Erwin Rommel – welche Rolle spielte er in der NS-Zeit? | Terra X

Erwin Rommel – welche Rolle spielte er in der NS-Zeit? | Terra X

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Language: German

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Erwin Rommel. Er war Hitlers Lieblingsgeneral, Kriegsheld in Afrika, populärster Star der Nazi-Propaganda. Wusste er vom geplanten Attentat auf Hitler? Oder war er, wie so viele, ein Karriere-Soldat, der seine Pflicht erfüllen wollte? Nach ihm sind bundesweit ein Dutzend Straßen und zwei Kasernen der Bundeswehr benannt. Bei den einen genießt er bis heute hohes Ansehen. Für andere war er verstrickt in einen mörderischen Krieg. Erwin Rommel ist umstritten. Wer war er wirklich? Es gibt keinen General, über den schon während der Zeit des Zweiten Weltkriegs mehr geschrieben, mehr gesprochen worden ist als Rommel, er war in aller Munde, damals schon. Bei Freund und Feind. Er war ein Symbol für diesen Krieg aus unterschiedlichen Perspektiven. Und wenn wir uns heute ihm nähern, dann liegen da unendlich viele Schichten über dem wahren Rommel, so möchte ich es mal sagen. Der so oft zitierte Mythos um Rommel, er entsteht hier, in Libyen. Es ist damals italienische Kolonie.
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Doch die Italiener sind 1941 dabei, Libyen an die Briten zu verlieren. Im Februar 1941 geht Rommel mit einer Panzerdivision in Tripolis an Land. Er hatte dort eigentlich einen Verteidigungsauftrag. Hitler macht sich Sorgen, dass die Italiener nach einer Niederlage in Nordafrika aus dem Bündnis ausscheiden könnten. Es ist also ein eng begrenzter Einsatz eines relativ rangniederen, wenn auch fähigen Generals, um sicher zu stellen, dass genau das nicht passiert. Also ein ebenso politischer wie militärischer Einsatz. Seinen verwegensten Panzergeneral werde er ihm schicken, hatte Hitler zu Mussolini gesagt. Dieser Ausspruch Hitlers vom verwegenen Panzergeneral, der rührt aus dem Frankreichfeldzug 1940 her, weil Rommel da mit seiner Panzerdivision sehr unkonventionell vorgegangen ist. Sehr risikobereit, aber auch sehr opferbereit. Das hat Hitler imponiert.
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Damit hat Rommel auch seine großen Erfolge erzielt und damit hat er sich seine große Position bei Hitler sozusagen erkämpft. Bei seiner neuen Aufgabe in Afrika denkt Rommel gar nicht daran, sich auf Flankenhilfe für die Italiener zu beschränken. Er will ganz Libyen zurück erobern und greift an. Damit seine kleine Streitmacht größer wirkt, lässt er alle Fahrzeuge kräftig Staub aufwirbeln. Nach Hitlers Vorstellungen sollen deutsche Panzer in einer Zangenbewegung vorstoßen. Rommels Afrikakorps durch Nordafrika, andere Verbände durch den Kaukasus zu den Ölfeldern, bis nach Palästina. Im britischen Mandatsgebiet leben 60 000 Juden, die aus Deutschland geflohen sind. Nun droht sie selbst hier der NS-Terror einzuholen. Das Bild mit der Zange, dass sich die Zange schließen würde. Das ist eine panische, schreckliche Angst gewesen, eine konkrete Furcht. Man hat es ja schon erlebt, das war keine unbekannte Märchen- oder Wahnsinns-Vorstellung. Nein, man kannte es ja schon.
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April 1941. In wenigen Wochen hat Rommels Afrika- Korps die Briten fast 1000 km nach Osten getrieben – und nähert sich Tobruk am Mittelmeer. Diese Animation zeigt das Gelände um Tobruk aus der Perspektive der deutschen Angreifer: Es ist eine felsige Wüstenlandschaft, scheinbar nicht verteidigt. Tatsächlich verbirgt sich in der Geröllwüste die stärkste Festung Nordafrikas, mit tief gestaffelten Panzergräben, Drahthindernissen, Minenfeldern, Kampfständen, Bunkeranlagen – von Italienern einst so angelegt, dass sie für den Angreifer unsichtbar bleiben, bis er direkt vor der Hafenstadt steht. Rommel ist überrascht. Er ist kein Stratege. Doch vor Tobruk wird er seinem Ruf als Draufgänger gerecht.
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Rommel ließ sofort angreifen. Mit großen Verlusten. Ich fand das übereilt. Ohne richtige Planung und ohne wirkliche Aufklärung. Doch immer wieder befiehlt er neue Angriffe. In den ersten beiden Tagen verliert Rommel über 1200 Mann. Nimmt er den Tod seiner Männer rücksichtslos in Kauf? Über die hohen Verluste und einen scheinbar „wildgewordenen General“ sprechen später in britischer Gefangenschaft einige Offiziere und Generäle Klartext. Zum Beispiel General Erwin Menny: Rommel ist persönlich ein Mordskerl. Aber vom Strategen keine Spur. Er ist noch nicht einmal ein Taktiker. Er kann überhaupt nicht führen. Sönke Neitzel hat die jahrzehntelang unveröffentlichten Gesprächsprotokolle entdeckt. Diese Äußerungen über Rommel richten sozusagen den Scheinwerfer auf eine Seite, die die Propaganda natürlich nicht dargestellt hat, die auch die Memoiren nach dem Krieg nicht dargestellt haben. Das ist eine Seite von Rommel, also ein Mann, der nicht wie ein moderner Generalstabsoffizier agiert, sondern wie eine Art altgermanischer Heerführer.
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Und das macht die Generalstabsoffiziere wahnsinnig. Sie sagen, so kann man keinen modernen Krieg führen. Ein Mann, der Risiken eingeht, die man nicht unbedingt eingehen muss. Also das gehört zu diesem Gesamtbild Rommel dazu. Im Juni 1942 will es Rommel noch einmal wissen und greift erneut Tobruk an. Diesmal gelingt es, die Stadt wird erobert. Der Sieg in Afrika scheint unmittelbar bevorzustehen, Ende Juni 1942… In Berlin wird die gewonnene Schlacht groß in Szene gesetzt. Propagandaminister Goebbels lässt Rommel in den Sportpalast einziehen wie einen siegreichen Gladiator. Er ist ein Medienprofi, beherrscht die Grammatik der Propaganda, genießt das Rampenlicht und ist es nur allzu gerne: Hitlers Lieblingsgeneral. Rund 1500 Kilometer hat Rommel die Briten im Verlauf von anderthalb Jahren zurückgedrängt.
07:35
Von Tripolis in Libyen bis zu einer kleinen ägyptischen Bahnstation im Nirgendwo. El Alamein. Hier baut die britische Armee ihre letzte Verteidigungsstellung auf. Ein Minen- Riegel, der Rommel den Durchbruch zum Suez- Kanal versperren soll. Rommels Truppen sind ausgelaugt, als sie El Alamein erreichen. Nachschub kommt nicht mehr. Vor allem: Die Briten haben den deutschen Funkcode geknackt. Rommel kann seine Gegner nicht mehr überraschen. Er hatte immer wieder Kaninchen aus dem Hut gezaubert und er konnte das, weil er bestimmte fast magische Vorteile in der Aufklärung hatte. Nun hat er keine Kaninchen mehr die er aus dem Hut zaubern kann. Am 23. Oktober 1942 beginnt die Entscheidungsschlacht von El Alamein. Mit dreifacher Überlegenheit greift die britische 8. Armee pausenlos an.
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Nach 10 Tagen Schlacht will Rommel die Konsequenzen ziehen: Rückzug. Doch dieses Wort kommt in Hitlers Vokabular nicht vor. Er lehnt ab und befiehlt: Ihrer Truppe aber können sie keinen anderen Weg zeigen als den zum Siege oder zum Tode. Rommel ist schockiert. Er zögert. Dann widersetzt er sich dem Befehl des Diktators und befiehlt eigenmächtig den Rückzug. Die ganze Strecke zurück, die sie gekommen waren – und noch weiter, bis nach Tunesien. So gehen im Mai 1943 130000 deutsche Soldaten bei Tunis in alliierte Gefangenschaft. Rommel ist nicht mit dabei. Hitler hatte ihn schon Monate zuvor zurückbeordert. Kairo und Ägypten bleiben in britischer Hand. Mit Rommels Niederlage weicht auch in Palästina die Angst – die Nazis ziehen ab.
10:00
Ein Aufatmen, als wenn man es hören würde das Aufatmen. Und es gab Gottesdienste, man ging wieder hinaus auf die Straßen, man war wieder normal, man lebte ja nicht mehr normal. Man fing an wieder aufzuatmen, und das erste Kind wurde geboren. Es gab keine Kinder. Das hat sich mir eingeprägt: Ein El-Alamein-Baby. Frühjahr 1944, die Küste der Normandie. Trotz des Rückzugs in Afrika geniesst Rommel weiterhin das Vertrauen Hitlers. Er ist jetzt zuständig für die deutsche Verteidigung gegen eine alliierte Landung. Am 6.Juni 1944 ist es soweit. Am D-Day landen alliierte Truppen in der Normandie. Nach wenigen Tagen ist klar: Diese Schlacht ist für die Wehrmacht verloren - und damit auch der Krieg im Westen. Das weiß Rommel besser als die meisten anderen. Er erkennt, der Krieg ist verloren und dass nur kämpfen reicht nicht aus. Er müsste eigentlich politisch handeln. Das ist aber nicht vorgesehen im System. Und dieser Konflikt ist der schlimmste Konflikt, in den eigentlich ein deutscher General kommen kann. Wie wird er sich entscheiden?
11:13
Am 15. Juli 1944 entwerfen Rommel und sein Stabschef Hans Speidel, der zum Widerstand gehört, ein Schreiben an Hitler. Darin heißt es: Der ungleiche Kampf neigt sich dem Ende entgegen. Es ist m.E. nötig, die Folgerungen aus dieser Lage zu ziehen. Hitler schriftlich aufzufordern, den Krieg zu beenden, das hat noch kein anderer deutscher General gewagt. Man kann es auch als ein Ultimatum auffassen. Entweder handelt Hitler, zieht die Konsequenzen, die politischen Konsequenzen aus der militärischen Lage, und wenn er das nicht tut, dann muss gehandelt werden über ihn hinweg. Am 17. Juli 1944 besucht Rommel verschiedene seiner Frontkommandeure, einer von ihnen ist Panzer-General Heinrich Eberbach. In britischer Gefangenschaft wird Eberbach später über den Inhalt des Gesprächs berichten: Rommel sagte zu mir draußen an der Front: „Es gibt gar keine andere Möglichkeit mehr, mit Deutschland noch irgendwie vernünftig durchzukommen, als dass wir den Führer und seine engste Sippschaft möglichst schnell umbringen.
12:34
Dieses Dokument bietet doch eigentlich ein sehr starkes Indiz, keinen Beweis, aber ein sehr starkes Indiz dafür, dass Rommel mit Eberbach sehr offen gesprochen hat. Und dass Rommel bereit war, den Tod Hitlers zu akzeptieren in dieser Situation, oder er ihn sich sogar herbei gewünscht hat. Ein Dokument, das unter Historikern für Zündstoff sorgt. Aus meiner Sicht widerspricht dieses Dokument allem, was wir über Rommel wissen. Es passt nicht zu seinem Charakter, es passt nicht zu seiner Bindung an Hitler, und es passt auch nicht in die konkrete Situation des Juni/Juli 1944. Ich glaube schon, dass dieses Dokument zu Rommel passt, denn Rommel ist keine statische Person. Es ist ein Prozess, den er in diesem Krieg durchmacht und die Normandie wird für ihn zum Schlüsselerlebnis. Und am Ende dieses Schlüsselerlebnisses steht eben dieses Gespräch mit Eberbach.
13:45
Auf dem Rückweg wird Rommel im Wagen angegriffen, von alliierten Jagdfliegern. Er wird schwer verwundet überleben. Es ist das Ende seiner Karriere – als Soldat und im Widerstand. Von allem, was wir von Rommel wissen, wäre Rommel bereit gewesen, in letzter Konsequenz einen Waffenstillstand im Westen zu schließen. Die Front im Westen zu öffnen und damit letztlich den Krieg zu beenden. Am 20. Juli 1944 scheitert das Attentat auf Hitler. Auch Rommels Name fällt offenbar mehrfach bei den Verhören der Verschwörer durch die Gestapo. Kommt auch Rommel vor den Volksgerichtshof und wird zum Tode verurteilt? Dann hätte Hitler zugeben müssen, dass der im Volk beliebteste Generalfeldmarschall beteiligt gewesen wäre an der Verschwörung gegen ihn. Und welche Dimension hätte das, wenn ein so populärer Mann wie Erwin Rommel plötzlich in einer Verschwörung gegen Hitler beteiligt gewesen wäre.
15:05
Rommel soll anders beseitigt werden. Mitte September `44 kommt der sogenannte „Ehrenhof“ der Wehrmacht zusammen. Das Gremium soll verdächtige Offiziere aus der Wehrmacht ausschließen, was einem Todesurteil gleichkommt. Diesmal geht es auch um Rommels Schicksal, und die Entscheidung fällt eindeutig aus – gegen Rommel! Es gab in dieser Entscheidung des Ehrenhofes nur ein Entweder-Oder, das ist für Rommel de facto das Todesurteil gewesen. Das heißt, er musste aus der Sicht Hitlers und seiner Komplizen am 20. Juli beteiligt sein, das ist der zwingende Schluss. Am 14. Oktober 1944 kommen die Todesboten nach Herrlingen – zu Rommels Wohnhaus. Sie stellen ihn vor eine Wahl, die keine ist: Entweder Volksgerichtshof und Sippenhaft für die Familie, oder Selbstmord und ein Staatsbegräbnis. Keine Stunde später ist Rommel tot - durch eine Giftkapsel. Auf einer Anhöhe vor seinem Heimatort Herrlingen. Was er vom Attentat auf Hitler wirklich wusste: Dieses Geheimnis hat er wohl mit ins Grab genommen.
16:19
Karrieresoldat in einem mörderischen Krieg der Nazis oder Widerständler? Wahrscheinlich war er beides. Der Streitfall Rommel bleibt ungelöst. Lust auf mehr Geschichte? Dann abonniert unseren Kanal!

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