Are athletes really getting faster, better, stronger? | David Epstein

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Übersetzung: Alexander Sell Lektorat: Anika Kohmer Das Olympische Motto ist "Citius, Altius, Fortius". Schneller, Höher, Stärker. Und Athleten erfüllten das Motto. Rasant. Der Gewinner des Olympischen Marathons 2012 rannte zwei Stunden und acht Minuten. Wäre er gegen den Gewinner des olympischen Marathons von 1904 angetreten, hätte er mit fast eineinhalb Stunden Vorsprung gewonnen. Wir alle haben das Gefühl, dass wir immer besser werden, uns als Menschheit unaufhaltsam weiterentwickeln. Aber aus uns wurde keine neue Art innerhalb eines Jahrhunderts. Also was geht hier vor? Schauen wir uns an, was wirklich hinter diesem athletischen Fortschritt steckt. 1936 hielt Jesse Owens den Weltrekord im 100-m-Lauf. Hätte Jesse Owens letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft im 100-m-Lauf mitgemacht, hätte er beim Zieleinlauf des Jamaikaners Usain Bolt noch immer 4 Meter vor sich gehabt.
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Das ist viel in der Sprinterwelt. Um zu verdeutlichen, wie viel, möchte ich Ihnen eine Demonstration des Sportwissenschaftlers Ross Tucker zeigen. Stellen Sie sich das Stadion im letzten Jahr bei der Weltmeisterschaft über 100 Meter vor: Tausende Fans halten den Atem an und warten auf Usain Bolt, den schnellsten Mann der Geschichte; Blitzlichtgewitter, während die neun Schnellsten der Welt in ihren Startblöcken kauern. Stellen Sie sich vor, Jesse Owens wäre in diesem Rennen. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich das Rennen vor. Peng! Der Startschuss ertönt. Ein Amerikaner springt in Führung. Usain Bolt beginnt ihn einzuholen. Er überholt, und als sie ankommen, hört man einen Piep für jeden, der die Linie erreicht. (Pieptöne) Das ist der ganze Zieleinlauf. Sie können Ihre Augen öffnen. Der erste Piep war Usain Bolt. Der letzte Piep Jesse Owens. Hören Sie es noch einmal. (Pieptöne) So betrachtet ist es kein großer Unterschied, oder? Nun bedenken Sie, dass Usain Bolt
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aus Startblöcken herausschoss und auf einem Spezialmaterial lief, das eigens zum Erreichen der schnellsten menschenmöglichen Geschwindigkeit geschaffen wurde. Jesse Owens hingegen lief auf Asche aus verbranntem Holz, und diese weiche Oberfläche kostete seine Beine beim Laufen viel mehr Energie. Statt Startblöcken hatte Jesse Owens eine Gartenschaufel, mit der er Löcher in die Asche grub. Biomechanische Geschwindigkeitsanalysen von Owens Gelenken zeigen, dass er auf der gleichen Oberfläche wie Bolt keine 4 Meter hinter ihm gewesen wäre, sondern nur einen Schritt. Anstatt des letzten Pieps wäre Owens der zweite Pieps. Hören Sie noch einmal hin! (Pieptöne) Das ist der Unterschied, den die Oberfläche macht, und das passiert in der gesamten Laufwelt. Denken Sie an ein längeres Rennen. 1954 schaffte Sir Roger Bannister als erster Mann die Meile unter vier Minuten. Heutzutage tun das College-Kids jedes Jahr.
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Hin und wieder schafft es sogar ein Highschool-Schüler. Bis Ende letzten Jahres sind 1314 Männer die Meile unter vier Minuten gelaufen, aber wie Jesse Owens lief Sir Roger Bannister auf weicher Asche, die mehr Energie aus den Beinen klaut als die künstlichen Bahnen von heute. Ich sprach mit Biomechanikexperten um zu erfahren, wieviel langsamer man auf Asche läuft als auf künstlichen Bahnen, und der Konsens war: Es ist 1,5 % langsamer. Wenn man also zu jedem Läufer mit einer unter-Vier-Minuten-Meile auf einer künstlichen Bahn 1,5 % Verzögerung hinzurechnet, passiert das hier: Nur 530 bleiben übrig. So betrachtet traten pro Jahrzehnt weniger als zehn neue Männer dem Unter-vier-Minuten-Club seit Sir Roger Bannister bei. 530 sind viel mehr als einer, und das liegt teilweise daran, dass heute mehr Menschen viel intelligenter trainieren. Sogar College-Kids trainieren professionell verglichen mit Roger Bannister, der je 45 Minuten trainierte, während er Gynäkologievorlesungen an der Uni schwänzte. Und der Typ, der 1904 den olympischen Marathon
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in dreieinhalb Stunden gewann, der Typ trank Rattengift und Brandy, während er auf der Strecke unterwegs war. Das war seine Vorstellung von einer leistungssteigernden Droge. (Gelächter) Klar sind Sportler jetzt klüger, was leistungssteigernde Mittel angeht, was in einigen Sportarten viel ausmachte, aber Technik bewirkt etwas in allen Sportarten, vom schnelleren Ski zu leichteren Schuhen. Schauen Sie sich den Rekord über 100 Meter Freistil an. Der Rekord geht immer weiter runter, ist aber durchbrochen von steilen Sprüngen. Der erste Sprung von 1956 ist die Einführung der Rollwende. Statt zu stoppen und umzudrehen, machten die Sportler jetzt eine Rolle und gelangten sofort in die andere Richtung. Dieser zweite Sprung ist die Einführung von Abflüssen an den Beckenrändern, durch die das Wasser abfließt statt zu verwirbeln und die Schwimmer im Rennen zu behindern. Die letzte Klippe -- der Ganzkörperanzug mit niedriger Reibung. In allen Sportarten hat Technik die Leistungsfähigkeit verändert. 1972 erzielte Eddy Merckx den Rekord
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für die längste Strecke auf dem Rad in einer Stunde: 49,431 Kilometer. Dieser Rekord wurde immer weiter verbessert, während Fahrräder immer besser und aerodynamischer wurden, bis hin zum Jahr 1996, als der Rekord auf 56,794 Kilometer verbessert wurde, über acht Kilometer weiter, als Eddy Merckx 1972 gefahren war. Aber im Jahr 2000 bestimmte der Internationale Radsport-Verband, dass wer diesen Rekord verbessern wolle, dies im Wesentlichen mit der gleichen Ausrüstung machen muss wie Eddy Merckx 1972. Wo steht der Rekord heute? 49,700 Kilometer, insgesamt 269 Meter weiter als Eddy Merckx vor mehr als vier Jahrzehnten fuhr. Im Wesentlichen war die gesamte Verbesserung der Technik geschuldet. Trotzdem bringt nicht nur die Technik die Sportler weiter voran. Wir entwickelten uns nicht in einem Jahrhundert zu einer neuen Art, aber der Genpool im Leistungssport
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hat sich mit Sicherheit verändert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts meinten Sportlehrer und Trainer, dass der durchschnittliche Körpertyp der beste für alle athletischen Vorhaben wäre: mittlere Größe, mittleres Gewicht -- egal welcher Sport. Und das sah man den Körpern der Athleten an. In den 1920ern hatten ein Top-Hochspringer und ein Top-Kugelstoßer im Schnitt exakt die gleiche Größe. Aber während diese Ansicht verblasste, als Wissenschaftler und Trainer erkannten, dass statt des Durchschnittskörpers hochspezialisierte Körper viel besser in bestimmte athletische Nischen passen, fand eine Art künstliche Auslese statt, ein Sortieren der Körper, passend zu den Sportarten, und die Körper der Sportler unterschieden sich mehr. Statt genauso groß wie ein durchschnittlicher Top-Hochspringer zu sein, ist der Top-Kugelstoßer 6,3 Zentimeter größer und 60 Kilogramm schwerer. Das passierte in der ganzen Sportwelt. Wenn man Größe und Gewicht grafisch gegenüberstellt, je ein Datenpunkt für zwei Dutzend Sportarten, sieht es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so aus. Es gibt eine gewisse Streuung,
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aber sie ist nah am durchschnittlichen Körpertyp. Dann entfernte man sich davon, und zur selben Zeit ermöglichte Technik, erst Radio, dann Fernsehen und das Internet, Millionen oder manchmal Milliarden Menschen den Zugang zum Verfolgen von Leistungssport. Die finanziellen Anreize, Ruhm und Ehre für die Sportler schossen in die Höhe, hauptsächlich im winzigen oberen Bereich der Leistungsränge. Das beschleunigte die künstliche Auslese für spezialisierte Körper. Wenn man heute die Datenpunkte für die gleichen zwei Dutzend Sportarten zeichnet, sieht das so aus. Die Körper der Athleten unterscheiden sich immer mehr von einander. Da diese Grafik denen des expandierenden Universums ähnelt, mit den Galaxien, die sich voneinander entfernen, nannten Wissenschaftler diese Entdeckung den "Urknall der Körpertypen". In Sportarten, in denen Größe zählt, wie Basketball, wurden die Sportler größer. 1983 unterzeichnete die NBA eine bahnbrechende Vereinbarung, die aus Spielern Partner der Liga machte, mit Anrecht auf Anteile an Ticketverkäufen und Fernsehverträgen. Jeder, der ein NBA-Spieler hätte sein können, wollte das plötzlich auch,
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und Teams suchten die Welt ab nach Körpern, die ihnen zur Meisterschaft verhelfen könnten. Beinahe über Nacht hat sich der Anteil der Männer in der NBA mit einer Größe über 2,13 m auf zehn Prozent verdoppelt. Heute ist einer von zehn Männern in der NBA über 2,13 m groß, aber ein 2,13-m-Mann ist unglaublich selten in der normalen Bevölkerung -- so selten, dass ein Ihnen bekannter Amerikaner im Alter zwischen 20 und 40, der mindestens 2,13 m groß ist, mit einer 17-prozentigen Wahrscheinlichkeit genau jetzt in der NBA ist. (Gelächter) Das heißt, wenn Sie sechs echte 2,13-m-Kerle finden, einer genau jetzt in der NBA ist. Und nicht nur das macht die Körper der NBA-Spieler besonders. Das ist Leonardo da Vincis "Vitruvianischer Mann" mit den idealen Proportionen, einer Armspannweite gleich der Körpergröße. Meine Spannweite entspricht exakt meiner Größe. Ihre wahrscheinlich fast ebenso. Aber nicht der Durchschnitts-NBA-Spieler! Der durchschnittliche NBA-Spieler ist etwa 2 Meter groß und seine Arme sind 2,13 m lang. NBA-Spieler sind nicht nur irre groß,
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sie sind grotesk lang. Hätte Leonardo den Vitruvianischen NBA-Spieler gezeichnet, hätte er ein Rechteck und eine Ellipse gebraucht statt eines Kreises und eines Quadrats. In Sportarten also, in denen die Größe zählt, wurden die großen Sportler größer. Hingegen wurden in Sportarten mit Vorteilen für zierliche Figuren die kleinen Sportler kleiner. Die durchschnittliche Top-Turnerin schrumpfte von 1,61 m auf 1,49 m im Durchschnitt in den letzten 30 Jahren -- sehr gut für das Kraft-Gewicht-Verhältnis und für Drehungen in der Luft. Als die Großen größer und die Kleinen kleiner wurden, wurden die Sonderbaren sonderbarer. Die durchschnittliche Unterarm-Länge eines Wasserballspielers im Verhältnis zum gesamten Arm wurde länger, zugunsten eines kraftvollen Wurfarms. Als die Großen größer wurden, wurden Kleine kleiner und Sonderbare sonderbarer. Beim Schwimmen ist der ideale Körpertyp ein langer Oberkörper und kurze Beine. Das ist wie der lange Rumpf eines Kanus für die Geschwindigkeit über Wasser. Das Gegenteil ist besser beim Laufen: Lange Beine und ein kurzer Oberkörper. Das sieht man an den Körpern heutiger Athleten. Das ist Michael Phelps,
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der größte Schwimmer der Geschichte, neben Hicham El Guerrouj, dem Weltrekordhalter über eine Meile. Die Größe der beiden unterscheidet sich um 18 cm, aber aufgrund der für ihre Sportarten vorteilhaften Körpertypen sind ihre Hosen gleich lang. 18 cm Größenunterschied -- diese Männer haben gleich lange Beine. In manchen Fällen führte die Suche nach Körpern, die die sportliche Leistung vorantreiben können, Bevölkerungsgruppen in die Wettkämpfe ein, die vorher nie angetreten wären, wie kenianische Langstreckenläufer. Für uns sind Kenianer großartige Marathonläufer. Für Kenianer sind Mitglieder des Kalendjin-Stamms großartige Marathonläufer. Die Kalendjin stellen nur 12 % der Bevölkerung Kenias, aber die große Mehrheit an Top-Läufern. Sie haben im Durchschnitt einen einzigartigen Körperbau: Sehr lange Beine, die an ihrem Ende sehr dünn sind, weil ihre Vorfahren in Äquatornähe in einem sehr heißen und trockenen Klima lebten, und eine evolutionäre Anpassung daran sind sehr lange und dünne Gliedmaßen,
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für eine bessere Kühlung. Aus dem gleichen Grund haben Heizkörper lange Rippen. Die größere Oberfläche im Verhältnis zum Volumen hilft Wärme abzugeben. Das Bein ist wie ein Pendel, je länger und dünner am Ende, desto effizienter kann es schwingen. Um den Erfolg der Kalendjin ins rechte Licht zu rücken: Bisher sind 17 Amerikaner den Marathon in unter zwei Stunden und zehn Minuten gelaufen. Das sind drei Minuten und fünf Sekunden pro Kilometer. Das schafften 32 Kalendjin-Männer letzten Oktober. (Gelächter) Und das bei einer Bevölkerung der Größe vom Großraum Atlanta! Aber die moderne Technik und der veränderte Genpool im Sport sorgen nicht allein für die veränderte Leistung. Sportler haben eine andere Einstellung als früher. Kennen Sie die Filme, in denen Menschen durch Stromschläge durch den Raum geschleudert werden? Da gibt es keine Explosion. Stattdessen lässt der elektrische Impuls alle Muskeln auf einmal zucken und man schleudert sich selbst durch den Raum. Im Grunde springt man.
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Das ist die Kraft, die im menschlichen Körper steckt. Aber wir können sie normalerweise nicht ganz abrufen. Unser Gehirn hält uns davon ab, auf alle unsere körperlichen Ressourcen zuzugreifen, weil wir uns mit gezerrten Sehnen oder Bändern schaden könnten. Je mehr wir über diese limitierenden Funktionen lernen, desto mehr lernen wir, sie ein klein wenig zu unterdrücken -- manchmal, indem wir das Gehirn davon überzeugen, dass wir durch größere Anstrengung nicht in tödlicher Gefahr sind. Ausdauer- und extreme Ausdauersportarten sind hier gute Beispiele. Extreme Ausdauersportarten hielt man früher für gesundheitsschädlich, aber heute erkennen wir, dass wir Eigenschaften haben, die perfekt für extreme Ausdauer sind: kein Fell und Schweißdrüsen im Überfluss, die uns beim Laufen kühlen; verhältnismäßig schmale Hüften und lange Beine; eine große Oberfläche der Gelenke, um Stöße abzudämpfen. Wir haben einen Bogen im Fuß, der wie eine Feder wirkt, kleine Zehen, mit denen man sich besser abstößt als nach Ästen zu greifen, und wenn wir rennen, drehen wir Oberkörper und Schultern, während der Kopf gerade bleibt. Primaten können das nicht.
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Die müssen so rennen. Wir haben große Gesäßmuskeln, die uns beim Rennen aufrecht halten. Haben Sie mal einen Affenpo gesehen? Die haben keine Pobacken, weil sie nicht aufrecht rennen. Als Sportler erkannten, dass wir perfekt für extreme Ausdauer ausgestattet sind, haben sie Dinge vollbracht, die vorher undenkbar waren -- Athleten wie der spanische Ausdauerläufer Kílian Jornet. Hier rennt er das Matterhorn hoch. (Gelächter) Mit einem Sweatshirt um die Hüfte. Es ist zu steil zum Rennen. Er zieht sich an einem Seil hoch. Das ist ein senkrechter Aufstieg von über 2400 Metern, und Kílian lief hoch und runter in unter drei Stunden. Erstaunlich! Auch wenn er talentiert ist, ist Kílian kein körperlicher Freak. Jetzt, da er das getan hat, werden andere Sportler folgen, so wie andere Sportler Sir Roger Bannister folgten, die Meile unter vier Minuten zu laufen. Andere Technik, andere Gene und eine andere Einstellung. Innovationen im Sport,
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seien es neue Oberflächen oder Schwimmtechniken, die Demokratisierung des Sports, die Ausweitung auf neue Körper und neue Bevölkerungsgruppen rund um die Welt, Vorstellungskraft im Sport, ein Verständnis davon, was der menschliche Körper wirklich leisten kann, kamen zusammen, um Sportler stärker, schneller, mutiger und besser zu machen als je zuvor. Vielen Dank! (Applaus)

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