Зеркало (FullHD, драма, реж. Андрей Тарковский, 1974 г.)

Зеркало (FullHD, драма, реж. Андрей Тарковский, 1974 г.)

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Language: German

Type: Human

Number of phrases: 656

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Digitale Restauration von Bild und Ton erfolgte beim Filmkonzern MOSFILM MOSFILM Vierte Filmproduktionsvereinigung Wie heißt du? Ich heiße Shary Juri. Wo kommst du her? Aus Charkow. Wo lernst du? In einer Berufsschule. Nun können wir beginnen. Sieh nur mich an. Direkt in die Augen. Nach vorne. Drehe dich um. Konzentriere dich auf meiner Hand. Die Hand zieht dich zurück. Drehe deine Hände. Konzentriere dich. Spanne deine Hände an. Die Hände sind angespannt! Dein ganzer Wille zum Sieg
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ist in deinen Händen. Die Hände spannen sich immer mehr an. Noch mehr. Sieh deine Finger an. Die spannen sich auch an. Die ganze Spannung geht in deine Finger über. Sieh deine Hände an. Konzentriere dich. Nun sage ich "drei" und deine Hände erstarren. Eins, zwei, drei! Die Hände sind erstarrt. Du kanst sie nicht bewegen. Du willst, aber du kannst deine Hände nicht bewegen. Präzise Bewegungen sind unmöglich. Nun werde ich dich davon befreien und du wirst deutlich, leicht und fließend reden. Du wirst immer laut und deutlich reden. Sieh mich an.
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Ich entspanne deine Hände und deine Rede. Eins, zwei, drei! Laut und deutlich: "Ich kann reden!" DER SPIEGEL In der Rolle der Mutter und Natalja Margarita TERECHOWA Drehbuch Alexander MISCHERIN, Andrej TARKOWSKI Regie Andrej TARKOWSKI Kamera Georgi RERBERG Szenengestaltung Nikolai DWIGUBSKI Musik Eduard ARTEMJEW Ton Semjon LITWINOW In den Rollen: I.DANILTSEW, L.TARKOWSKAJA, A.DEMIDOWA A.SOLONITSYN, N.GRINKO T.OGORODNIKOWA, J.NASAROW, O.JANKOWSKI F.JANKOWSKI, J.SWENTIKOW, T.RESCHETNIKOWA Vorleser I.SMOKTUNOWSKI Gedichte von Arseni TARKOWSKI vom Autor vorgetragen
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Im Film erklingt die Musik von Bach, Pergolesi, Purcell DER SPIEGEL Der Weg von der Station verlief durch Ignatjewo, bog unweit vom Hof ab, wo wir vor dem Krieg jeden Sommer verbrachten, und führte durch den dichten Wald weiter nach Tomschino. Gewöhnlich erkannten wir unseren Vater aus der Ferne. Er bog am Busch zum Hof ein. Sonst war es kein Vater. Und es blieb unklar, ob er noch kommen würde. Gehe ich richtig nach Tomschino? Sie hätten am Busch nicht abbiegen sollen. - Und das... hier... - Was denn? Was tun Sie da? - Ich wohne hier. - Wo? Auf dem Zaun? Was interessiert Sie denn? Wo ich wohne? Ich habe alles mitgenommen, nur keinen Schlüssel.
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Haben Sie einen Nagel oder einen Schraubenzieher? Ich habe keine Nägel. Wieso sind Sie so nervös? Keine Angst. Ich bin Arzt. - Sie stören mich. - Soll ich meinen Mann rufen? Sie haben keinen Mann. Sie haben keinen Ehering. Jedoch Ringe tragen heute wohl nur die Alten. Haben Sie eine Zigarette? Warum sind Sie so traurig? Warum sind Sie so froh? Es ist angenehm, eine schöne Frau mitzureißen. Ich bin gestürzt... Und hier sind Sträuche, Wurzeln... Haben Sie nie daran gedacht, daß die Pflanzen fühlen, sogar denken können... Die Bäume, dieser Nußstrauch... - Das ist eine Erle. - Egal. Die laufen nirgendwo hin.
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Wir tun es und reden Unsinn. Wir trauen unserer eigenen Natur nicht. Wir haben es eilig. Wir haben keine Zeit, um nachzudenken. Sie sind nicht ganz... Gar nicht. Ich bin ja ein Arzt. Und die "Kammer Nr.6"? Das hat Tschechow ausgedacht! Kommen Sie nach Tomschino. Es geht dort lustig zu. Sie bluten! - Wo? - Hinter dem Ohr! Jedes Treffen feierten wir wie eine Erscheinung Gottes. Wir waren völlig allein. Du warst schnell und leicht wie ein Vogel. Du kamst die Treppe runter und führtest mich durch nasse Fliedersträuche in dein Reich jenseits des Spiegels.
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Als die Nacht kam, wurde mir Gnade erwiesen. Die heilige Pforte öffnete sich und drüben in der Dunkelheit erschien dein nackter Körper. Und morgens flüsterte ich: "Sei gesegnet!" Nichts störte deinen Schlaf. Um deine Augen zu berühren, neigte sich der Flieder. Deine Augenlider zuckten nicht und deine Hand war warm. Und im Kristallglas flossen Flüsse, ragten Berge, tobten Meere. Du hieltst die Kristallkugel und schliefst auf dem Thron. Großer Gott! - Du gehörtest mir. Du wachtest auf und Worte aus dem Alltag erhielten neuen Sinn. Das Pronomen "du" bekam nun andere Bedeutung. Es hieß der "Zar". Die Welt veränderte sich prompt.
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Alles ringsum wurde anders, als harte Wasserschichten uns von einander trennten. Wir gingen einfach weg. Vor uns entstanden und verschwanden Märchenstädte. Kräuter lagen uns zu Füßen. Vögel begleiteten uns. Fische schwamen flußauf. Auch der Himmel wurde breiter, als der Schicksal uns wie ein Amokläufer folgte. Mein Gott! Dunja! Was soll das, Pascha?! Es brennt, seid still. Verdammt! Ist Vitka nicht dort? Ist er nicht verbrannt? Und wo ist Klanka? Was denn? Vater. - Alexej? - Hallo, Mutter. Was ist mit deiner Stimme? Nichts Besonderes. Wahrscheinlich Angina.
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Ich habe drei Tage mit niemandem gesprochen. Das Schweigen hat mir sogar gefallen. Worte können unsere Gefühle nicht ausdrücken. Sie sind schlaff. Ich habe eben von dir geträumt. Als ob ich noch ein Kind bin... Wann hat uns der Vater verlassen? In 1935. Warum fragst du? Und das Feuer in der Scheune? Erinnerst du dich daran? Auch 1935. Na gut, laß den Quatsch. Weißt du... Lisa ist gestorben. Die von der Druckerei. - O Gott... Wann? - Heute Morgen, um 7 Uhr. Und wie spät ist es jetzt? Was haben wir? - Etwa sechs Uhr. - Morgens? Was ist mit dir? Abends.
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Mutter, warum streiten wir? Ich bitte um Entschuldigung. Druckerei. Die nächste Station: Serpuchowskaja. Wo eilen Sie denn so hin? Guten Tag. Wo sind Texte, die ich gestern gelesen habe? Ich weiß nicht. Moment. Hier ist Jelisaweta Pawlowna. Marusja, was ist los? Etwas mit der Korrektur? In der Sonderausgabe? Sei nicht nervös! Sieh im Setzschrank nach. Es ist nicht so schlimm. Das istja eine Sonderausgabe! Jede Ausgabe muß ohne Druckfehler sein. Halte den Mund. - Was ist passiert? - Nichts Besonderes. Ich möchte nachschauen... Vielleicht irre ich mich... Gut, fangen wir an. Ich tu's lieber selber. Alle haben es eilig!
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Denken Sie, ich habe Angst? Ich weiß, die anderen müssen Angst haben. Lassen wir die einen arbeirten und die anderen fürchten. Na, was ist passiert? Auch wenn schon. Man hat die ganze Nacht gedruckt... Ich habe dich gestern erwartet. Du bist nicht gekommen. Erinnerst du dich an das Wetter? Wie auf Bestellung! Sonnig und warm. Heute bist du da, aber das Wetter ist trüb. Es regnet. Es ist sehr spät. Kahle Bäume sind naß. Das Wasser rinnt runter und ist nicht zu stoppen... Na, ist denn nicht alles in Ordnung? Doch... Aber es wäre ein fataler Fehler gewesen. Warum weinst du denn? Ich habe dieses Wort sogar deutlich gesehen. Was für ein Wort? Sehr gut!
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Das ist Alkohol. Nicht viel, aber doch. Du bistja völlig durchnäßt! Wirklich, bis auf die Haut. Ich muß unter die Dusche. Wo ist mein Kamm? Weißt du, an wen du mich erinnerst? - An wen? - An Maria Timofejewna. Was für Maria Timofejewna? Hier. Nimm den Kamm. Was für Maria Timofejewna? Die Schwester vom Kapitän Lebjadkin. Du bist ihr sehr ähnlich. Wieso? Das ist Fjodor Michailowitsch... Was immer du sagst... Was denn? "Lebjadkin, bring Wasser!" Im Gegensatz zu dir wurde sie von ihrem Bruder verprügelt. Ich verstehe dich nicht.
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So ist dein ganzes Leben. Nur Anschein der Unabhängigkeit. Wenn dir etwas nicht paßt, tust du so, als ob das gar nicht existiert. Was soll der Quatsch?! Die Geduld deines ehemaligen Gatten ist zu bewundern. Er hätte dich viel früher verlassen müssen. Was willst du von mir? Würdest du deine Schuld bekennen? Niemals! Du hastja diese Situation selber geschaffen! Wenn du deinen lieben Gatten in diesen blöden emanzipierten Zustand nich versetzt hast, dann hat er sich gerettet. Und die Kinder machst du bestimmt unglücklich. Hör auf! Was ist denn? Mascha! Laß mich in Ruhe! Auf halbem Wege meines Lebens verlief ich mich im dunklen Wald...
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Du bist meiner Mutter sehr ähnlich. Wohl deshalb trennten wir uns. Ich finde es entsetzlich, daß Ignat dir immer mehr gleicht. Wieso entsetzlich? Wir konnten niemals normal miteinander reden. In meinen Erinnerungen erscheint mir meine Mutter stets mit deinem Gesicht. Und ich weiß auch warum. Ihr beide tut mir leid. Warum? Ignat, stelle das Glas zurück! Du wirst mit niemandem zusammenleben können. Vielleicht. Nimm's nicht übel. Aber du glaubst, daß allein die Tatsache deiner Existenz alle glücklich machen soll. Du verlangst nur. Ja, weil ich von Frauen erzogen wurde. Willst du Ignat davor schützen, heirate möglichst bald.
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- Wen? - Das weiß ich nicht. Oder muß Ignat bei mir bleiben. Warum hast du dich mit deiner Mutter nicht versöhnt? Sollte ich? Sie glaubt besser zu wissen, wie ich leben muß und was mich glücklich macht. Ich verstehe es besser, als du. Was denn? Wir driften auseinander und ich kann nichts dagegen. Natalja, lenk ihn ab! Er redet wieder über Spanien. Das endet mit einem Skandal. Ich wollte dich fragen... Wir machen eine Renovierung. Ignat möchte für eine Woche bei dir bleiben. Das würde mich freuen. Was will er sagen? Er stellt den berühmten Matadoren Palomo Linares dar. Der Abschied war für ihn besonders aufregend. Die ganze Stadt war dabei. Alle sangen und tanzten.
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Seine Mutter konnte nicht kommen, sie war krank. Und der Vater war stumm und traurig. Die beiden hatten dieselben Gedanken. Sie wußten nicht mehr, ob sie sich wiedersehen werden. Verhöhnst du mich etwa? Es hat niemals geklappt, aber du kannst es doch! Spanien muß man fühlen. Wollten Sie nicht nach Spanien zurück? Unmöglich. Mein Mann ist ein Russe. Und die Kinder auch. Ich werde mit ihr reden! Ignat! Komm her! Ich gehe. Immer wieder dasselbe... Laß das! - Ein komisches Gefühl. - Was für ein? Als ob es schon gewesen wäre... Ich bin hier zum ersten Mal.
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Gib das Geld her und hör auf zu phantasieren. Mach hier sauber. Rühre da nichts an. Wenn Maria Nikolajewna kommt, sag ihr, sie soll warten. Komm rein. Guten Tag. Eine Tasse für den jungen Mann. Nimm aus dem Schrank das Heft vom dritten Regal. Lies die Seite vor, wo das Band ist. "Auf die Frage, wie beeinflussen Kunst und Wissenschaft den Menschen, hat Rousseau geantwortet: "Negativ". Lies nur das vor, was rot unterstrichen ist. "Abgesehen davon..." Oh, nein. "Die Teilung der Kirchen spaltete uns von Europa ab. Bei keinem der großen Ereignisse, welche es erschütterten, waren wir dabei.
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Aber wir hatten eine besondere Vorbestimmung. Rußland stoppte die Invasion von Mongolenhorden. Die Tataren trauten sich nicht weiter nach Westen. Sie zogen sich zurück und die christliche Zivilisation war gerettet. Um dieses Ziel zu erreichen, mußten wir eine besondere Existenz führen. Zwar blieben wir Christen, aber die christliche Welt wurde uns fremd. Wir sind aber keine historische Winzigkeit. Da bin ich nicht einverstanden. Finden Sie in derjetzigen Lage Rußlands nichts Bedeutendes für künftige Historiker? Ich mag unseren Zaren sehr. Aber ich bin nicht von allem begeistert, was ich sehe. Als Literat fühle ich mich beleidigt,
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aber ich schwöre, daß ich kein anderes Vaterland, keine andere Geschichte haben will. Ich will nur das, was uns der liebe Gott gegeben hat." Aus dem Brief von Puschkin an Tschaadajew. Am 19. Oktober 1836. Mach auf. Ich bin wohl falsch geraten. Na, was gibt's? War Maria Nikolajewna da? Nein... Nur eine... Sie wäre falsch geraten. Tue etwas oder lade jemanden ein. Kennst du Mädchen? Aus der Kalsse? Ich mag sie nicht! In deinem Alter habe ich mich verliebt... Während des Krieges... Sie war rothaarig... Sie hatte geplatzte Lippen. Unser Militärlehrer machte ihr den Hof. Hörst du mich? Was hast du getan? Meinst du, ich sehe nichts?
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Du hast in die Luft geschossen! Na und? Da istja niemand. Und wära da jemand gewesen? Da sind Bäume. Und hätte jemand darauf geklettert? Kehrt! Kehrt, war befohlen! Leg das Gewehr zurück. Ich habe ja mich gekehrt. Kennst du die Dienstvorschrift? Kehren bedeutet genau das, was ich gemacht habe. Man dreht sich um 360 Grad um. Welche Grade? Kehrt! In Feuerstellung, marsch! Du bringst mir deine Eltern. Welche Eltern? Du weißt schon welche. Was heißt Feuerstellung? Leg dich auf die Matte!
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Seine Eltern sind in der Blockade gestorben. Eine Feuerstellung ist... eine Feuerstellung. - Markow. - Ich. Woraus besteht ein Klein... Ein Gewehr. Aus einem Kolben. - Einem Rohr. - Du bist selber ein Rohr. Was ist dann ein Rohr? Jungs! Eine Granate! Eine Handgranate! Nicht doch! Auf den Boden! Sie kann explodieren! Das istja eine Attrappe. Was bist du für ein Leningrader... Ich glaube an keine Vorahnung. Ich fürchte keine Omina. Keine Verleumdungen, kein Gift. Es gibt keinen Tod. Alle sind unsterblich. Alles ist unsterblich. Man braucht den Tod nicht zu fürchten, weder mit 1 7, noch mit 70... Es gibt nur uns und Licht. Es gibt kein Finsternis und keinen Tod.
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Wir sind alle am Meeresufer. Und ich helfe, Netze zu stellen, um Unsterblichkeit zu fangen. Lebt im Haus und es stürzt nicht ein. In jedem Jahrhundert kann ich mir ein Haus bauen. Deswegen sind eure Kinder und eure Frauen an meinem Tisch, am Tisch der Generationen. Hier entsteht die Zukunft. Ich hebe meine Hand und euch bleiben fünf Strahlen. Ich habe jeden vergangenen Tag mit meinen Schultern gestützt. Ich habe die Zeit gemessen und die wie ein Gebirge durchgedrungen. Mein Jahrhundert paßt mir genau. Wir gingen nach Süden, wirbelten Staub auf. Es war heiß, Heupferde zirpten. Und das verhieß mir... Das verhieß mir meinen Tod. Ich nahm mein Schicksal mit. Nun reite ich durch die Zukunft und bin noch jung.
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Ich bin unsterblich und reise durch Jahrhunderte. Für Wärme und Gemütlichkeit würde ich sogar sterben, aber mein Leben führt mich wie eine Nadel den Faden. Marusja! Und die Kinder? Wo sind die Kinder? Du hast ein Buch gestohlen. - Was? - Ich gebe dich an. Laß mich! Geh, sag's! Ich werde es trozdem tun! Marina! Du könntest öfter kommen. Er vermißt dich sehr. Laß Ignat bei mir bleiben. Meinst du das ernst? Du hastja selber gesagt, daß er das möchte. Man soll dir nichts sagen... Habe ich das etwa erfunden, um mich zu amüsieren?
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Wollen wir ihn fragen. Wie er entscheidet... Auch für dich eine Erleichterung. Was für eine? Hast du Lehrbücher eingepackt? Verabschiede dich vom Vater. Wir wollten dich fragen... Wonach? Würdest du nicht lieber bei mir bleiben? Wieso? Du könntest hier wohnen. War es nicht dein Wunsch? Mein Wunsch? Seit wann? Nein, ich will nicht. Wir sind einander wirklich sehr ähnlich. Gar nicht! Was willst du von deiner Mutter? Welche Beziehungen? Kindheit kommt nicht mehr zurück. Du redest über irgendwelche Schuldgefühle, weil sie alles euch geopfert hat... Davon kommst du nicht weg. Und sie will, daß du wieder ein Kind bist, um dich auf den Arm zu nehmen und zu beschützen.
01:11:42
Wieso mische ich mich ein? Wie immer... Was heulst du? Sag's mir. Soll ich ihn heiraten oder nicht? Kenne ich ihn? Nein... Ist er ein Ukrainer? Spielt das eine Rolle? - Was tut er? - Er ist ein Schriftsteller. Heißt er zufällig Dostojewski? Dostojewski. Er hat bisher nichts geschrieben und ist unbekannt. Etwa 40 Jahre alt? Also, talentlos. Du hast dich sehr gerändert. - Er schreibt nichts. - Er veröffentlicht nichts. Unser Bengel hat etwas in Brand gesteckt. Seine Leistungen in der Schule sind miserabel. Absolviert er die Schule nicht, muß er in die Armee. Und du wirst alles tun müssen, um das zu verhindern. Das sind Folgen deiner Erziehung. Der Wehrdienst wäre für ihn gar nicht so schlimm.
01:13:34
Warum rufst du deine Mutter nicht an? Nach dem Tod der Tante Lisa lag sie drei Tage krank... Sie sollte ja hierher um fünf Uhr kommen. Kannst du den erten Schritt nicht selber tun? Wir reden jetzt über Ignat. Vielleicht bin ich auch schuld. Oder haben wir uns verbürgerlicht? Und zwar auf irgendeine wilde, asiatische Weise. Es gibt kein Privateigentum, aber der Wohlstand wächst. - Man kann nichts begreifen. - Warum regst du dich auf? Ein 15-jähriger Sohn meiner Bekannten sagte seinen Eltern: "Ich verlasse euch. Es ist widerlich zuzusehen, wie ihr euch bemüht, für alle gut zu sein". Ein braver Junge. Unser Bengel sagt das leider nie. Ich kann mir die beiden vorstellen! Leute wie du und ich. Er arbeitet in einer Zeitung. Er meint auch, er sei ein Schriftsteller. Aber er kann nicht begreifen, daß es eine Tat ist, ein Buch zu schreiben.
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Ein Dichter muß Gefühle aufrütteln, und kein Abgott sein. Was soll ich denn tun? Heiraten. Vor wem ist ein brennender Busch erschienen? Ein Engel im Dornbusch. Ich weiß nicht. Vor Ignat bestimmt nicht. Wäre eine Militärschule für ihn nicht der bessere Ausweg? Es war Moses, der im brennenden Dornbusch den Gott sah. Er führte sein Volk durch die Wüste. Warum habe ich keine solche Visionen? Ich habe immer wieder denselben Taum. Ich sehe mich in meinem Heimatsort vor dem Haus meines Opas, wo ich vor 40 Jahren direkt auf dem Eßtisch geboren bin. Wenn ich hinein will, hält mich immer etwas auf.
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Ich habe oft diesen Traum. Und wenn ich Holzwände und den dunklen Flur sehe, weiß ich sogar im Traum, daß ich bloß träume. Doch die Freude wird durchs Erwachen getrübt. Manchmal geschieht etwas, und ich träume nicht mehr vom Haus und von den Kiefern ringsum. Dann werde ich traurig. Und ich warte mit Ungeduld auf diesen Traum, in dem ich mich wieder als Kind sehe und mich wieder glücklich fühle, weil alles noch bevorsteht und möglich ist... - Mutter. Da machtjemand auf. - Was ist mit dir? Guten Tag. Guten Tag. - Sind Sie Nadeshda Petrowna? - Ich habe Sie früher... Ich bin Stieftochter von Matwej Iwanowitsch. Er und Ihr Mann waren Freunde.
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Was für Matwej? Ein Arzt, er wohnte hier früher. Dann ging er nach Jurjewetz und wurde zum Gerichtsmediziner. Sind Sie aus der Stadt? Wir sind aus Moskau, aber in Jurjewetz haben wir ein Zimmer. Wir wurden im Herbst evakuiert. Ich wollte das Leben meiner Kinder nicht riskieren. Und hier gibt's viele Bekannte... Mein Mann ist nicht da. Hör auf dich zu kratzen! Ich wollte zu Ihnen. Ich habe etwas für Sie. Kommen Sie 'rein. Hier, bitte... Füße abtreten. Mascha hat hier sauber gemacht. Bleib hier. Wir sind gleich zurück. Was tust du im Dunkel? Ist das Licht aus? Wieso hast du nichts gesagt? - Wie heißt du? - Aljoscha. Ich habe auch einen Sohn, er ist aber noch klein.
01:27:55
Das Leben ist schwer. Es ist Krieg. Ich hätte gerne noch eine Tochter. Wollen Sie hinsehen? Er schläft. Wir tun es leise. Er ist wunderbar. Neulich fragte er den Vater: "Warum ist ein Fünfer größer, als andere Münzen?" Ich staunte, aber mein Mann sagte nichts. Er wollte ja eine Tochter. Ich habe für den Säugling alles in rosa vorbereitet. Dann mußte ich alles umnähen. Er machte uns viel zu schaffen. Haben wir dich aufgeweckt? Deine Mutter ist eine Plaudertasche. Na, wer ist da? Unbekannte Leute? Willst du nicht aufwachen? Dann schlaf weiter, Kleiner.
01:30:04
Stehen sie mir gut? Und der Ring? - Was ist mit Ihnen? - Mir ist nicht gut. Sie sind wohl müde nach dem langen Weg. Trinken Sie, das tut Ihnen gut. Ich werde gleich den Tisch decken. Machen Sie sich keine Sorgen. - Wie kann ich Sie gehen lassen? - Wir haben gegessen. Er hustet so schlimm! Er ist immer draußen... Mein Mann könnte ihn untersuchen. Wir können nicht warten. Wir müssen gehen. Und die Ohrringe? Das Geld ist beim Mann. Wir schlachten einen Hahn. Aber ich habe eine Bitte... Ich bin im vierten Monat. Mir ist stets übel. Sogar wenn ich die Kuh melke, wird es unerträglich... Und den Hahn... Könnten Sie das nicht tun?
01:31:20
Ich bin selber... Auch schwanger? Nein, aber ich habe keine Erfahrung. Das ist ganz leicht. Man muß schlachten, um zu essen. Ich mache das hier, auf diesem Klotz. Da ist das Beil. Es ist scharf. - Hier im Zimmer? - Wir stellen eine Schale unter. Und morgen gebe ich Ihnen das Hähnchen mit. Ich kann nicht. Sollen wir Aljoscha bitten? Er istja ein Mann. Wieso Aljoscha? Dann halten Sie fest, sonst läuft er weg. Mir ist aber... Na? Beruhige dich! Alles wird gut sein. Schade, daß ich dich sehe, nur wenn es mir sehr schlecht ist. - Hörst du mich? - Ja. Nun fliege ich zum Himmel. Was ist mit dir, Marusja? Ist dir schlecht?
01:33:45
Wundere dich nicht. Ich liebe dich. Gehen sie schon? Und die Ohrringe? Mein Mann kommt gleich. - Er bringt das Geld. - Wir haben's uns anders überlegt. Es wird bald dunkel. Wo wollen Sie denn hin? Machen Sie sich keine Sorgen. Der Mensch lebt in seinem Körper wie in einer Einzelzelle. Die Seele haßt diese Hülle mit Ohren und Augen, mit der geplatzten Haut auf den Knochen. Sie fliegt durch die Hornhaut zum Himmel, wo der Vögelwagen rollt. Sie hört in ihrem lebenden Gefängnis das Rauschen der Wälder und das Brausen des Meeres. Die Seele braucht einen Leib, sonst ist sie nackt. Sonst kann sie nicht denken und nicht schaffen. Ein Rätsel ohne Lösung: Wer kommt zurück
01:35:08
und tanzt, wo niemand tanzen kann? Ich träume von einer anderen Seele in anderem Leib. Sie brennt, sie fürchtet und sie hofft. Ihr Feuer kann fließen. Sie geht leise weg und hinterläßt zum Andenken Flieder auf dem Tisch. Lauf, mein Kind. Weine der Eurydike nicht nach und laß deinen Reifen durch die Welt rollen, solange du bei jedem Schritt irdische Geräusche vernehmen kannst. Mutter, die Öllampe qualmt. Was? Alles hängt von ihm selber ab. Könnte Angina solche Komplikationen hervorrufen? Warum denn Angina? - Alles ist viel einfacher. - Einfacher? Man verliert die Mutter, die Frau, das Kind...
01:39:33
Nach ein paar Tagen ist man völlig zerstört. Aber bei ihm istja niemand gestorben. Es gibt auch Gewissen... - Erinnerungen... - Wieso Erinnerungen? - Glauben Sie, er sei schuld? - Er glaubt das. Lassen Sie mich in Ruhe! Was haben Sie gesagt? Lassen Sie mich in Ruhe! Ich wollte nur glücklich sein. Und was wird mit deiner Mutter, wenn du nicht aufstehst? Keine Sorge... Alles wird gut sein... Wen hättest du lieber - einen Sohn oder eine Tochter? Der Film wurde restauriert von: Bagdassarow Igor, Tamasin Viktor, Agafonowa Irina Produktionsleitung Karen Schachnasarow © Filmkonzern Mosfilm, 2017

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