Der Mars – Rätselhafte Wüstenwelt | Ganze Folge Terra X mit Alexander Gerst

Der Mars – Rätselhafte Wüstenwelt | Ganze Folge Terra X mit Alexander Gerst

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Language: German

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00:10
* Titelmusik * Das Ziel ist der Mars. Schon bald will der Mensch zu seiner bislang größten Entdeckungsreise aufbrechen. Der erste Schritt auf dem Roten Planeten könnte Wirklichkeit werden. Wir leben in einer Zeit der Menschheitsgeschichte, wo wir das erleben werden. Wir sind die Zeugen nicht vor 1000 Jahren, nicht in 1000 Jahren. Hier und jetzt in 10 bis 15 Jahren werden wir Zeugen sein. Die Bilder der Mars-Sonden zeigen uns magische, gar nicht so fremd erscheinende Landschaften. Mit Spuren von Stürmen und eisbedeckten Kratern. Bis heute ist die ferne Wüstenwelt voller Rätsel. Vor Milliarden von Jahren war der Mars ein blauer Planet. Raumfahrtexperten simulieren in Höhlen und Wüsten künftige Mars-Missionen. Lässt sich dort flüssiges Wasser aufspüren? Und vielleicht sogar außerirdisches Leben? Wenn wir zum Mars fliegen und da Spuren von Leben finden würden, egal, ob es ausgestorbenes Leben ist oder noch existierendes...
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Beim ersten Blick über den Tellerrand gleich schon auf Leben zu stoßen, wenn wir das Weltall erkunden. Dann würde es bedeuten, dass es da draußen wahrscheinlich vor Leben nur so blüht. Auf dem Mars erwartet uns eine Landschaft, die irdische Dimensionen übersteigt. Ein Gesteinsplanet mit einem gigantischen, bis zu sieben Kilometer tiefen und 4000 Kilometer langen Canyon-System: Den Valles Marineris. 22 Kilometer ragt der Olympus Mons aus der Ebene empor. Der höchste Vulkan unseres Sonnensystems. In diese schwarzen Weiten sollen bald Astronauten blicken. Was treibt uns in diese einsame Wüste im All? Der Mensch will zum Mars, weil da draußen gibt es einen anderen Planeten, wo man hinfliegen kann. Wenn es einen Pol gibt, wo die Menschheit noch nicht war, dann wird es immer Menschen geben, die zu den Polen gehen. Und da draußen ist ein Planet, den können wir mit unserer Technologie erreichen. Allein deswegen wird es den Menschen dahin treiben.
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Von der Sonne aus gezählt ist der Mars der vierte Planet im Sonnensystem. Er ist der äußere Nachbar der Erde und etwa halb so groß. Er liegt für uns in erreichbarer Ferne: Sechs bis sieben Monate dauert der Flug zum Roten Planeten. 47 unbemannte Missionen führten bislang zum Mars. Fast 600 Mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Mehr als die Hälfte scheiterte ganz oder teilweise. Die ersten Nahaufnahmen des Mars schossen die Amerikaner. Die erste Landung einer Sonde gelang den Russen. Der Lander Pathfinder brachte den ersten Rover auf den Mars. Die ESA-Sonde Mars Express kartiert den Planeten seit über 15 Jahren. Rover Opportunity zog mehr als 5000 Tage seine Bahnen, bevor er in einem Sandsturm verstummte. Seit Jahrzehnten steht der Mars unter Dauerbeobachtung. Und der Countdown läuft für den ersten bemannten Flug. Für Gernot Grömer ist der Rote Planet ein Lebenstraum. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie es wäre,
04:26
auf dem Mars zu stehen und zu spüren, wie der Wind lau bläst. Bei dem bisschen, was an Winddruck dort möglich ist. Die geringere Schwerkraft, die alles etwas leichter macht. Wie der Sand sich anschmecken würde. Wie es sich anhört, es hat noch kein menschliches Ohr gehört, wie der Wind auf dem Mars bläst. Wir haben Daten, wie es sich anfühlen müsste. Aber ein Mensch, der erzählt, wie der Mars schmeckt, riecht, sich anhört, anfühlt, das kann nur ein Mensch machen. Eine Station, wie sie auf dem Roten Planeten stehen könnte. Tief in der marsähnlichen Wüste des Oman trainieren Wissenschaftler und Raumfahrt-Enthusiasten für eine Mars-Mission. Sie verstehen sich als Wegbereiter für die größte Expedition der Menschheit und testen Methoden für die Suche nach Wasser und Lebensspuren. Das Kommando hat der Astrobiologe Grömer, Initiator des privaten österreichischen Weltraumforums. Aufbruch zum ersten Einsatz außerhalb der Station. Die "Marsianer" tragen technisch komplexe Raumanzüge,
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maßgeschneidert für die Bedingungen auf dem Wüstenplaneten. Wie auf einer echten Mars-Mission führt die Crew geologische Experimente durch. Hier werden seismische Sonden für die Fahndung nach Wasser-Reservoirs auf dem Mars getestet. Feste und flüssige Schichten reflektieren die Schallwellen eines Hammerschlages unterschiedlich stark. Messdaten, aber auch Herzfrequenz und Körpertemperatur der Simulations-Astronauten werden ins Kontrollzentrum vor Ort übertragen. Eine schnelle Leitung zur "Erde" gibt es allerdings nicht. * Nicht zu verstehen. * Wenn wir mit der Erde kommunizieren, müssen wir das mit Zeitverzögerung machen. Weil Mars und Erde können bis zu 380 Mio. Kilometer auseinander sein. Das heißt, wir haben über 20 Minuten Lichtlaufzeit zwischen den beiden Planeten, das müssen wir auch einbauen. Das ist unglaublich spannend, weil das ändert die Spielregeln. Man kann nicht sagen: Jetzt gehe ich raus. Es gibt Regeln, operative Abläufe. Der Mars ist eine gefährliche Umwelt.
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Wenn ich den Planeten nicht respektiere, dann wird er gefährlich. Auf seiner elliptischen Bahn kommt der Mars der Erde von allen Planeten am nächsten. Ein Mars-Tag dauert etwa 24 Stunden. Es gibt Jahreszeiten. Ganz wie bei uns auf der Erde. Sonden umkreisen den Mars und fotografieren ihn mit hochauflösenden Kameras. Sie scannen die Oberfläche mit Radargeräten, um Eis und Wasser aufzuspüren. Ihre Sensoren registrieren Spurengase in der dünnen Atmosphäre. Planetenforscher rekonstruieren die Landschaft aus Abertausenden von Aufnahmen. So ist das Bild von der Mars-Oberfläche bereits jetzt sehr präzise. Es ist eine faszinierende rostrote Wüste. Diese tiefen, bis zu 40 Kilometer breiten Tal-Kerben wurden vermutlich durch abschmelzende Eismassen geformt. Bis heute ist das ferne Krater-Reich voller Geheimnisse. Sind diese hellen Gips-Formationen durch Verdunstung von Wasser entstanden? Was genau passierte vor Jahrmilliarden, als der Mars sein Magnetfeld und seine Atmosphäre verlor?
08:39
Als der Mars entstand, war er sehr heiß. Das muss man sich so vorstellen: Wenn die Massen aufeinander fliegen, dann erhitzen sie sich. Er hatte damals einen flüssigen Kern. Und alle Planeten, die einen flüssigen Kern tragen wie auch die Erde haben ein Magnetfeld. Und Planeten brauchen dieses Magnetfeld, um die Atmosphäre zu halten. Der Mars ist soweit abgekühlt, dass er diese Atmosphäre nicht mehr tragen kann. Das Magnetfeld des Mars ist nicht mehr da. Es kann nicht verhindern, dass der Sonnenwind die Atmosphäre vom Mars weggetragen hat. Das ist vor vielen Milliarden Jahren passiert. Deswegen hat er die Atmosphäre nicht mehr. Reale Aufnahmen von einem "Staubteufel". Wegen des nur noch sehr niedrigen Atmosphärendrucks haben Wirbelstürme auf dem Mars weniger Kraft als auf der Erde. Aber die Sandkörner fliegen aufgrund der geringeren Schwerkraft doppelt so weit. Wie ein Gemälde ziehen sich die Spuren der Staubteufel durch die Marsdünen. Diese gigantische Sturmfront ist ein anderes Kaliber.
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Sie verhüllte im Sommer 2018 den gesamten Planeten, hielt monatelang an. Und wurde dem solarbetriebenen Mars-Rover "Opportunity" zum Verhängnis. Auch wenn es nicht stürmt, weht auf dem Mars ein laues Lüftchen. Aus Sound-Daten der InSight-Sonde konnte erstmals rekonstruiert werden, wie der Wind über den Sanddünen klingt. * Wind rauscht. * * Musik * Wenn Alexander Gerst aus dem Aussichtsfenster der Internationalen Raumstation auf die Wüsten der Erde schaute, fühlte es sich fast wie ein Anflug auf den Roten Planeten an. Auch auf der Erde bestehen große Teile ganzer Kontinente aus Wüsten. Von der ISS aus gesehen lebensfeindliche Welten. Ich hab ein paar Fotos gemacht, weil die mich so fasziniert haben. Von Gegenden in Nordafrika, bei denen man wirklich nicht erkennen kann, ob das die Erde ist oder der Mars. Das heißt, obwohl diese Wüste von oben so komplett unwirtlich aussieht, als ob da niemals Leben sein könnte.
11:05
Wenn man näher hinschaut, findet man doch Leben. Und das finde ich interessant für den Mars, weil der von außen genauso aussieht. Da ist fast kein Unterschied, wenn man das von oben sieht. Da ist nur Sand, Gestein, Einschlagkrater. Aber wenn man näher hinschaut, da bin ich mir sicher, könnte es Nischen geben, in denen Leben vielleicht noch existieren kann. Kein höher entwickeltes Leben, denn das hätte sich den Sonden und Rovern wohl längst erschlossen. Womöglich aber einfachste, biologische Strukturen. Relikte aus der Zeit vor Milliarden von Jahren, als der Rote noch ein blauer Planet war. Der Mars war früher einmal sehr erdähnlich. Der hatte 'ne dichte Atmosphäre, da gab's flüssiges Wasser auf der Oberfläche. Jetzt ist er wüst und leer. Was ist da passiert? Und könnte dasselbe vielleicht mit der Erde passieren? Wenn ja, können wir es verhindern? Wir brauchen ein fundamentales Verständnis von dem, was da passiert ist. Sonden offenbaren eine magische Welt am Nordpol des Mars.
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In einer gigantischen Spirale wechseln weiße, mit Wassereis bedeckte Hügel mit dunklen staubgefüllten Gräben. Unter dem Eisschild des Südpols weisen Radardaten auf einen See hin. Auch der Korolev-Krater ist mit einer fast zwei Kilometer mächtigen Schicht aus Wassereis bedeckt. Der Rote Planet, wegen seiner Farbe bereits in der Antike nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt, fasziniert uns von jeher. Markus Landgraf, Missionsplaner der ESA, blickt mit der Biologin Bettina Wurche zurück in die Geschichte der Mars-Beobachtung. Die frühen Astronomen hatten nicht so perfekte Teleskope wie heute. Deswegen waren die Bilder, die sie gesehen haben, hauptsächlich die Scheibe des Mars mit dunklen und hellen Flecken. Und die haben aus dieser Information abgeleitet, dass auf dem Mars Strukturen bestehen, und haben das mit der Erde verglichen. So dass heute Dinge auf dem Mars nach Meeren benannt sind, obwohl sie keine Meere sind. Und dadurch entsteht so ein Bild wie Kontinente, Meere.
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Eine Struktur, die von der Erde aus sogar mit bloßem Auge zu erkennen ist, sind die weit verzweigten Gräben der Valles Marineris, des größten Canyons unseres Sonnensystems. Der Astronom Giovanni Schiaparelli hat den Grabenbruch 1877, als der Mars der Erde besonders nahe war, als erster beschrieben und mit seiner Entdeckung die Fantasie der Menschen enorm beflügelt. Für die Gräben benutzte er das italienische Wort "Canali". Kanäle auf dem Roten Planeten? Erschaffen womöglich von "Marsianern"? Die Canali von Schiaparelli riefen eine ungeheure Begeisterung in den Menschen hervor. Leider sprachen nicht so viele Leute Italienisch und konnten Canali mit Graben übersetzen. Stattdessen wurde es ins Deutsche, ins Englische übersetzt. Und da ist es zu einer Fehlübersetzung gekommen. Es hat ein englischsprachiger Journalist aus Canali Channels gemacht. Und auf einmal hatten wir nicht mehr eine neutral bezeichnete Grabenbruchstruktur, sondern einen künstlich geschaffenen Kanal.
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Und das war praktisch der Beginn einer ganzen Mars-Zivilisationsgeschichte. Die schemenhaften Bilder der ersten Mars-Sonden erschaffen neue Mythen. Sie lassen auf dem rätselhaften Bruderplaneten der Erde ein Gesicht erahnen. Pyramiden auf dem Mars erbaut nicht von grünen Männchen, sondern Monumente einer außerirdischen Hochkultur? Im Spiel von Licht und Schatten auch auf den Fotos von Mars-Rovern lässt sich Unglaubliches entdecken, was sich bei genauem Hinsehen als optische Täuschung erweist. Suppenlöffel, Alien-Krieger und Dinosaurier-Knochen sind dort oben nicht zu erwarten. Dem Geheimnis des Lebens aber könnten wir auf dem Mars doch auf die Spur kommen. Eine der Fragen, die ich oft gestellt bekomme: Glaube ich an außerirdisches Leben? Ich weiß es nicht. Das kann kein Mensch wissen, wie's da draußen aussieht. Wir können nur wissenschaftlichen Hinweisen nachgehen, vielleicht finden wir Leben auf dem Mars. Diese Vorstellung finde ich absolut faszinierend.
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Allein dafür lohnt es sich, da rauszufliegen. Vor 50 Jahren ist der Mensch erstmals zu einem fremden Himmelskörper aufgebrochen. Mit der Saturn V, der größten Rakete, die bislang gebaut wurde, flogen die Apollo 11-Astronauten zum Mond. Für ihren Entwickler, den Deutschen Raketenforscher Wernher von Braun war schon damals der Mars das Ziel. Auf dem Mond blieben die Raumfahrer nur drei Tage. Für eine Langzeitmission zum Mars wäre eine ganz andere Versorgungskette nötig. Der Mond soll eine Zwischenstation sein. Ein Szenario mit einer Raumstation im Mars-Orbit und wiederverwendbaren Raketen entwickelte schon Wernher von Braun. Was uns noch immer wie Science Fiction erscheint, ist theoretisch schon lange machbar. Es gibt eine ganz große Herausforderung. Das ist der Grund, warum wir jetzt noch nicht fliegen: Die Zuverlässigkeit. Wir haben die Technologien alle da, wir kennen sie, aber wir haben sie noch nicht getestet. Wenn wir jetzt schon fliegen würden, wäre die Chance,
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dass wir unversehrt zurückkämen nur bei fünf bis zehn Prozent. Das würde kein Astronaut machen. * Musik * Countdown für den ersten Start der Falcon Heavy im Februar 2018. Mit solchen neuen Super-Raketen will das Raumfahrtunternehmen SpaceX schon 2025 die ersten Menschen zum Mars fliegen. Der unbemannte Jungfernflug zog Tausende nach Cape Canaveral und faszinierte Menschen auf der ganzen Welt. Die Falcon Heavy ist kleiner als die Saturn V, aber der größte Kraftprotz, der einsatzbereit für Fernreisen ins All ist. Die Falcon Heavy soll uns in eine ganz neue Ära katapultieren. SpaceX-Gründer Elon Musk hat die Vision, die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies zu machen. Ein Schlüssel zum Erfolg: wiederverwendbare Raketen. Tatsächlich gelingt es, die beiden Booster wenige Minuten nach dem Start punktgenau zu landen. * Musik * Den Touchdown auf dem Mars will SpaceX nach dem gleichen Prinzip
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mit Raketendüsen bewältigen, die das Raumschiff abbremsen. Die Menschen werden mit Sicherheit im August 2048 auf dem Mars landen. Und das hat was damit zu tun, dass dann der Übergang zwischen der Erde zum Mars so günstig wird, dass sich die Preise oder der Preis für den Flug halbieren wird. Das ist 'ne Menge Geld. Wenn ich vorher fliegen würde, würde das doppelt so teuer werden. Und da könnte man sich sagen: Na ja, dann werden es die Menschen eben nicht machen. Der Elon Musk wird sagen: Geld spielt bei mir keine Rolle. Deswegen mach ich's vorher. Ich will nicht ausschließen, dass wir vorher auf dem Mars landen. Aber 2048 ist, wie die Amerikaner sagen, ein "sure hit". Ein Datum, wo es passieren wird. Der Multi-Milliardär Elon Musk möchte den Mars zu unserem zweiten Zuhause machen. Kritiker wenden ein, das Geld könne besser in den Schutz der Erde investiert werden. Im Vergleich zu den wissenschaftlichen Missionen von NASA
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und ESA klingen die Pläne von Musk gigantomanisch: 1000 Raumschiffe und 10.000 Flüge zum Mars. Um eine Zivilisation zu gründen, brauche man eine Million Menschen, die die Reise zum Roten Planeten wagen. Es gebe nur zwei Wege für die Zukunft der Menschheit: Auf der Erde bleiben und eines Tages von einer globalen Katastrophe vernichtet zu werden. Oder eine neue Heimat im All. Wir Menschen sind perfekt an das Leben auf der Erde angepasst. Ist unser Körper für die lange Reise zum Mars überhaupt gerüstet? Mehrere Monate dauert der Flug, eingesperrt in einem kleinen Raumschiff. Fast so lange wie eine Mission von Alexander Gerst auf der geräumigeren ISS. In der Schwerelosigkeit verändern sich Wahrnehmung und Koordination. Das Gehirn gewöhnt sich an die neuen Bewegungsabläufe. Und die Struktur verändert sich. Gegen den Abbau von Muskeln und Knochen hilft Sport. Nur wenig bekannt ist über Gen-Veränderungen und das Krebsrisiko durch die kosmische Strahlung.
21:36
Nach der Landung sind die Astronauten geschwächt. Auf der Erde werden sie versorgt. Auf dem Mars aber müssten sie sich allein mit der Crew dem Planeten stellen. Die dortige Schwerkraft beträgt ein Drittel der Erdgravitation. Eine weiche Landung auf dem Mars ist nicht nur für den Menschen, sondern auch technologisch eine der größten Herausforderungen. Von "sieben Minuten des Schreckens" berichten die Missionsplaner. So lange dauert das Manöver. In dieser Zeit kann das Kontrollzentrum nicht eingreifen. Die Mars-Landung ist für Wissenschaftler und Ingenieure immer sehr spannend. Eines der faszinierendsten Themen ist diese perfekte Choreografie, die man braucht, um erfolgreich auf dem Mars zu landen. Bei dieser ganzen Sequenz des Landens ist es unheimlich wichtig, dass alles aufeinander abgestimmt ist. * Musik * Diese ganze Auslösung von einer Aktion zur nächsten kann höchstens um 'ne Zehntelsekunde anders sein.
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Da halten natürlich alle Ingenieure und Wissenschaftler, die die Daten auf der Erde bekommen, den Atem an. Bei diesem Landemanöver ist das Ziel, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Man muss praktisch von sehr hohen Geschwindigkeiten bis auf null runterkommen, um dann landen zu können. Es dauert nur sieben Minuten vom ersten Berühren der Mars-Atmosphäre bis zur Landung. Die Oberfläche dieses Raumfahrzeugs wird dann sehr heiß. Und zwar so heiß, dass es fast schmilzt. So 2000 Grad Celsius werden erreicht. Das liegt natürlich an diesem Abbremsungsprozess, der der erste Schritt ist, um das Raumfahrzeug zur Landung zu bringen. Der Mars hat eine dünne Atmosphäre. So dass allein dieser Hitzeschild nicht reicht, um das Raumfahrzeug abzubremsen. Der nächste Schritt in diesem Landevorgang ist das weitere Abbremsen durch einen Fallschirm. Die Mars-Atmosphäre erlaubt das ja. Sie ist aber sehr dünn, deswegen brauchen wir riesige Fallschirme.
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* Musik * Selbst mit mehreren Fallschirmen schafft man es nicht, das Raumfahrzeug genügend abzubremsen. Das liegt auch wieder daran, dass die Atmosphäre so dünn ist. Man muss ganz am Schluss dieses Prozesses noch mal Bremsraketen zünden. Es hängt natürlich davon ab, wie groß das Raumschiff ist. Wenn wir jetzt Astronauten an Bord haben, ist es ein großes. Wenn wir Roboter haben, ist es eher ein kleines. Und je nach Größe des Raumschiffs brauchen wir verschiedene Technologien. Es gibt da Technologien, wo man so 'ne Art Kran hat, der von Raketen in der Luft gehalten wird. An dessen unterem Ende dann das Raumfahrzeug runtergelassen wird. Der Rover Curiosity ist mit einem Gewicht von fast einer Tonne der größte Koloss, der erfolgreich auf dem Mars gelandet ist. Seit 2012 kurvt Curiosity, deutsch Neugierde, durch die einsamen Mars-Dünen. Er überstand Staubstürme. Und funkt mit größter Zuverlässigkeit
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seine bahnbrechenden Beobachtungen zurück zur Erde. Rund 20 Kilometer hat er bislang zurückgelegt. Zuckelte mit inzwischen leicht ramponierten Rädern durch eine einstige Seenlandschaft. Fotografierte Flusskiesel, bohrte Löcher und fand alle chemischen Bauelemente des Lebens. Mit seinen Kameras macht er galaktische Selbstporträts und nie zuvor gesehene Panaromen. Für alle Skeptiker: Der Schatten des Selfie-Sticks wird meist rausgerechnet. Curiosity erklomm einen Berghang und ließ den Blick über seinen langen Weg im Gale-Krater schweifen. Für seine Entdeckungen und Impressionen hätte das fahrende Superhirn längst einen Preis für sein Lebenswerk verdient. Zu seinen schönsten Aufnahmen gehört der blaue Sonnenuntergang auf dem Mars. 7. August 1996. Pressekonferenz im Weißen Haus. Es geht um einen vier Milliarden Jahre alten Meteoriten vom Mars, den Wissenschaftler in der Antarktis entdeckt haben. In ALH84001 sollen sich Spuren von Leben verbergen.
27:26
Der damalige US-Präsident Bill Clinton tritt vor die Presse. Astrobiologen haben den Meteoriten unter die Lupe genommen und Strukturen entdeckt, die wie Fossilien aussehen. Geformt wie Eier und gegliederte Würmer. Auch in zwei anderen Marsmeteoriten fanden sich ungewöhnliche Formen. Aber sind das wirklich Lebenspuren? Bis heute wird der Sensationsfund kontrovers diskutiert. Wir haben hier eine Aufnahme, eine Vergrößerung von winzig kleinen Strukturen auf diesem Meteoriten. Eine rasterelektronenmikroskopische Aufnahme ist das. Und hier ist eine wurmartige Struktur. Und solche Strukturen werden von einigen Wissenschaftlern, die den untersucht haben, als Nanobakterien interpretiert. Das wäre also ein Lebewesen. Nun sind Nanobakterien viel kleiner, als die ja ohnehin schon kleinen Mikroorganismen auf der Erde. Und die Existenz von diesen Organismen ist im Moment noch nicht mal für die Erde nachgewiesen. Die Rosetta-Sonde konnte 2016 um den Kometen Tschurumow-Gerassimenko
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organische Moleküle und sogar die Aminosäure Glycin nachweisen. Bausteine des Lebens existieren also im All. Demzufolge besagt die Theorie der Panspermie: Der "Same des Lebens" konnte sich über große Distanzen durch das Universum bewegen und Evolutionsprozesse in Gang setzen. Auf dem Mars wie auf der Erde. Wie genau sich aus chemischen Bausteinen biologische Strukturen bildeten, ist noch immer nicht im Detail geklärt. Konnte sich dieses Wunder auch auf dem Mars abspielen? Wenn ja, wie weit konnte sich Leben dort entwickeln? Wir wissen, dass Mars vor etwa 3,5 Milliarden Jahren warm war. Und der hatte Riesen-Ozeane. Also alle Bedingungen für die Entstehung von Leben waren da. Wir müssen also hinfliegen und nachschauen, Bodenproben nehmen: Gibt es noch diese ersten Bakterien, Urformen von Leben? Und wenn wir die finden sollten, das wäre der Kracher. Doch solche Lebensformen müssten ausgesprochen zäh sein, um mit den Widrigkeiten des Mars fertigzuwerden.
30:18
Wie das Bärtierchen. Es sieht aus wie ein Alien und ist ein wahrer Überlebenskünstler. Die meist weniger als einen halben Millimeter kleinen Achtbeiner kommen zehn Jahre ohne Wasser aus und verkraften extreme Strahlung. Einen zehn-Tage-Trip ins All hat das Bärtierchen schon überstanden. Selbst der 1000-fache Druck der Erdatmosphäre kann dem Super-Tier nichts anhaben. In einer Höhle auf Lanzarote bereitet sich der Astronaut Matthias Maurer auf die Suche nach Leben auf dem Roten Planeten vor. In tiefen Mars-Canyons und Lava-Röhren, wo es vielleicht sogar noch flüssiges Wasser gibt, könnten primitive Lebensformen existieren. Doch wie erkennt man sie? Und was, wenn man sie findet? Man muss auch die Szenarien durchdenken, was ich mache, wenn ich Leben auf dem Mars finde. Dieses Leben könnte eventuell ganz anders gestaltet sein, als das auf der Erde. Und ich muss auch die Erde vor diesen Lebensspuren vom Mars schützen. Erst einmal würde ich vermutlich vor Ort auf dem Mars
31:32
oder auf einer Zwischenstation im Weltraum dieses Leben untersuchen, charakterisieren. Und nur, wenn ich sicher bin, dass keine Gefahr für die Menschheit auf der Erde besteht, dann würde ich diese Spuren auf die Erde bringen. Für Astronauten sind Höhlen ein schwer zugängliches Terrain. Roboter könnten sie erkunden, bevor Menschen sich eines Tages auf dem Mars in den Untergrund wagen. Erste, von Sonden entnommene Bodenproben wollen ESA und NASA schon bald zurück auf die Erde bringen. In der österreichischen Dachsteinhöhle trainiert ein Simulations-Astronaut die Probenentnahme auf dem Mars. Eine Herausforderung, wenn nicht einmal bekannt ist, wonach genau gesucht werden muss. Noch weiß man nicht, ob eine Biologie, die nicht von dieser Welt ist, den gleichen Gesetzen wie auf der Erde folgt. Falls wir auf dem Mars Strukturen finden sollten, die an Leben erinnern, dann müssen wir uns wirklich sicher sein, dass es wirklich von dort ist.
32:40
Und nicht ein biologischer blinder Passagier von der Erde. Wir müssen Technologien und Arbeitsabläufe entwickeln, die uns ermöglichen, zweifelsfrei zu sagen, das ist wirklich ein mikrobieller Ureinwohner. Oder etwas, was ich im Raumanzug mitgetragen habe. Und das ist eine Technologie, die wir noch nicht beherrschen. Ziel dieses Experiments ist es, mögliche Kontaminationswege zu erkennen. Bei der Arbeit könnten Astronauten versehentlich Keime von der Erde auf den Mars einschleppen. Umgekehrt wäre es möglich, dass unerkannte Lebensspuren vom Mars auf die Raumanzüge und in die Stationen gelangen. Als Indikator verwendet der Astrobiologe Grömer unterschiedliche Mikrospherole, winzige Latexkügelchen, die Bakterien simulieren. Und später in den Proben identifiziert werden können. Den Moment zu erleben, in dem auf dem Mars versteinertes oder vielleicht sogar noch existierendes Leben entdeckt wird, ist für Astronauten Traum und Motivation zugleich. Und das wäre eins der herausragendsten
33:47
philosophischen Ereignisse, die man sich nur vorstellen kann, als Menschen. Zu wissen, wir sind nicht allein im Universum. Und das kann uns der Mars vielleicht beantworten. Wie präzise ist eine Mission zum Mars auf der Erde überhaupt planbar? Die Technologien werden vielleicht in naher Zukunft verfügbar sein. Aber wie beherrschbar ist der "Faktor Mensch" Abermillionen Kilometer von der Erde entfernt? Die Gefahren sind immens. Staubstürme, die die Technik lahmlegen. Die Versorgungskette von der Erde könnte zusammenbrechen. Vor allem aber: Verkraftet der Mensch die Einsamkeit? Eine Ahnung von der Isolation auf einem fremden Himmelskörper vermittelt die Eiswüste der Antarktis. Kälte bis minus 80 Grad. Nur im Schutzanzug kann der Mensch sich in diese raue Welt wagen. Auf dem "weißen Mars" lernte Alexander Gerst, was es heißt, auf sich allein gestellt zu sein. Als Vulkanologe forschte er am Mount Erebus und sammelte extreme Expeditionserfahrungen.
35:03
Es gibt Orte in der Antarktis, an denen ich war. Auf der Spitze von 'nem aktiven Vulkan in 4000 Meter Höhe. Wenn da ein Blizzard herrscht. Der kann zwei Wochen lang so stark sein, dass da kein Helikopter landen kann. Selbst bei 'nem schlimmen Notfall ist man zwei Wochen komplett auf sich allein gestellt. Das ist sehr viel isolierter, als wir es auf der Raumstation sind. Das sind wirklich Erfahrungen, die uns helfen, zu verstehen, was wir brauchen auf so 'ner Expedition weiter raus zu unseren Nachbarplaneten. Überwinterung an einem der entlegensten Orte der Welt: Die Concordia-Station liegt 3233 Meter hoch und fast 1000 Kilometer von der nächsten Küste entfernt. Sie ist im antarktischen Winter für etwa neun Monate abgeschnitten von der Außenwelt. Dreieinhalb Monate herrscht Nacht. Nur der Sternenhimmel spendet mystisches Licht. Carmen Possnig hat hier ein ganzes Jahr lang durchgehalten. Als Ärztin hat sie die Folgen der Isolation
36:10
im Hinblick auf künftige Fernreisen im All erforscht. Und an sich selbst erfahren. Die größten Herausforderungen, das ist sicher auch, dass man dort lebt wie ein Astronaut auf einem anderen Planeten es würde. Wir haben diese extreme Umgebung mit Temperaturen bis minus 80 Grad und der monatelangen Dunkelheit. Aber auch das Eingesperrt sein in der Station. Die Isolation und diese Einsamkeit auch. Und trotz dieser Einsamkeit ist man aber nie alleine, man hat kaum Privatsphäre. Nach ein paar Wochen kennt man seine Kollegen sehr genau. Und es gibt keine Geheimnisse dort. Die Natur beeinflusst die Psyche. Beim "Whiteout" verschmelzen Himmel und Eis nahtlos miteinander. Die Überwinternden haben das Gefühl, sich in einem leeren, unendlich ausgedehnten Raum zu befinden. Das hat Störungen der Orientierung und des Gleichgewichts zur Folge. Und starke Angstgefühle. Die Reizarmut trübt das Bewusstsein. Die geistigen Fähigkeiten verschlechtern sich.
37:23
Die Fotos suggerieren Wir-Gefühl und Abenteuerlust. Doch massive Schlafstörungen, emotionaler Stress und Depressionen stellen das Zusammenleben auf die Probe. Ein Härtetest für den Mars. Man muss sich einfach im Klaren sein, dass jede falsche Bewegung, jeder falsche Blick, jedes unabsichtlich falsch gesagte Wort kann missinterpretiert werden von den Leuten. Nach Monaten in dieser Isolation sind viele schon so aufgereizt, dass nur noch ein kleines Erlebnis benötigt wird, dass jemand aus der Fassung gerät. Nur wenige Frauen überwintern auf dem "weißen Mars". Das führt nicht selten zu Turbulenzen und Kurzschlussreaktionen in den überwiegend männlichen Teams. Ein Tabu, über das nur selten gesprochen wird. Wir waren elf Männer auf der Station und zwei Frauen für zehn Monate. Und das war sicher ein Auslöser von Konflikten auch, einfach weil das so unausgeglichen ist. Das ist in der Antarktis leider generell so,
38:38
dass das einfach auf allen Stationen so ist. Man merkt schon mit der Zeit, es wird immer schwieriger, weil in dieser Simulation der Körperkontakt den Leuten fehlt. Und es ist als Frau, würde ich sagen, eine schwierige Situation. Auch das muss bei der Zusammenstellung künftiger Mars-Mannschaften berücksichtigt werden. Alexander Gerst kennt das Gefühl, sich für Monate von der Erde zu verabschieden. Er hat es vor seinen Starts zur Internationalen Raumstation erlebt. Ich glaub, das ist eines der wichtigsten Dinge, dass man sich von diesem Planeten verabschiedet. Dadurch, dass man Erinnerungen speichert. Manche von uns nehmen auch noch mal das Geräusch von den Blättern im Wind auf, um sich das später abzuspielen. Noch wichtigster aber war für ihn der Abschied von Freunden und Familie. Gedanken und Blicke ein letztes Mal zu teilen. * Musik * In der WG im All ersetzt die Crew die Familie. Teamspirit, Humor und ein Spaßmacher an Bord sind beste Garanten
40:06
für das Gelingen einer Mission. Das haben Wissenschaftler auch aus Tagebüchern von Entdeckern gelernt. Astro-Alex wäre für viele der ideale Kandidat für den Trip zum Mars. Der Vorteil, den wir haben, ist natürlich, dass alle Kollegen ausgesucht sind aus 'nem großen Pool von Menschen. Und da sehr Wert draufgelegt wurde, dass man umgänglich ist. Dass man gezeigt hat, dass man auf Expeditionen miteinander auskommen kann. Dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Und dass die große ganze Mission wichtiger ist, als der einzelne Teil davon. Wer werden die Entdecker der Zukunft sein, die sich auf die weiteste Reise der Menschheit begeben und den Gefahren trotzen? Weltweit gibt es Astronauten und Forscher, die bereit wären, das Risiko einzugehen. Ich gehe davon aus, dass derjenige Mensch, der den ersten Schritt auf den Roten Planeten setzen wird, bereits geboren ist. Vielleicht gerade in eine Volksschule in New York, in Hamburg oder in Beijing geht. Wir sind wie die Schiffsbauer,
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die diese wahrscheinlich größte Reise unserer Generation ermöglichen werden. Und davon ein bescheidener Teil sein zu dürfen, ist ein Privileg. Es ist der Blick zurück auf unseren blauen Planeten, der Astronauten am meisten bewegt. Was werden die ersten Mars-Reisenden in ihre Logbücher schreiben? Wir werden komplett die Sicht auf unsere Erde verlieren. Außer 'nem kleinen mini-blauen Punkt am Firmament. Dieses Foto, ein Schnappschuss des Mars-Rovers Curiosity, zeigt die Erde als winziges Licht im schwarzen All. Ich denke, das ist zum einen Teil so ein bisschen angsteinjagend. Wenn man sich das vorstellt, dass man plötzlich nicht mehr diesen Heimatplaneten hat, auf den man sich retten kann, wenn mal was schief geht, wie's bei uns ist auf der Raumstation. Und zum anderen ist es das Selbstverständnis, das wir dabei gewinnen, wenn wir statt 'nem blauen Punkt auch irgendwann mal keinen Punkt mehr sehen.
42:47
Wir wissen, es ist jetzt nichts mehr da, was wir kennen. Wir sind komplett da draußen in einem neuen Land. Ich freue mich drauf und hoffe sehr, dass ich es miterleben werde, wie das sein wird, wenn die ersten Entdecker vom Mars zurückkommen. Wenn die wieder zurückkommen und das mit uns teilen, was sie da gesehen haben. Ich freue mich sehr drauf. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019

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