Dupré Digital: Dupré – der Liedkomponist (Episode 3 – Subtitles in English, French and German)

Dupré Digital: Dupré – der Liedkomponist (Episode 3 – Subtitles in English, French and German)

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Language: German

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Ich finde diese Lieder unglaublich gefällig. Beim ersten Mal durchspielen ist man begeistert von melodischen Bögen, von Harmonien, sie sind sehr ansprechend, es ist keine schwerverständliche sie sind sehr ansprechend, es ist für mich keine schwer verständliche oder verdauliche Musik Ein Genuss an harmonischen Finessen und schönen melodischen Linien. Marcel Dupré hinterließ zwei Liedersammlungen: „Quatre mélodies“ und „A l’amie perdue“. Heute steht die frühere Sammlung „À l’amie perdue“ im Mittelpunkt , die uns von zwei Nachwuchsmusikerinnen nahegebracht wird, die Sie bereits zu Beginn gehört haben: Ayako Imoto und Ramona Laxy. Um Duprés Lieder besser in den zeitlichen Kontext einzuordnen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des Französischen Liedes: Zunächst gab es um 1800 herum die „Romance“. Die „Romance“ kam aus der „Opéra-comique“ und zeichnete sich durch eine relativ große Schlichtheit aus. Das änderte sich das erste Mal als Mitte der 1830er Jahre
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das Schubert-Lied in Frankreich bekannt wurde. Dadurch erhielt die Klavierbegleitung einen höheren Stellenwert, ist geschickter gemacht und muss nicht aus den immergleichen Strophen bestehen sondern kann auch durchkomponiert sein. Und auch die Harmonik wird subtiler. Diese neue Art zu schreiben nannte sich dann „Mélodie“. Einen weiteren Entwicklungsschub erhielt diese Art von Gesang durch Richard Wagner. Vieles was musikalisch wichtig ist, wird ins Klavier gelegt und nicht mehr in die Gesangsstimme. Das Klavier ist im Grunde wie eine Orchesterbegleitung. Die wachsende Aufmerksamkeit für ausgefeilte Klavierbegleitung kam Dupré entgegen, denn so konnte nicht nur als Komponist sondern auch als Pianist glänzen. Dupré wäre ohne Weiteres eine Karriere als Konzertpianist offen gestanden.
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1905 gewann er in der Klavierklasse von Louis Diémer den Ersten Preis. Sein Klavierprofessor war betrübt, dass er dem jungen Dupré die Flausen vom Organistensein nicht ausreden konnte und prophezeite ihm, eine Zukunft als Clochard. Später erzählte Dupré schmunzelnd diese Anekdote einer Studentin und zeigte dabei auf seine Villa in Meudon mit den Worten „Schauen Sie, was für ein Clochard aus mir geworden ist“. Ein Jahr nach seinem Premier Prix im Fach Klavier hätte seine Karriere fast ein jähes Ende gefunden: Im Januar 1906 wurde ich das Opfer eines Unfalls, der meine Virtuosenlaufbahn beinahe für immer ruiniert hätte. Ich stolperte im Haus und durchschlug mit der rechten Hand eine Glastüre. Mit aufgeschnittener Pulsader, während mein Blut strömte, lief ich wie um mein Leben zum Apotheker, der mich sofort zum Arzt schickte. Dieser zeigte mit der Spitz eseiner Feder auf einen Nerv und sagte: „Sehen Sie dieses kleine Fädchen? Es ist der Nervus medianus. Er ist unversehrt. Wäre er durchschnitten worden, dann hätten Sie mir drei herabhängenden Fingern hier gestanden, die für immer gelähmt wären.
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Sie haben ungewöhnliches Glück gehabt.“ Dupré machte zwar Karriere als Organist, verlor das Klavier aber nie ganz aus den Augen. Bei seltenen Gelegenheiten taucht er als Pianist bei Konzerten auf. Zwischen 1912 und 1924 entstand eine Reihe von Klavierwerken. „Cortège et Litanie“ beispielsweise, eines seiner berühmtesten Orgelstücke, ist ursprünglich ein Klavierstück. Auch bei seinen Orgelstudenten achtete er auf eine solide Basis am Klavier. Ein ausgezeichneter Organist ohne ausgereifte Klaviertechnik war für ihn undenkbar. Die Sängerausbildung fokussierte sich in Frankreich lange Zeit auf die Oper. Große Stimmen waren gefragt, die ein ganzes Opernhaus füllen konnten. Der klassische Ort für Liederabende waren die Pariser Salons, Vielen Sängern fiel es schwer, sich mit ihren großen Stimmen auf das kammermusikalische Setting einzulassen. Dies blieb nicht unbemerkt... Das wurde immer wieder von Kritikern und auch Komponisten moniert,
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dass Opernsänger, die auf einmal Lieder singen mussten, gar nicht die Feinheiten der Sprache zum Ausdruck bringen konnten und alles zu stark machen würden. Es mussten erst bestimmte Sänger und Sängerinnen heranwachsen, die dann schlankere Stimmen hatten. Das mussten nicht unbedingt immer professionelle Sänger sein. Das war sogar manchmal von Vorteil, wenn diese Sänger dann auf andere Aspekte des Gesangs, wie beispielsweise Diktion, Wert legten. „A l’amie perdue“ – "An den verlorenen Freund" Die Sammlung von Sonetten von Auguste Angellier enthält so viel romantische Tragik wie es der Titel verspricht. Viele Jahre lang schrieben sich Angellier und seine verlorene und vor allem verheiratete Freundin Thérèse Fontaine heimlich Liebesbriefe. In den 2500 Briefen der beiden geht es um glühende Liebesschwüre, aber auch um ganz alltägliche Dinge.
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Um ihre geheime Verbindung nicht auffliegen zu lassen, chiffrierten sie ihre Briefe. Es gibt eine ganze Reihe von Techniken, um Sprache so zu chiffrieren, dass es ein Nicht-Fachmann nicht auflösen kann. Eine ganz einfache Methode ist, wenn die beiden Briefpartner das gleiche Wörterbuch und auch die gleiche Auflage haben, das ist ganz wesentlich, dann zählt er von dem Wort, das er schreiben will, beispielsweise fünf Wörter weiter und nimmt das Wort, das dort steht. Auf diese Weise kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Unsinnstext zustande. Aber für den Empfänger ist das ganz einfach. Der nimmt diesen chiffrierten Text, schlägt wieder im Wörterbuch nach, und zählt dann eben fünf Wörter nach oben. So erhält er sehr bald den Klartext. Man kann sich vorstellen, dass die beiden so etwas ähnliches gemacht haben. Die Geliebte Thérèse trennte sich später von ihrem Mann, eine Scheidung war jedoch vor allem für Frauen in der damaligen Gesellschaft nicht denkbar.
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Sie sorgte sich darum, ihre Kinder zu verlieren: weshalb die Liebe zu Angellier weiterhin ein Geheimnis bleiben musste. Beide trafen sich nur in größter Diskretion in Belgien, an der Opalküste, in der Normandie oder in Paris. Ich weiß nicht, wie Thérèse Fontaine darauf reagierte, als Angellier 1896 Auszüge der Korrespondenz unter dem Titel „À l’amie perdue“ veröffentlichte. Sie hatte ihn sogar nachweislich darum gebeten, die Briefe zu verbrennen. Doch ihm schien seine Rezeption als Dichter wichtiger gewesen zu sein. Vor seinem Tod 1911 ließ er verfügen, dass der Briefwechsel ab den 1980er Jahren Forschern zur Verfügung gestellt werden sollte. Zweifellos war er sich bewusst, dass diese Geschichte ein besonderes Licht auf sein Vermächtnis werfen würde. Ob Angellier von Duprés Vertonung wusste, ist nicht bekannt. Vermutlich hätte er sich geschmeichelt gefühlt. Doch nicht alle Autoren jener Zeit suchten diese Form von Öffentlichkeit: Die Texte waren sprachlich so verfeinert,
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dass die Dichter das Gefühl hatten, eine Vertonung wäre gar nicht mehr nötig. Der Text ist schon Musik. Es gab auch Dichter, die ausdrücklich nicht vertont werden wollten. Das führte bei den Komponisten natürlich dazu, dass man sich Gedanken machen musste, was man den Dichtern anbieten könnte? Die Musik sollte dort ansetzen wo das Wort aufhört. Der Gesang ist im Grunde nur der Träger des Inhaltes. Die Rhythmen sind der gesprochenen Sprache angepasst, und die Klavierbegleitung hat die Aufgabe, Stimmung zu schaffen und im nebulös-unbestimmten zu bleiben. Ob die Lieder nun von weiblichen oder männlichen Stimmen aufgeführt werden sollen, gibt Dupré nicht an. Er schreibt schlicht „für Stimme“. Die Entstehungsgeschichte des Textes könnte eine Rollenverteilung implizieren.
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Wie frei können wir damit umgehen? Es wird vergessen, dass das im frühen 20. Jahrhundert und noch viel mehr im späten 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich war. Und dann gab es ein für mich unerklärliches Loch von etwa 50 Jahren und ungefähr 1980 hat das wieder angefangen. In meiner Studienzeit und noch viele Jahre danach wurden Texte immer wieder geändert. In den "Sieben frühen Liedern" von [Alban] Berg kommt im zweiten Lied, Schiffslied, vor: „Mädchen, und gedenke dein“ und damals sang jede Frau: „Liebster, und gedenke dein“ Heute singen alle Frauen selbstverständlich „Mädchen, und gedenke dein“. Das ist doch eine schöne Aussage! So stellen die Lieder Duprés für fast alle Stimmfächer eine willkommene Repertoireerweiterung dar. Zur Zeit Duprés hatte das Französische Lied Hochkonjunktur. Zeitgleich entstanden in Frankreich drei Gesellschaften zur Pflege des Kunstliedes. Diese organisierten Liederabende und hatten unterschiedliche Schwerpunkte,
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wie das Lied der Moderne, das Französische Lied oder Lieder aus Russland und Deutschland. Dupré hat alle sieben Nummern seiner Sammlung „À l’amie perdue“ übrigens auch orchestriert. Es gab Gesellschaften, die staatliche Förderungen erhielten, wenn sie Uraufführungen vorweisen konnten. Wenn gerade keine Uraufführung zur Hand war, hat man kurzerhand Klavierlieder für Orchester bearbeitet und diese Bearbeitung als Uraufführung verkauft – sozusagen ein institutioneller Trick um seine Prozentzahlen an Uraufführungen zu erfüllen. Dupré trug nach 1914 nichts mehr zum Französischen Kunstlied bei. Für Freunde entstanden kleine Gelegenheitskompositionen, wie für Marcelle Perroux. Sie war die Ehefrau von Jean Perroux, einem befreundeten Orgelbauer. Das schlichte Lied, dessen Textautor unbekannt ist, schrieb Dupré 1935 im Ferienhaus in Saint-Valery-en-Caux.
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Dort komponierte übrigens auch Louis Vierne seine 3. Sinfonie, die er Dupré widmete. Für den Kölner Musikwissenschaftler Dr. Ulrich Linke zeigt sich Dupré in seinen Liedern und nun speziell in der „Mélodie pour Marcelle Perroux“ als raffinierter Komponist: Beispielsweise diese „Mélodie [pour Marcelle Perroux]“: die steht in A-Dur und man hört zunächst für ein, zwei Takte nur den Ton E. Dabei handelt es sich nicht um den Grundton, sondern um die Quinte, aber als Hörer kann man das noch nicht wissen. Dann setzt der Gesang ein, aber auch nicht auf dem Grundton A, sondern mit einem Cis. So hat man immer noch nicht das Gefühl für eine gesicherte Tonalität. Dadurch bekommt dieses Lied so etwas Schwebendes, was den Reiz ausmacht. Das versteht Marcel Dupré schon sehr geschickt in diesem Lied. Auch wenn die Lieder von Duprés bis heute nicht zum Kanon des Liedrepertoirs zählen,
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so stellen seine Werke einen wertvollen Beitrag zum Französischen Kunstlied dar. Und deswegen sollte man einen Komponisten nach den besten Sachen beurteilen. Und wenn es ein ganz unbekannter ist und der hat 5 Juwelen geschrieben, dann ist er für mich ein bedeutender Komponist in dem kleinen Gebiet des Liedes. Ich finde das die Lieder von Marcel Dupré wieder aufgeführt werden sollten. Weil sie sehr sinnlich komponiert sind und sowohl für den Pianisten als auch für die Sänger sehr dankbar sind. Und für das Publikum stellen diese Lieder eine Repertoireerweiterung dar, gerade in einem Konzertbetrieb, der sich sonst immer wieder auf dieselben Werke konzentriert. Episode 4 online ab 11. Juli 2021.

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