Dupré Digital: Dupré – der Impressionist (Episode 2 – Subtitles in English, French and German)

Dupré Digital: Dupré – der Impressionist (Episode 2 – Subtitles in English, French and German)

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Language: German

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Vier Jahre später konnte mein Vater das Haus Nr. 12 in der Rue du Vert-Buisson kaufen, dessen Mieter mein Großvater war Daraufhin wurde ein Musikzimmer erbaut; mein Großvater hatte nicht gezögert, einen Teil seines Gartens dafür herzugeben. Zur Einweihung des Musikzimmers hatte mein Vater eine Gruppe von Sänger*innen gebildet und mit ihnen geübt; aufgeführt wurde die Grals-Szene aus dem ersten Akt des „Parsifals“. Musik bestimmte das Lebensumfeld Marcel Duprés von Kindesbeinen an. Sein Vater, Albert Dupré, war Schüler von Alexandre Guilmant, unterrichtete als Musiklehrer am Lycée Corneille und war Organist an Saint-Ouen in Rouen. Seine Mutter, Alice Chauvière, war Pianistin und Cellistin. Guilmant wurde zum engen Freund der Familie und war Trauzeuge von Marcels Eltern. So kam es auch, dass Marcel in jungen Jahren Orgelunterricht bei ihm nahm. Bei den bereits erwähnten Umbauarbeiten im Haus Nr. 12 in der Rue du Vert-Buisson sollte es nicht bleiben. Das zu kleingewordene Musikzimmer musste schon bald einem größeren Saal weichen.
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Albert Dupré beauftragte Cavaillé-Coll mit dem Bau einer Orgel mit 11 Registern, die heute noch als Chororgel in der Kathedrale von Rouen zu hören ist. Albert hegte schon lange den Wunsch, einen Chor zu gründen. Doch das war schwieriger als gedacht: Kaum war das neue Musikzimmer fertiggestellt, begann Albert mit dem Aufbau seiner Chorgemeinschaft. Damit waren große Schwierigkeiten verbunden: In jenen Tagen waren Amateursänger in der Regel von Juli bis Oktober, den traditionellen Urlaubswochen, nicht verfügbar. In den Wintermonaten war es kaum besser, da gesellschaftliche und familiäre Verpflichtungen absolute Priorität hatten. An regelmäßiges Proben war nicht zu denken. Es war undenkbar, Chorproben den Vorrang vor sozialen Verpflichtungen haben sollten. Weitere Hindernisse ergaben sich durch saisonbedingte formelle Einladungen nach Neujahr, die den Großteil von Januar und Februar beanspruchten. Hinzukamen Einladungen zum Tee, die in Frankreich gerade in Mode kamen. Außerdem konnten sich weder männliche Sänger, vor allem Geschäftsleute und Berufstätige,
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nicht von ihren Bürozeiten befreien, um nachmittags zum Proben zu gehen, noch konnten junge Damen aus gutem Hause nachts ohne Begleitung ausgehen. Selbst in Paris, das sich dreier Symphonieorchester rühmte, hatten die sozialen Zwänge des französischen Bürgertums einen Mangel an guten Chören hinterlassen. Trotz aller Widrigkeiten gelang es Albert einen Chor zu gründen, der schnell auf 100 Sängerinnen und Sänger anwuchs. Das Ensemble mit dem klangvollen Namen "L'Accord parfait" leitete er von 1897 an für 34 Jahre. Später gesellte sich noch ein Orchester mit rund 60 Mitgliedern dazu. Es dauerte nicht lange, da platzte der Musiksaal aus allen Nähten und musste erneut erweitert werden, wofür auch noch das letzte Stückchen Garten geopfert wurde. Der Chor führte die großen Meisterwerke der Chormusik auf, wie Händels "Messias", Berlioz' "L'Enfance du Christ", Bachs Passionen oder Brahms' "Deutsches Requiem". Der kleine Marcel war immer mit von der Partie und man kann sich gut vorstellen,
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wie er diese Welt mit allen Sinnen erkundete. Chorischen Privatinitiativen waren zur damaligen Zeit keine Seltenheit. Es gab eine ganze Reihe von sehr professionell arbeitenden Ensembles. Also Orchester mit Chor, die im privaten Rahmen Wagner aufgeführt haben. Wer Musik hören wollte, und nicht ins Theater gehen konnte, musste sie selber machen. Die Leute hatten außerdem eine sehr viel bessere musikalische Ausbildung als später. Es gab sehr viele, die Klavier spielen konnten, und in der Lage waren, sich durch den Klavierauszug einer Wagner-Oper durchzubustabieren, oder irgendwann mal Gesangsunterricht hatten und ihre Stimme einigermaßen führen konnten. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt ist Richard Wagner. An ihm schieden sich die Geister. Die einen hatten die französischen Nummern-Opern satt und freuten sich über Wagners neuen Ansatz.
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Komponisten wie Meyerbeer hingegen kritisierten seine "musique de l'avenir", seine Zukunftsmusik. Es entstand ein regelrechter Kampf zwischen Kritikern und Fürsprechern, der in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurde. Konzerte mit Wagners Musik wurden regelmäßig von "Schreien und Diskussionen" begleitet, die (Zitat) "immer in Tätlichkeiten auszuarten drohten". Legendär ist mittlerweile die skandalöse Pariser Erstaufführung seiner Oper "Tannhäuser". Widor und Saint-Saëns schätzen seine Musik, aber auch Literaten wie Baudelaire. Gerade Baudelaire schrieb über Wagner, dass er nicht nur Musiker, sondern ebenso ein Dichter war. Ähnlich formulierte es Jahre später Marcel Dupré, der selbst ein leidenschaftlicher Wagnerianer war und eine der seltenen Toscanini- Aufführungen in Bayreuth erlebte: Wagner vereinigt in sich alle rhythmischen Künste und Epochen. In ihm findet man den Dramatiker, der wie bei den Griechen die Souveränität der inneren Handlung beherrscht; den Dichter, mit germanischen Wurzeln, durch die Benutzung der Alliteration; den Musiker, mittels Bachscher Symbolsprache und von Beethoven inspiriert, um den Instrumenten ihre menschliche Seele zu geben
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den Maler der Renaissance, durch die Sinnhaftigkeit der Geste. Sein Gesang drückt alle Gefühle aus: in "Tannhäuser" und die "Meister[singer]" die Liebe zur Musik, zur Sprache und zur Heimat; im "Tristan": Schmerz und Liebe. Er erschließt uns das Jenseits in "Lohengrin" und "Parsifal" und entführt uns aus der Welt in das gigantische Menschheitsepos des Rings. Wir können ihm nur danken und uns schweigend verneigen. Und was macht es schon aus, wenn er die Tür hinter sich geschlossen hat. Im Hause Dupré trieb die Wagner- Verehrung gar kuriose Blüten. Können Sie sich eine Wagner-Oper als Marionettentheater vorstellen? Mein Großvater Aimable Dupré hatte, um seinen Kindern eine Freude zu machen, ein kleines Marionettentheater gebaut, auf dem Marionetten "Dornröschen" spielten. Mein Vater hatte ebenfalls die Idee eines zu bauen. Er begann mit der Arbeit während der Ferien, mit der Burg für den zweiten Akt des "Lohengrin". Da wir noch keinen elektrischen Strom hatten, wurde all die bezaubernden Lichteffekte durch Gas mit Hilfe verschiedenfarbiger Gläser erzielt.
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Die Figuren unseres Theaters, vorzüglich geschnitzt, waren reizend. Mit kindlicher Freude verfolgte ich alle diese Arbeiten, die mich mit Staunen erfüllten. Leider wurde es im zweiten Weltkrieg geplündert, – uns bleibt nichts mehr als Spuren von diesem lieben kleinen Theater. Das Marionettentheater wurde zwar im zweiten Weltkrieg geplündert. Überreste liegen aber noch in der Villa Meudon auf dem Speicher und warten auf einen liebevollen Restaurator. Sie sehen also, zu einer Säule der Wagner-Pflege wurden unter anderem auch die privaten Salons. Glaubt man den Zeitungsartikeln jener Zeit, muss das Niveau der von privater Hand initiierten Chöre überragend gewesen sein. So wurde auch "L'Accord parfait" mehrmals aus der Provinz zu Konzerten nach Paris eingeladen. Je nach räumlicher und personeller Infrastruktur musste die Originalbesetzung entsprechend angepasst werden. Die Leute waren ganz sicher insgesamt weniger anspruchsvoll. Auch deswegen, weil sie keine Vergleichsmöglichkeiten hatten. Es gab dieses wandernde Wagner-Theater von Angelo Neumann.
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Natürlich haben die dann mit kleinen Besetzungen gearbeitet. Dass haben sie bei großen Meyerbeer-Opern auch getan. Andererseits muss man sagen, es gab Ensembles, die mit Amateuren, zumindest mit einem Amateurorchester arbeiteten. Und nach den Berichten die man findet, muss das bemerkenswert gewesen sein. Und die Kritiker, die das in Paris gesehen haben, waren in vielen Fällen im Jahr vorher oder im selben Jahr bei den Bayreuther Festspielen. Das heißt, die hatten schon ein bisschen Vergleichsmöglichkeiten. Am Pariser Konservatorium durfte Wagners Musik übrigens erst ab 1905 unterrichtet werden. Zwei Jahre später wurde Dupré Student in der Kompositionsklasse von Charles-Marie Widor. Widor wurde zum väterlichen Freund und Mentor Duprés, dem er viele Karrieresprünge verdankte. Das Hauptziel der Kompositionsklasse war es, angehende Komponistinnen und Komponisten auf den "Prix de Rome" vorzubereiten, eine Art "Grammy" für französische Komponisten.
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Dem Gewinner des Preises winkten ein großzügiges Stipendium und ein dreijähriger Aufenthalt in der "Villa Medici" in Rom. Da das Wettbewerbsthema meist ein dramatisches Sujet beinhaltete, konzentrierte sich Widor gezwungenermaßen auf die Vermittlung von opernhaften Kompositionstechniken. Mit einer gewissen Hartnäckigkeit ermunterte er Dupré sich der Herausforderung des "Prix de Rome" zu stellen. Dupré fiel es anfänglich schwer, sich mit dem Gedanken einer opernhaften Komposition anzufreunden. Er empfand, dass Richard Wagner auf dem Gebiet bereits alles gesagt hatte. Nach zwei missglückten Anläufen, gewann er schließlich 1914 den begehrten Preis mit seiner Kantate "Psyche". Den Aufenthalt in Rom konnte Dupré aber wegen des kurz darauf einsetzenden Ersten Weltkrieges nicht mehr antreten. "Soir sur la plaine" schrieb Dupré als Wettbewerbsstück für den "Prix de Rome" im Jahr vor seinem großen Erfolg. Die lyrischen Zeilen, die Sie im Original und in Übersetzungen auf unserer Website nachlesen können,
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verfasste Albert Samain, der im Hauptberuf eigentlich Verwaltungsangestellter war. Er war Vertreter des Symbolismus. Der Symbolismus schafft im Gegensatz zum Realismus eine Welt der Schönheit und der ideellen und ästhetischen Vollkommenheit. Die Thematik der Gedichte ist oft eine Reaktion auf die Veränderungen in der Welt. Die Gedichte schaffen geistige Rückzugsorte und öffnen Sehnsuchtsräume: Das Phänomen Großstadt ist ja ein relativ junges Phänomen. Die Leute fühlen sich entwurzelt und die sozialen Kontakte werden schwieriger. Und so eine Sehnsucht nach Natur, wie schon in dem Gedicht "La Source" von Leconte de Lisle, das ist ja ein Wunschbild. Die Pariser haben das in der Regel nicht. Die Sonntagsausflüge gehen in die Banlieues, in die Vororte; da findet man vielleicht mal etwas Gras wo man sich niederlassen und picknicken kann.
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Aber das ist nicht die Natur. Die ist zu weit, als dass man dort am Sonntag hinkäme. In der Literatur dieser Zeit finden sich zahlreiche mythologische Anklänge. Ganz im Zeichen von Naturwesen steht das poetische Drama "Polyphème" von Albert Samain. Darin geht es um Polyphem, der nach der griechischen Mythologie der älteste Zyklop und Sohn Poseidons ist. Das Drama erzählt die bekannte Geschichte des Versuchs von Polyphem, Galatea von Acis zu rauben. Jean Cras vertonte das ganze Libretto in seiner gleichnamigen Oper. Marcel Dupré greift aus dem Libretto nur einen kleinen Teil für seine Komposition heraus und betitelte sie mit "Crépuscule" – Abenddämmerung. In der Szene, die im Original für Frauenchor und Orchester geschrieben ist, geht es um Nymphen, die am Übergang zwischen Tag und Nacht ihre Spiele treiben, bevor sie zur Ruhe kommen. Episode 3 online ab 27. Juni 2021.

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