Karl Popper, Science, & Pseudoscience: Crash Course Philosophy #8

Karl Popper, Science, & Pseudoscience: Crash Course Philosophy #8

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Language: German

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Crash Course Philosophie wird euch präsentiert von Squarespace. Squarespace: Teile deine Leidenschaft mit der Welt. Stell dir vor in der Zeit zu leben, in der Albert Einstein seine Theorien zur Relativität aufgestellt hat. Oder die Geburt der Psychologie zu bezeugen, als Sigmund Freud und seine Psychoanalyse den wissenschaftlichen Mainstream einnahmen. Das frühe 20ste Jahrhundert war eine wunderbare Zeit für westliche Wissenschaft. Es gab eine weitere große Person auf der intellektuellen Bühne als diese großen Geister tätig waren. Der junge Philosoph Karl Popper wurde in Österreich - eigentlich Freuds Domäne, geboren - aber machte seinen Werdegang in Großbritannien, wo er ernsthaft über die Art und Weise nachdachte, wie diese und andere Wissenschaftler die Welt betrachteten. Und nachdem er sich verschiedene Methoden angesehen hatte, die Menschen wie Freud und Einstein nutzten Kam Popper zu dem Schluss, dass nicht alle wissenschaftlichen Errungenschaften gleichwertig sind. Es lief darauf hinaus, dass er eine wichtige Unterscheidung machte zwischen Wissenschaft ... und dem, was er Pseudowissenschaft nannte. Und im Laufe dessen lehrte er uns bändeweise über die Natur des Wissens an sich und wie wir es am besten testen und hinterfragen können, um uns näher an die Wahrheit heranzuführen.
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Sowohl Freud als auch Einstein waren beide etwa zur selben Zeit aktiv und stellten Vorhersagen auf von denen sie hofften, dass sie uns helfen würden, unsere Welt besser zu verstehen. Freud, der mit der individuellen Psyche beschäftigt war, sagte voraus, dass unsere Kindheitserfahrungen einen immensen Einfluss auf den Menschen haben, zu dem wir heranwachsen würden. Währenddessen wartete Einstein geduldig auf eine Sonnenfinsternis, die seine gesamte allgemeine Relativitätstheorie widerlegen konnte, je nachdem, was diese über die Weise enthüllen würde, in der sich Licht im Raum bewegt. Und dann gab es Karl Popper, geboren im Jahr 1902, der auf seinem Weg diese Vorhersagen mit eifrigem Interesse verfolgte. Als junger Gelehrter lernte er von Freuds Theorie der Psychoanalyse und besuchte Vorlesungen von Einstein selbst zu den Gesetzen des Universums. Und er stellte fest, dass diese großen Denker verschiedene Methoden benutzen. Zum Beispiel stellte Popper fest, dass Freud jeden x-beliebigen Sachverhalt zurechtbiegen konnte um seine Theorie zu untermauern. Freud konnte die Intimitätsprobleme eines Menschen damit erklären, dass er wahlweise als Kind nicht genug umarmt oder gar zu viel umarmt worden ist. Währenddessen konnte man nahezu jedes Verhalten der Frau im Hinblick auf Penisneid erklären. Die Beweise für Freuds Theorien waren ja schließlich überall!
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Aber Popper sah, dass Einstein eine andere Art von Vorhersage aufstellte. Anstatt in die Vergangenheit zu sehen und alte Daten zu nutzen, um die Gegenwart zu "vorhersagen", wandte er seinen Blick nach vorn, und machte Vorhersagen über zukünftige Sachverhalte. Einsteins Theorie war ziemlich waghalsig, wie Popper einsah. Denn wenn die Zukunft nicht mit seinen Vorhersagen übereinstimmen würde, dann wäre seine Theorie eindeutig widerlegt. Wären die Ergebnisse der Sonnenfinsternis von 1919 anders gewesen, dann wäre es aus gewesen mit der Relativitätstheorie. Freud konnte seine Lesart der Vergangenheit jedoch immer anpassen und so die Gültigkeit seiner Theorie weitgehend aufrecht erhalten. Auf einmal verstand Popper den Unterschied zwischen der Wissenschaft, die Einstein betrieb und jener, die Freud betrieb, welche Popper etwas abschätzig als Pseudowissenschaft bezeichnete. Also, ob Psychologie heutzutage als klassische Wissenschaft oder als Gesellschaftswissenschaft oder als irgend eine andere Art verstanden wird ist zwar streitbar. Aber es wird schwer, heute einen eingängigen Denker zu finden der sie als Pseudowissenschaft abstempelt. Dennoch, und das nach fast 100 Jahren nachdem Popper zu diesen Einsichten gelangt ist, hatte bis dato noch kein moderner Philosoph definiert, was "Wissenschaft" wirklich bedeutet. - und welchen Einfluss dieses Verständnis auf die Wissensgewinnung hat. Das traditionelle Verständnis der wissenschaftlichen Methode, die bis zu den alten Griechen zurück reicht, ruhte auf dem Glauben, dass die wissenschaftliche Betrachtung der Welt
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eine Herangehensweise ganz ohne vorgefasste Vorstellungen sei. Man betrachtet einfach, sieht was man sieht und stellt Hypothesen auf, basierend auf diesen Beobachtungen. Wenn du also einen Schwan siehst, stellst du fest, dass er weiß ist. Dann siehst du einen anderen;der ist auch weiß. Du siehst dir genug Schwäne an, um schlussendlich die Hypothese zu bilden, dass alle Schwäne weiß sind. Das ist das, was Freud seiner Meinung nach tat: Beziehungen ansehen -- aber statt der Beziehung zwischen Schwänen und Farben, konzentrierte er sich im Besonderen auf menschliche Phänomene und menschliches Verhalten. Aber Popper sagte, dass jeder in irgend einer Art und Weise vorgefasste Vorstellungen hat. Wir alle fangen mit einer Ahnung an, ob wir das zugeben oder nicht. Denn schließlich ist das, was du dir zur Betrachtung aussuchst vorherbestimmt durch das, was dich genug interessiert, um es zu betrachten. und durch den Umstand, dass es dir bereits so wichtig ist, dass du schon Glaubensvorstellungen davon hast. Was sagt uns das also über Freud? Popper war fest überzeugt, dass Methoden, die nur dazu dienten, Vorstellungen zu belegen, pseudowissenschaftlich wären. Und das man sie nutzen könnte, um einfach alles zu beweisen. Denk an die Existenz des Weihnachtsmanns. Wenn ich versuche an Beweise für seine Existenz zu denken, dann werde ich sie auch ganz einfach finden. Die Welt ist vollgestopft mit Beweisen für den Weihnachtsmann! Am Weihnachtstag gibt es Geschenke unter dem Baum. Da ist dieser Typ im Einkaufszentrum. Und dann
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diese ganzen Lieder, Geschichten, Fernsehsendungen und Filme - zusammen bestärken sie deinen Glauben an den Weihnachtsmann. Aber Popper würde entgegnen, dass man seine Nicht-Existenz nur zeigen könnte, indem man versucht, Santas Existenz zu widerlegen. Die Frage ist also, wenn wir beginnen, eine Theorie zu testen, wollen wir sie belegen oder widerlegen? Das ist der Stichpunkt für Popper - Wissenschaft widerlegt, während Pseudowissenschaft belegt. Er führte seine Gedanken dazu aus, indem er eine Reihe eindeutiger Schlussfolgerungen über Wissenschaft und Wissen aufstellte. Zu allererst, so sagte er, ist es einfach, einen Beleg für eine Theorie zu finden, wenn man danach sucht. Erinnerst du dich an die Geschenke unter dem Baum? Wenn du nach Beweisen suchst, dass der Weihnachtsmann existiert, wirst du danach wohl nicht anfangen, widersprüchliche Indizien zu suchen. Zweitens: Bestätigung sollte nur für gewagte Vorhersagen zulässig sein - jene die die eigene Theorie tatsächlich zerstören können. Denn Popper stellte fest, dass jede gute wissenschaftliche Theorie prohibitiv ist - sie schließt Dinge aus. Das mag seltsam klingen, weil niemand falsch liegen will, aber Popper sagt dass jede falsche Vorstellung, die wir entdecken letztendlich gut ist, weil sie uns näher dazu führt, an die wahren Dinge zu glauben. Als nächstes sagte Popper, dass der einzig wahre Weg eine Theorie zu überprüfen darin liegt, sie zu falsifizieren.
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Wenn du also die Existenz des Weihnachtsmanns überprüfen willst, müsste deine Methode Beweise erbringen, dass er nicht existiert anstatt zu beweisen, dass er es doch tut. Da bleibst du also die ganze Nacht wach, wartest, bis du ihn erwischt, wenn du er die Geschenke bringt. Das ist waghalsig, denn wenn die Person, die tatsächlich auftaucht und Geschenke hinterlässt, dein Vater ist, Dann hast du die Santa-Hypothese platt gemacht. In ganz ähnlicher Weise stellte Popper außerdem heraus, dass unanfechtbare Theorien nicht wissenschaftlich sind. Wenn man sie nicht testen kann, dann ist deine Hypothese nicht allzu viel wert. Zum Beispiel kannst du belegen, dass Santa existiert, indem du alles in deiner Macht stehende tust, um zu beweisen, dass du ihn dir einbildest und dabei versagst. Du musst also an den Rauschebärten in Einkaufszentren zerren. Du musst Nachforschungen anstellen, wenn er gesichtet wurde, oder wenn schräge Gestalten durch den Schornstein in fremde Häuser einbrechen. Wenn du in der Lage sein willst deinem Glauben an Santa wirklich zu vertrauen, und das in einer wahrhaftig wissenschaftlichen Weise, musst du deine Vorstellungen auf jede erdenkliche Art und Weise herausfordern, die dir einfällt. An diesem Punkt hast du dir laut Popper das Recht verdient, deine Theorie als Wissenschaft zu bezeichnen. Und zu guter Letzt, wenn du deine Theorie widerlegt hast, sagt Popper, dass du bereit sein musst, sie fallen zu lassen. Damit meine ich, dass du trotzdem am Mythos des Weihnachtsmannes festhalten kannst, selbst nachdem du deinen Vater beim Geschenkebringen erwischt hast.
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Indem du die Lüge annimmst, der Weihnachtsmann hätte die Geschenke schon vorher da gelassen und das er nur "helfen" wollte. Aber wenn du ein Wissenschaftler bist, musst du bereit sein, deine Vorstellungen zu verwerfen. Akzeptiere die Beweislage. Mach weiter. Und das ist die moderne wissenschaftliche Denkweise, die wir heute akzeptieren: Überprüfbar, anfechtbar, falsifizierbar. Man versucht nicht, wissenschaftliche Hypothesen als richtig zu belegen, man versucht sie als falsch herauszustellen. Vieles davon mag so offensichtlich scheinen, dass du dich vielleicht wunderst, warum wir darüber reden. Doch das zeigt wie recht Popper hatte - er war einer dieser seltenen Philosophen, die es tatsächlich geschafft haben, derart richtig auf eine Idee zu kommen, dass wir darüber nicht mal mehr diskutieren. Nun, es mag klingen als hätte ich die ganze Zeit nur über Wissenschaft gesprochen. Aber Popper und seine Einblicke verraten uns tatsächlich sehr viel über das Wissen im philosophischen Sinne. Für Popper ging es bei Wissen um Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit. Wir sind berechtigt, das zu glauben, was uns unsere Daten als am wahrscheinlichsten nahelegen. Und wir sollten immer gewillt sein unsere Vorstellungen im Angesicht neuer Beweise zu revidieren. In anderen Worten sollten unsere Vorstellungen im Rahmen unseres Wissens selbst möglich sein. Das hätte Descartes nicht zufrieden gestellt, der sich ja immer um Gewissheit gesorgt hat. Aber Popper hat nie angenommen, dass Gewissheit überhaupt möglich ist. Wenn überhaupt hat er
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gedacht, dass es den Geist verschränkt, wenn man sich einer Sache gewiss ist, und das ist es nicht, was wir wollen. Sich immer für die Möglichkeit offen zu halten, dass unsere derzeitigen Vorstellungen falsch sind ist der beste Weg, näher an die Wahrheit zu gelangen. Wohin bringt uns das also? Denk dran, wir haben angefangen, beweisen zu wollen, dass wir die Dinge kennen, die wir kennen. Aber wir müssen für die Idee offen sein, dass unsere Vorstellungen falsch sein können - denn nur so können sie wertvoll sein. Ansonsten würden wir alle nur an das glauben, was wir glauben wollen, ohne jeden Raum, zwischen Vorstellungen zu urteilen. Das solltest du im Hinterkopf behalten, denn das ist die Devise für den Rest dieses Kurses. Du darfst nur an die Dinge glauben, für die du Beweise hast, und wir werden mit einem Themenfeld anfangen, das für die meisten Menschen am schwersten ist - Gott. Ich hoffe, du bist dabei! Heute hast du über Karl Popper gelernt und seine Einblicke in Wissenschaft, Pseudowissenschaft und Wissen - was man wohl am besten kurzfassen kann mit: Wissenschaft widerlegt, Pseudowissenschaft belegt. Diese Folge von Crash Course Philosophie wurde ermöglicht durch Squarespace. Squarespace ist eine Option zur Erstellung einer Website, eines Blogs oder eines Online-Stores für dich und deine Ideen. Squarespace bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche, personalisierte Vorlagen und Kundenservice rund um die Uhr. Probier Squarespace aus
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