du bereit für eine Flugstunde? Ja. Und der blaue Himmel, perfekt für Chemtrails. * Musik * * Der Motor startet. * Alles schick? - Lass es uns tun. * Musik * Dirk, bei dir noch alles gut? - Noch ist alles gut. * Dirk schreit. * * Musik * So, da sind wir schon wieder. - Uwe, du bist ein Held. Uwe, 'ne Menge Kleingedrucktes. Was ist das für ein Chemiemix? Kein Chemiemix, das ist Paraffin. Daraus werden Kerzen hergestellt. Das ist biologisch abbaubar. Das benutz ich, wenn ich auf Flugshows Herzchen in die Luft male, oder die Rauchwolken hinter mir herziehe.
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Dass die Zuschauer das besser sehen. Aber wenn du einen Spritztank hast, wo du so Zeug reinfüllen kannst, dann könntest du auch andere Chemikalien da reintun, oder? Das würde ich weder meinem Flugzeug noch meinem Motor zumuten. Weil dann die Wände vom Tank angegriffen werden. Den Auspuff kann man danach wegwerfen, das würde keinen Sinn machen. Jetzt bist du nicht nur Kunstflieger, sondern Berufspilot als Kapitän von so 'nem großen Flieger. Du hättest doch mitkriegen müssen, wenn so was irgendwo mal passieren würde. Das gibt's nicht. - So 'n bisschen Chemtrails? Nee, das würde an mir niemals vorbeigehen können. Danke. Wir sehen uns. Solche Streifen sind wissenschaftlich zu erklären. In Reiseflughöhe ist es meist sehr kalt: bis zu 50 Grad minus. Wenn im Triebwerk Kerosin verbrennt, entstehen Wasserdampf und Rußpartikel. Der Wasserdampf trifft auf die kalte Außenluft und kondensiert an den Rußpartikeln zu Eiskristallen. Sie werden sichtbar: als Kondensstreifen. Bei tiefer Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit
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sind sie lange zu sehen. Ändern sich diese Bedingungen, etwa wenn das Flugzeug sinkt und die Temperatur steigt, bilden sich kaum Eiskristalle. Also keine Kondensstreifen. Forschende untersuchen die Atmosphäre rund um die Uhr. Das DLR und die NASA analysieren auch Flugzeugabgase. Sie wollen wissen, wie Biokerosin sich von konventionellem Kerosin unterscheidet. Hier fliegen sie hinter einem Airbus und nehmen Proben mitten aus dem Kondensstreifen. Sie finden ausschließlich Stoffe, die als Abgase auch zu erwarten sind. Nichts Ungewöhnliches. Für eine internationale Studie wurden weltweit 77 renommierte Atmosphärenforschende gefragt, ob sie Chemtrails für wahrscheinlich halten. Bis auf einen, der sich bestimmte Messergebnisse nicht erklären konnte, sind sich alle einig: Chemtrails gibt es nicht. Haben Sie schon mal probiert, jemand von seinem Chemtrail-Glauben abzubringen? Ja, mehrfach, am Anfang meiner Karriere,
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aber es ging jedes Mal aus wie das Hornberger Schießen. Ich hab versucht, zu erklären, wie sich Kondensstreifen bilden, die verschiedenen Luftschichten, dass nicht alles gleich ist in der Luft, haben sie nicht verstanden. Deswegen konzentriere ich mich auf die Präventionsarbeit. Sie machen Aufklärungsarbeit. - Korrekt. Wir sagen, was im Internet lauert. Wie kann man's widerlegen, die Quellen checken? Wie gehe ich damit um, wenn ich Fake News im Internet sehe? Der Verschwörungstheoretiker zieht sich bei Widerworten in seine emotionale Schutzzone zurück. Da komme ich als Außenstehende nicht ran. Nur nahestehende Menschen. Gibt es 'ne Gemeinsamkeit bei all den Gruppen? Ja, der Antisemitismus. Wir sehen als Dach der Verschwörungstheorien den Antisemitismus, die jüdische Weltverschwörung, gepaart mit viel fremdenfeindlichem, rassistischem Gedankengut. Diese Gruppen eint der Widerstandsgedanke. Wer profitiert von diesen Verschwörungstheorien? Diejenigen, die eine politische Agenda haben und Macht wollen. Und diejenigen, die eine Industrie daraus entwickeln.
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Die Pülverchen und Mittelchen verkaufen wollen. Oder Heilkristalle, um sich vor den Chemtrails zu schützen. Und wie war es bei den Chemtrailern? Machen die wirklich krank? Ich hab mich echt schlecht gefühlt. Aber das lag daran, wie der Pilot geflogen ist. Es ist alles schlimmer, als wir gedacht haben. Sekten, rechte Hetze ... - Und Abzocke. Ich zeig dir mal was. Ist hinten drin. Das ultimative Schutzgerät gegen die Beeinflussung durch Chemtrails. Das ist eine Orgonitsäule. Wenn du das Ding in deinem Garten aufstellst, dann bist du sicher vor der Manipulation durch die Kondensstreifen. Guck, da ist schon wieder einer. Hilft wirklich, garantiert. Und wie kommst du dazu? - Selbstgebaut. Was? - Rate mal, wie teuer das war. Kupferrohre, Metallteile ... - Bergkristalle. Baumarktmaterial. - Keine 400 Euro. Guck dir mal an, für wie viel die das im Internet verkaufen. Das ist ja nicht zu fassen. 3600 Euro! Das ist ja widerlich.
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Ein Riesengeschäft. Irgendjemand profitiert immer. So war es auch schon vor 700 Jahren. Im Fokus damals: die Tempelritter. Ein Mönchsorden, der unter dem Deckmantel der Kirche schwerste Verbrechen begangen haben soll. Teufelsanbetung, Ketzerei, Orgien. Die Tempelritter haben eine geheime Agenda, und die muss gestoppt werden. Am Freitag, den 13. Oktober 1307 werden alle Tempelritter Frankreichs gleichzeitig verhaftet. Doch an den Vorwürfen ist nichts dran. Einer hat die Fäden gezogen, einer, dem es vor allem um Profit geht. Der König von Frankreich, Philipp IV. Wie könnt Ihr es wagen? Eure Majestät, es sind nun mal die Kassen, die Kassen sind leer. Wisst Ihr, was die wahren Probleme Frankreichs sind? Die Brüder des Ordens des Tempels sind es. Die unseren Glauben beleidigen unter dem Gewand des Ordens! Des Teufels sind sie! Worauf wartet Ihr noch? Warnt das Volk vor diesem Unheil!
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Der Aufstieg der Tempelritter begann mit der Eroberung Jerusalems Ende des 11. Jahrhunderts. Aus ganz Europa pilgern Gläubige ins Heilige Land und brauchen Schutz für den gefährlichen Weg. Die Templer bieten genau diesen Service: Gottesfürchtige, bis zu den Zähnen bewaffnete Sicherheitskräfte. Ein lukrativer Job mit Ausbaupotenzial. Denn hinter den Kulissen sind die Templer verschwiegene Geschäftsleute, die zunehmend reicher werden. So reich, dass sogar der König ihnen Geld schuldet. Höchste Zeit für ihn, den lästigen Orden loszuwerden. Habt Ihr getan, worum ich Euch gebeten habe? Selbstverständlich. Die Abschriften liegen bereit. Lest vor. Am heutigen Tage, Freitag, den 13. Oktober, ergeht folgender Haftbefehl des Königs. Ein abscheuliches Verbrechen, eine abscheuliche Tat, eine schreckliche Schande, eine völlig unmenschliche Sache. hat dank eines Berichts mehrerer glaubwürdiger Personen
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in unseren Ohren widerhallen lassen. Gegen diese Feinde Gottes, des Glaubens und der Natur hat Ihre Majestät keine andere Wahl, als alle Mitglieder des Ordens zu verhaften. Und ihr Eigentum zu pfänden. Der König selbst ist es, der die Geschichten über die Templer in die Welt setzt. In den Augen des Volkes hat der König recht: Er hat eine Verschwörung gegen Gott, gegen die Kirche und gegen die Krone aufgedeckt und die Ketzer zur Rechenschaft gezogen. Das Misstrauen, das der König schürt, fällt auf fruchtbaren Boden. Denn dem Volk ist der Einfluss der reichen Templer schon lange suspekt. * Musik * Die Templer konnten sich gut verteidigen, das waren ja auch Ritter. Denen gehörte hier das ganze Land. Das ist ihre Komturei, hier haben sie sich zurückgezogen, wenn sie angegriffen wurden. Leicht erhöhtes Land, ein See für die Fischverpflegung. Da wurde so ein Mönchsorden zur uneinnehmbaren Festung. Aber gegen 'ne richtig fiese Verschwörung
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hilft auch die dickste Festungsmauer nichts. Die Intrige vom König hat ja dazu geführt, dass die Templer in ganz Europa verboten wurden. Vom Papst. Und das hatte auch Folgen für die Templer hier in Brandenburg. Der Besitz wurde auf den Johanniter-Orden übertragen. Was ist aus den Templern geworden, die all das hier über Jahrzehnte am Laufen hielten? Ich nehme an, dass die Johanniter die Templer vom Hof jagten. Nee. Die Templer haben sich einen anderen Umhang übergehängt und sind als Johanniter weitergelaufen. Ging alles so weiter wie vorher. Lass uns mal hochgehen zur Kirche. Dieses Zeichen ist ein Zeichen für die Erstweihung. Diesen Stein haben Tempelritter behauen. Bisschen später haben dann dieselben Leute wieder hier in den Bänken gesessen, aber als Johanniter. Heute wäre das nicht mehr so leicht. Das würde sofort in die sozialen Medien gehen. Und übers Internet würde sogar die ganze Welt von dem Skandal erfahren. Ist das nicht auch Teil des Problems? Dass wir alles Neue nur aus dem Internet erfahren.
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Das Internet ist das wirkungsmächtigste Kommunikationsinstrument der Menschheit. Aber wir nutzen es, um den größten Scheiß mit Lichtgeschwindigkeit zu verbreiten. Plötzlich ist jede Information gleichwertig. Das Internet ist groß, unreguliert, und es fehlt ein Kompass. Da sucht sich jeder sein eigenes Weltbild zusammen. Da findet auch jeder eins. Das französische Volk glaubt seinem Regenten, dass die Templer Böses im Sinn haben. Die Geschichte des Königs passt in das Weltbild der Menschen. Sie sind es nicht anders gewohnt. Die Reichen und Mächtigen nehmen sich, was sie haben wollen. Ein altbekanntes Muster. Doch das Erkennen von scheinbar Vertrautem in Mustern kann auch zu Fehldeutungen führen. So neigen Menschen etwa dazu, Gesichter zu sehen, wo keine sind. Etwa ein depressiver Ausdruck in einem Schwimmbecken. Oder ein fröhliches Gesicht in einem Mikroskop. Es sind Trugbilder, die auf vertrauten Strukturen beruhen
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oder in überlieferten Geschichten verankert sind. So sieht nicht jeder das Gesicht vom Mann im Mond. Andere Kulturen folgen anderen Mondmythen und sehen einen Hasen. Einmal gelernt, dauerhaft gespeichert. Wer in einem Hai eine Dämonenfratze erkennt, wird sie immer wieder darin sehen. Muster erleichtern es uns, unser Bild von der Welt zu ordnen. Und das bleibt nicht ohne Folgen. Hier könnten sie gesessen haben. - Wer? Die Widerstandsgruppen. Hier haben ja nicht nur die Templer gelebt. Die Leute um Graf Stauffenberg haben sich hier zwei Wochen vor dem Attentat auf Hitler getroffen, hier waren sie ungestört. Hier haben sie den Umsturz des Nazi-Regimes geplant. Die Nazis und ihr Gerede vom Weltjudentum. Das war die schlimmste Verschwörungstheorie von allen. Und die Nazis waren nicht die Ersten, die die Juden zur Zielscheibe gemacht haben. Das Mittelalter ist keine gute Zeit für Stadtbewohner.
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Viele Menschen sind arm und leben mit Dreck und Ungeziefer. Doch die größte Gefahr liegt im Verborgenen. Überall werden Menschen krank. Wer Leidenden zu nah kommt, holt sich den sicheren Tod. Ein Gerücht macht die Runde: Die Juden sollen die Brunnen vergiftet und damit die Seuche verursacht haben. In ganz Europa kommt es zu Pogromen, bei denen viele Juden ermordet werden. Was die Seuche wirklich verbreitet hat? Es vergehen Jahrhunderte, bis die Ursache aufgeklärt wird. Die Erfindung des Mikroskops öffnet den Blick in eine ganz neue Welt. Eine Welt, die dem bloßen Auge verborgen ist. Im 19. Jahrhundert entdeckt der Schweizer Forscher Alexandre Yersin das Bakterium, das die Seuche auslöste. Es wird nach ihm benannt: Yersinia pestis, das Pestbakterium. Der Erreger hat einen Zwischenwirt: Flöhe. Mit deren Hilfe gelangt er in die menschliche Blutbahn. Die Pest rafft ein Drittel der Weltbevölkerung dahin mit nichts als einem Flohbiss.
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Harald, wenn du den Leuten im Mittelalter erzählt hättest, es gibt 'ne unsichtbare Welt voller winzig kleiner Krankheitserreger. Die hätten dich für verrückt erklärt. Die hätten gesagt: Das ist eine Verschwörungstheorie. Wissenschaft ist nicht einfach. Die Ergebnisse müssen immer wieder aufs Neue überprüft werden. Müssen an neuen Entdeckungen geschärft werden. Aber die Wissenschaft ist ihr eigenes Korrektiv. Sie ist der beste Weg der Annäherung an die Wahrheit. Aber das kann dauern. Heute hat doch keiner mehr Geduld: die Corona-Krise. Viele scheinen zu glauben, sie hätten ein Anrecht darauf, alles sofort zu verstehen, obwohl das Quatsch ist. Wenn die Wissenschaft irgendwann gute Ergebnisse ausspuckt, müssen nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Ich sag nur: Klimakrise. Der Klimawandel verändert unseren Planeten dramatisch. Schon seit Jahren legen Forschende schlüssig dar, dass der Mensch verantwortlich ist für die Erderwärmung. Doch noch zweifeln viele daran.
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Der Zweifel hat keine wissenschaftliche Grundlage. Gesät wurde er von der Öl-Lobby. 1996 hält Lee Raymond, Chef eines großen Ölkonzerns, eine bemerkenswerte Rede. Verfechter dieser Theorie sagen, dass der CO2-Anstieg zu einer Erderwärmung führt. Und dass fossile Brennstoffe schuld daran sind. Es ist wissenschaftlich jedoch nicht erwiesen, dass Menschen das globale Klima beeinflussen können. Zu diesem Zeitpunkt hat Exxon bereits selbst Millionen in Klimaforschung investiert. Schon 1978 kommt die Erdölfirma zu dem Schluss: Der CO2-Ausstoß heizt das Klima an. Keine gute Nachricht. Man sät Zweifel an den eigenen Forschungsergebnissen. Und stellt den wissenschaftlichen Konsens infrage. Mit nur einem Ziel: ... keinen Grund, jetzt Maßnahmen zu ergreifen. Und die Strategie geht auf: Die Öl-Lobby erklärt den menschengemachten Klimawandel zu einem Märchen.
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Sie hat die Saat dafür gelegt, dass viele es heute noch für eine Glaubensfrage halten, ob es den Klimawandel gibt oder nicht. Wissenschaft und Verschwörungstheorien haben ja auch was gemeinsam: den Zweifel. Das ist doch der Motor, der beides antreibt. Hier wie da Leute, die alles hinterfragen. Die alles anzweifeln. Deshalb halten sich ja Verschwörungstheoretiker für so kritische Geister. In der Wissenschaft ist der Zweifel kein Gemütszustand, sondern eine Methode. Die Wissenschaft ist ein Wettbewerb der Hypothesen. Das Experiment entscheidet darüber, welche Hypothese stimmt. Bis dahin ist der Ausgang unklar. Am Ende bestimmen das nicht Wissenschaftler, sondern die Naturgesetze. Alle sind sich ja einig, dass die Erde sich seit 150 Jahren erwärmt. Das zeigen ja auch alle Temperaturmessungen. Jetzt kann man die natürlichen Ursachen da reinrechnen, und dann die Kurve drüberlegen. Die Klimawandelskeptiker sagen, die natürlichen Ursachen seien die einzigen Ursachen dafür, dass es wärmer wird. Die Sonnenaktivität, aber so viel bringt das gar nicht.
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Ein anderes Argument sind die Vulkane, die Vulkanausbrüche. Dabei kommt ziemlich viel CO2 in die Atmosphäre. Aber auch das kann man ja genau messen: viel zu wenig. Das dritte große Argument der natürlichen Ursachen: Die Umlaufbahn der Erde. Der Abstand zur Sonne ist ja nicht statisch, der verändert sich. Aber auch das kann man genau ausrechnen. Dann kann man das Kohlendioxid mit reinrechnen. Und dann kommt das raus. Aber nicht mal die Klimawandelskeptiker ... Auch die haben eingesehen, dass sich CO2 in der Atmosphäre anreichert. Sie sagen nur, das Zeug speichert gar keine Hitze, das würdest du nur behaupten. Kinderleicht, das Gegenteil zu beweisen. Ich zeig dir mal was. So, das mal auf den Tisch. Ich schraube das mal fest. So, das ist die Wärmelampe. Damit simulierst du die Erdoberfläche, die die Wärme abstrahlt. - Genau. Die Wärmelampe ist ein Modell für die Erde. Die Erde strahlt Wärme ab.
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Die Strahlen der Sonne werden von ihr reflektiert. Und wohin? In die Atmosphäre. Im Experiment ist die Atmosphäre eine Dose. Die wird von der Erde, also von der Wärmelampe bestrahlt. So stellt sich hier ein Gleichgewicht ein. Das ist der normale Vorgang. Jedenfalls bis das CO2 dazukommt. Jetzt erzeugen wir auf natürliche Art und Weise Kohlendioxid. Indem wir Zitronensäure und Natronpulver zusammenmischen. Ich schütte jetzt Wasser da rein, und du machst direkt den Kolben da drauf. Im Grunde ist das jetzt ein gigantisches Braunkohlekraftwerk, das CO2 in die Atmosphäre pustet. Jetzt schauen wir uns an, was auf diesem Thermometer steht. 32,2, Tendenz steigend. Wir tun ja nichts. 32,5 ... - Es steigt. 32,6. So einfach, gleichbleibende Wärmequelle, einfach mehr CO2 in der Atmosphäre. - Dann steigt die Temperatur. Wo sind wir? - 33,... Diese Verschwörungstheorien können für uns alle gefährlich werden,
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so wie beim Klimawandel. Die Klimaleugner haben über Jahrzehnte verhindert, dass wir das Richtige tun. Wenn Menschen Zweifel haben, dann sollen sie Fragen stellen. Aber dann müssen sie auch akzeptieren, dass die Wissenschaften Antworten darauf haben. Das gilt nicht nur für den Klimawandel, auch für Chemtrails oder für Flacherdler. Und was machen wir jetzt? - Sauber wissenschaftlich arbeiten. Wann seid ihr denn fertig? - Ich befürchte, nie. Wir sind dran. * Musik * Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020

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